22-Jähriger muss trotz Revision ins Gefängnis – Urteil: Zwei Jahre und einen Monat

Haft wegen bunter Pillen

Marburg. Weil der Bundesgerichtshof ein Urteil des Marburger Landgerichts gegen einen 22-Jährigen aus dem Frankenberger Land teilweise aufgehoben hat, musste der Fall vor der Zweiten Strafkammer erneut verhandelt werden. Wegen Besitz sowie Beihilfe zur Einfuhr und zum Handel mit Drogen muss der Mann nun zwei Jahre und einen Monat ins Gefängnis.

Am 22. Februar hatte die Erste Strafkammer noch zwei Monate mehr verhängt. Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte Revision ein. Wie Richterin Heike Schneider erläuterte, stehe der Sachverhalt wegen des Geständnisses des Mannes fest und müsse nur in Teilen neu bewertet werden.

Laut erstinstanzlichem Urteil war der Angeklagte am 26. August 2009 mit einem Freund nach Rotterdam gefahren, wo dieser 171 Gramm Kokain erwarb, die er in Deutschland weiterverkaufen wollte. Der 22-Jährige habe keinen Nutzen an dem Geschäft gehabt und lediglich Spritgeld erhalten.

Die Polizei fing die beiden ab. Bei einer Durchsuchung seien im Schlafzimmer des Angeklagten 353 Tabletten Ecstasy sichergestellt worden. Zudem habe sich in einer Scheune beim Wohnhaus ein Tresor befunden, in dem weitere 2480 Pillen deponiert waren. Diese habe der Freund dort gelagert.

Die Verurteilung wegen Beihilfe zu einer Einzelstrafe von einem Jahr und neun Monaten habe der BGH nicht beanstandet, sagte Schneider. Wohl aber die Einzelstrafe von einem Jahr wegen Besitz und Beihilfe zum Handel von nicht geringen Mengen an Betäubungsmitteln. Die Drogen in dem Tresor hätten sich nicht in Besitz des Angeklagten, sondern des Freundes befunden. Besitz habe er nur an der Menge im Schlafzimmer gehabt. Die Mindeststrafe sei also nicht ein Jahr, sondern drei Monate.

„Freundschaftsdienste“

Der Verteidiger des Angeklagten machte deutlich, dass er eine Bewährungsstrafe anstrebe. Sein Mandant habe Freundschaftsdienste geleistet. Zudem gebe es eine günstige Sozialprognose, da er einer Arbeit nachgehe, sich von seinem Freundeskreis losgesagt habe und eine feste Freundin habe. Allerdings, räumte der Anwalt ein, gebe es ein neues Ermittlungsverfahren wegen Trunkenheit am Steuer und illegalen Besitzes einer Softairwaffe.

Die Staatsanwaltschaft plädierte darauf, die Strafe nicht zu reduzieren. Der Angeklagte habe durch das zur Verfügung stellen der Scheune eine erhebliche kriminelle Energie bewiesen, weil die Strafverfolgung seines Freundes so erschwert worden sei. Zudem gehe sie davon aus, dass er durchaus einen Nutzen gehabt habe, da die 353 für den eigenen Bedarf bestimmten Tabletten einen erheblichen Wert darstellten.

Dieser Argumentation folgte die Kammer, wenngleich sie beim Strafmaß herunterging. Schneider bezweifelte, dass der Angeklagte heute die richtigen Freunde habe, „wenn er nach einem Diskobesuch betrunken Auto fährt und mit Softairpistolen rumballert“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig – eine erneute Revision ist möglich. (zhe)

Quelle: HNA

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