Gleichgewichtsübungen in Hatzfelder Grundschule

"Guten Morgen, liebes Knie"

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Die Kinder der Klasse 1b begrüßen ihre Knie – dies ist die Übung zu Beginn der ersten Stunde. Die Lehrerinnen Julia Weller, Jasmin Brinkhoff und Regina Feige, Bettina Trebing von der AOK und Gleichgewichts-Trainerin Jutta Schöler (hinten von links) freuen sich über den Spaß, den die Grundschüler bei den Lektionen haben. Foto: Mark Adel

Hatzfeld - Hat ein Kind Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht, sind seine Leistungen in der Schule deutlich schlechter als bei Schülern mit gutem Gleichgewicht: Das ergibt eine Studie des hessischen Kulturministeriums. Als einzige Schule in der Region beteiligt sich die Hatzfelder Möllenbach-Schule am „Projekt Schnecke“ - und die Lehrerinnen haben schon nach wenigen Wochen Fortschritte festgestellt.

Jede Schulstunde beginnt mit einer kurzen, höchstens eine Minute dauernden Übung: Etwa der Knie-Begrüßung, bei der die Kinder abwechselnd ein Bein langsam anheben, oder dem „Fahrstuhl“, also Hocken und wieder aufrichten.

In jedem Klassenraum hängt ein „Kalender“, in dem die Übungen vermerkt sind. Jede Stunde beginnt mit einer anderen, kurzen Lektion, die Tag für Tag wiederholt wird. Nach etwa acht Wochen wird gewechselt. „Man sieht die Fortschritte“, sagt Lehrerin Julia Weller, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Jasmin Brinkhoff das Projekt betreut.

Das so genannte „Projekt Schnecke“ geht auf eine wissenschaftlich begleitete Studie des hessischen Kultusministeriums zurück. Forscher haben herausgefunden, dass Kinder mit einem verbesserten Gleichgewicht deutlich bessere Leistungen beim Lesen, Rechnen und in der Rechtschreibung zeigen.

Nach den Sommerferien haben Lehrer und Kinder mit den Übungen begonnen. Weller und Brinkhoff haben dazu Fortbildungen besucht, die Übungen werden aber in allen Klassen von allen Lehrern ausgeführt. Bewegung sei schon im Kleinkindalter wichtig, sagt Gleichgewichts-Trainerin Jutta Schöler. „Es ist wichtig zu wissen, dass ein Zusammenhang zwischen Lernen und Gleichgewicht besteht.“ So sei die Lese-Rechtschreib-Schwäche oft eine „Folge der unreifen Bewegungsmuster“.

Obwohl es sich um eine Studie des Kultusministeriums handelt, sei das Ergebnis an den Schulen noch weitgehend unbekannt. Bislang sei das Projekt an der Hatzfelder Möllenbachschule einzigartig, berichtet die Leiterin Regina Feige.

Die Kinder hätten Spaß an den Übungen, berichtet Julia Weller. „Sie merken, wie gut das tut.“ „Sie erinnern mich sofort, wenn ich es mal vergesse“, ergänzt Regina Feige. Für eine kleine Gruppe bieten Weller und Brinkhoff einmal wöchentlich eine zusätzliche Stunde an, in der die Kinder weitere Gleichgewichts-Übungen absolvieren.Die Krankenkasse AOK Hessen bezuschusst das Projekt mit 1490 Euro, etwa den gleichen Betrag übernahm die Elternkasse. Von dem Geld werden unter anderem Kissen gekauft, die die Gleichgewichtsübungen noch etwas anspruchsvoller machen. Bettina Trebing vom Frankenberger AOK-Beratungscenter lobte besonders das Engagement der Lehrerinnen.

Eine Mutter hat der Schule eine Spielekonsole gespendet, mit deren Hilfe weitere Gleichgewichtsübungen möglich sind.

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