Frankenberg

Guttenberg spart in Burgwaldkaserne

- Frankenberg (rou). Droht der Burgwaldkaserne die Schließung? „Alles reine Spekulation“, sagt Kommandeur Thomas Mauer. Vor Sommer 2011 seien keine verlässlichen Aussagen zur Zukunft des Bataillons Elektronische Kampfführung 932 möglich.

Die Hauptstadt ist weit weg, und bundespolitische Themen werden nur selten emotional in Frankenberg diskutiert. Die von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg präsentierten Pläne zur Verkleinerung der Bundeswehr und der Aussetzung der Wehrpflicht beschäftigen seit Wochen jedoch sehr wohl die Frankenberger. Denn die Bundeswehr ist nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region, sondern die „Bürger in Uniform“ bringen sich auch in vielfältiger Form in das gesellschaftliche Leben im Frankenberger Land ein. Für das schlechte Bauchgefühl vieler Menschen sorgt derzeit vor allem die Ankündigung des Ministers, dass einhergehend mit der Reduzierung der Truppenstärke auf rund 163000 Soldaten auch kleine Bundeswehrstandorte geschlossen werden. Und die Burgwaldkaserne ist ein vergleichsweise kleiner Standort. Aktuell haben in Frankenberg rund 1100 Soldaten ihre dienstliche Heimat. Vor allem deshalb wird in vielen Runden ein Was-wäre-Wenn diskutiert. Was wäre, wenn die Burgwaldkaserne im Zuge der Strukturreform geschlossen würde?

Verfolgt werden die Aussagen des obersten Dienstherren aus Berlin auch innerhalb des Frankenberger EloKa-Bataillons 932. Daraus macht Oberstleutnant Thomas Mauer keinen Hehl. „Es ist allerdings nicht so, dass bei uns momentan die Angst kursiert“, sagt er im Gespräch mit WLZ-FZ und beschwichtigt. „Es gibt noch keine politisch belastbaren Entscheidungen.“ Es sei für ihn deshalb unverständlich, warum von außen so viel Unruhe in die Kaserne getragen würde. Ähnlich argumentiert auch Mauers Stellvertreter Oberstleutnant Uwe Stahl. „Die Entscheidungen werden nächsten Sommer getroffen. So lange müssen wir alle warten.“

Dass Frankenberg unmittelbar von der Bundeswehrreform betroffen sein wird, ist in den vergangenen Wochen vor allem von selbst ernannten „Bundeswehr-Experten“ mit einem angeblich verhängten Baustopp in der Burgwaldkaserne begründet worden. Zum Hintergrund: Schon seit Jahren investiert das Verteidigungsministerium in Frankenberg. Und mehr als 50 Millionen Euro sollten auch in den nächsten Jahren in die Modernisierung der Kaserne fließen. Für 2010 war unter anderem der Beginn der Arbeiten an einer neuen Sporthalle, an dem neuen Sportplatz und dem Neubau eines ersten Unterkunftsgebäudes geplant. Zug um Zug sollten alle Wohnblocks erneuert werden.

Doch dazu wird es tatsächlich vorerst nicht kommen, erläutert Stahl. Per Bescheid unterrichtete das Ministerium im Mai alle deutschen Bundeswehrstandorte darüber, dass aufgrund des knappen Verteidigungsetats vorerst keine neuen Projekte realisiert werden. „Trotz der fertigen Pläne sind die Maßnahmen auf Eis gelegt worden“, sagt der stellvertretende Kommandeur. Bereits begonnene Arbeiten seien von dem Baustopp aber nicht betroffen, wurde dem EloKa-Bataillon mitgeteilt. Laut Stahl will das Verteidigungsministerium erst nach der Vereinbarung einer neuen Bundeswehrstruktur in großem Umfang in die Standorte investieren. Die Einsparpläne von zu Guttenberg stehen in direktem Zusammenhang mit dem Baustopp in Frankenberg, „das Herstellen eines Zusammenhanges mit der Zukunft des Standorts ist aber unzulässig“, sagt Kommandeur Mauer. Um 4,7 Milliarden Euro sollen die Verteidigungsausgaben bis zum Jahr 2014 sinken. Der Verteidigungsetat 2010 sieht Ausgaben von 31,1 Milliarden Euro vor, im nächsten Jahr soll er nach den Vorstellungen des Ministers um 438 Millionen Euro steigen. Die mittelfristig geplanten Einsparungen sollen vor allem über die Reduzierung der Personalkosten erfolgen, die derzeit mehr als die Hälfte des Etats ausmachen. Die Bundeswehr zählt 96 000 Zivilangestellte und Beamte in den Streitkräften, im Ministerium sowie der Wehrverwaltung und derzeit 200 000 Berufs- und Zeitsoldaten und etwa 55 000 Wehrpflichtige.

Sollte durch eine Aussetzung der Wehrpflicht künftig auf den zwangsverpflichteten Nachwuchs verzichtet werden müssen, hätte dies auch organisatorische Änderungen in der Burgwaldkaserne zur Folge. 300 Rekruten leisten jährlich ihren Wehrdienst in Frankenberg, sagt Mauer. Zum 1. Juli begrüßte der Kommandeur 53 junge Rekruten in der Kaserne. Und unter ihnen waren auch einige, die von vornherein geplant haben, länger als sechs Monate ihren Dienst im EloKa-Bataillon 932 zu versehen. „Die Quote ist Quartal für Quartal sehr ordentlich“, sagt Mauer. Seit der Reduzierung der Wehrpflicht von zehn auf sechs Monate seien die jungen Rekruten zwar ohnehin nicht mehr für den Fachauftrag einzusetzen, sie würden jedoch wichtige allgemeine Verwaltungstätigkeiten übernehmen.

Sollte die Wehrpflicht, wie von Guttenberg geplant, ausgesetzt werden, „werden wir neue Wege beschreiten müssen, um junge Soldaten zu rekrutieren“, erläutert Mauer. Viele Wehrpflichtige seien in den vergangenen Jahren mit einem grundsätzlichen Interesse an einer Verlängerung in die Kaserne eingerückt. „Sie wollten erst Eindrücke gewinnen und sich dann entscheiden, ob sie länger als sechs Monate bei der Bundeswehr bleiben. Diese Klientel würde völlig wegbrechen.“



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