Grünschnitt aus Wiesen, öffentlichen Anlagen und Naturschutzflächen

Grünes „Futter“ für die Biogasanlage

Nach der Einbringung in das Silo wird der Grünschnitt verdichtet, um ihn lagerfähig zu machen. Foto: pr

Allendorf (Eder) - Die Biogasanlage von Viessmann am Stammsitz in Allendorf war in den vergangenen Tagen das Ziel von Landwirten aus der Region. Aus einem Radius von zehn Kilometern wurden 1300 Tonnen Grünschnitt ange-liefert, der zu Bioenergie verwandelt wird, anstatt ungenutzt zu verrotten.

Die 2010 in Betrieb genommene Biogasanlage funktioniert nach dem Prinzip der Trockenfermentation: Es kommen ausschließlich nicht pumpfähige Stoffe zum Einsatz. Die Ansprüche an das Ausgangsmaterial sind äußerst gering, eine Vorbehandlung der Biomasse ist nicht erforderlich.

Mehr als 50 Prozent des Substrat-Einsatzes für die Biogasanlage erfolgt mit Landschaftspflegematerial. Es stammt zum größten Teil von ungedüngten Wiesen, also von nicht mehr intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen. Auf diese Weise profitieren nicht nur die Umwelt, sondern auch die Landwirte, die für den Schnitt dieser Flächen eine Vergütung erhalten. Eine andere sinnvolle Verwendung für das Material gibt es nicht, da die betreffenden Betriebe die Viehhaltung aufgegeben haben.

Zum Einsatz kommt zudem Grünschnitt aus dem kommunalen Bereich - beispielsweise aus Parks und Grünanlagen - sowie von Naturschutzflächen, wie sie vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) an mehreren Stellen in den Eder-auen angelegt worden sind. Diese Flächen dienen vorran-gig dem Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen sowie der Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts. Ein regelmäßiger Schnitt muss dort erfolgen, um den ursprünglich beheimateten Pflanzen und Kleintieren eine Wiederansiedlung zu ermöglichen. So leistet die Verwertung des Aufwuchses in der Biogasanlage auch einen wichtigen Beitrag zum biotischen Ressourcenschutz und der Erhaltung des Landschaftsbildes.

Neben dem Landschaftspflegematerial wird die Biogasanlage vor allem mit Rinder- und Pferdemist befüllt. Lediglich ein kleiner Teil wird derzeit noch mit nachwachsenden Rohstoffen abgedeckt; der Anteil wird nach und nach weiter zurückgefahren. Im Laufe der nächsten Jahre soll der Anteil an Landschaftspflegematerial auf etwa 70 Prozent steigen, so dass die Anlage fast ausschließlich mit Reststoffen von Landwirtschaft, Kommunen und Naturschutzprojekten auskommen wird.

Ende August wird die derzeit im Bau befindliche zweite Biogasanlage am Unternehmensstammsitz in Betrieb gehen. Sie stammt von der Viessmann-Tochter Schmack Biogas und soll nach dem Prinzip der Nassfermentation arbeiten. Mit einem von der ebenfalls zur Viessmann-Gruppe gehörenden Firma Carbotech entwickelten Verfahren soll das dort erzeugte Biogas auf Erdgasqualität aufbereitet und in das öffentliche Gasnetz eingespeist werden. So ist seine Nutzung zur Strom- beziehungsweise Wärmeerzeugung unabhängig von seiner Entstehung überall dort möglich, wo ein Erdgasanschluss vorhanden ist. Das Gasnetz dient dabei als Speicher und Transportmedium, das es ermöglicht, die Erzeugung und den Einsatz des Gases zeitlich und räumlich zu entkoppeln.(r)

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