Sanierung der Grüsener Kirche

Großer Umbau im Hause des Herrn

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Kirche Grüsen

Gemünden-Grüsen - Decke, Bänke, Heizung: Es lag einiges im Argen in der Grüsener Kirche. Jahrelang haben die Gemeindemitglieder für ihr Gotteshaus gesammelt – seit April sind Bauarbeiter Dauergäste im Gebäude.

Still und in Plastik gehüllt steht die Orgel der Grüsener Kirche neben Leitern, Gerüsten, Farbeimern und Säcken voll Putz. Bis voraussichtlich Weihnachten bleibt das große Instrument stumm. Dann sollen die Bauarbeiten fertig sein, auf die viele Grüsener seit Jahren gewartet haben.

„Es ist mühsam, aber spannend“, sagt Pfarrer Hilmar Jung über die Arbeiten im Gotteshaus, die im April begonnen haben. Die ganze Kirche gleicht im Inneren einem Labyrinth aus Gerüsten. 304 000 Euro stehen der Kirchengemeinde zur Verfügung. Knapp ein Drittel davon stammt aus dem Spendentopf, den die Grüsener in den vergangenen Jahren gut gefüllt haben und der vom Kirchenerhaltungsfonds verdoppelt wurde (FZ berichtete). „Schön ist, dass wir keine Genehmigung einzelner Gewerke mehr benötigen“, freut sich Jung. Die Gemeinde kann innerhalb gewisser Grenzen selbst bestimmen, wie sie das Geld für ihr Haus einsetzt.

Mintgrün und Gelb-Orange

So sind es drei Bereiche, die bei den Sanierungen besondere Aufmerksamkeit erfahren: die Decke und die Wände, die Heizung und die Bänke. Letztere werden derzeit von einem Schreiner aus Felsberg restauriert – allerdings nur die aus dem Mittelgang, die aus der Zeit der Kirchweihe stammen. Die Bänke an den Seitenwänden kommen weg: „Wir sorgen so für eine klare Gliederung“, sagt der Pfarrer – die Blicke sollen von hinten direkt auf den Altar gelenkt werden. Auch Risse an der Lehmdecke sollen nicht mehr von der Predigt ablenken. Sie werden professionell ausgebessert, dazu ist derzeit eine Zwischendecke eingezogen.

Unverändert bleibt die Farbe der Empore – ein Mintgrün, das in Grüsen nicht unumstritten ist. Jung sagt, dass das Geld anderweitig besser eingesetzt werden könne, und zeigt sich „froh, dass uns diese Entscheidung so abgenommen wurde“. Bunter wird der Innenraum der Kirche dennoch: Die Wände sollen in einem Gelb-Orange gestaltet werden. „Wir hätten auch alles original zurückbilden können, aber dann wäre es eine andere Kirche geworden“, sagt Jung. Mit den angedachten Änderungen „bleibt es unsere Kirche“. Dennoch müsse bei den Bauarbeiten darauf geachtet werden, „was die Erbauer sich gedacht haben“, denn das habe durchaus Sinn gehabt: sich auf den Gottesdienst, auf die Predigt und die Lieder, auf das Gespräch mit Gott zu konzentrieren. Die Kirche sei kein Wohnzimmer und solle auch keins werden.

„Wohlfühl-Bänke“

Ein wenig gemütlicher allerdings soll es während der Gottesdienste schon werden. „Man konnte ja auf den Bänken kaum eine ganze Predigt still sitzen“, beklagt sich Jung über den Zustand der Bänke. Nach den Schreinerarbeiten sollen daraus „richtige Wohlfühl-Bänke“ werden. Dafür, dass die Besucher darauf auch im Winter gemütlich und warm sitzen können, soll die neue Heizung sorgen. „Wir wollen nicht die ganze Kirche heizen und können uns das auch gar nicht leisten“, erklärt Jung. Stattdessen sollen – ähnlich wie bisher – Heizrohre für Wärme sorgen. Die allerdings sollen unter die Bänke montiert werden, sorgen also für eine warme Sitzfläche – und für warme Füße bei all jenen, deren Beine bis unter die Bank des Vordermanns reichen.

Der Altarraum, in dem das Kreuz wieder an seine ursprüngliche Stelle gerückt werden soll, erhält zudem eine Flächenheizung. Die kann Pfarrer Jung bei seiner ersten Predigt in der sanierten Kirche wahrscheinlich gut gebrauchen: Laufen die Arbeiten nach Plan, ist die Kirche pünktlich zum Weihnachtsfest fertig. Krippenspiel und Andacht sollen dann wieder in Grüsen stattfinden. Allerdings: „Die Arbeiter haben alle Zeit der Welt, die Kirche soll ordentlich fertig sein“, schränkt Pfarrer Jung ein. Auf einer Baustelle möchte er nicht unbedingt Gottesdienste feiern – das hatten die Grüsener lange genug.

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