Vaquero Horsemanship

Hatzfelder gibt Reitkurse in Arizona

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Hatzfeld - Frank Doutheil spricht die Sprache der Pferde. Dadurch zähmt er auch Pferde, die als "unreitbar" galten. Das hat ihm für dieses Jahr Einladungen nach Ägypten und nach Arizona beschert.

Frank Doutheil und seine Frau Daniela Homrighausen leben auf einem großen Hof in Hof Schafhort bei Hatzfeld. Rund um ihr Anwesen: Ställe, Koppeln, eine kleine Reithalle und jede Menge Pferde. In der momentan von Schnee bedeckten Landschaft geben die beiden Kurse im englischen Reiten und im Westernreiten. Außerdem bietet Doutheil seit zehn Jahren Korrekturen an. Der „Pferdeflüsterer“ sucht die Probleme von Pferden, die steigen, buckeln, treten oder sich nicht reiten lassen - und korrigiert die Pferde, wie es in der Fachsprache heißt. In zehn Jahren hat der Hatzfelder nun schon 160 solcher „Problempferde“ behandelt.

Eines dieser Pferde ist ein Vollblut-Araber. Doutheil erzählt, dass der Hengst sechs Jahre alt ist und sich nicht reiten ließ. Verschiedene Reiter haben versucht, das Tier auszubilden und sind gescheitert. Sein Besitzer hatte den Hengst gekauft, um mit dem Araber und seinen Quarterhorse-Stuten zu züchten. Weil sich das Pferd partout nicht reiten ließ, wollte der Besitzer es laut Doutheil als Kutschpferd nutzen. Beim Einspannen ging der Hengst allerdings durch und zerlegte die ganze Kutsche.

Dann kam der Araber nach Hatzfeld. „Nach eineinhalb Wochen konnte ich auf dem Pferd sitzen“, sagt Doutheil. Knapp zwei Monate ist das Tier jetzt schon auf Hof Schafhort, auch der Besitzer habe es dort mittlerweile schon reiten können. In etwa einem Monat könne er das Tier mit nach Hause nehmen. „Es ist ein sehr waches und feinfühliges Pferd“, erklärt Doutheil. „Dadurch ist es auch ängstlich, aber das zeigt es nicht nach außen.“

Doutheil sagt, dass er die Sprache der Pferde spricht. „Ich habe zehn Jahre lang Pferde in ihren Herden beobachtet und so ihre Sprache gelernt“, berichtet der „Horseman“. Daraus habe er sein Konzept für die Korrektur und die Kommunikation mit Pferden abgeleitet. Er nehme sich Zeit für die Tiere, lerne ihren individuellen Charakter kennen, baue Vertrauen auf und schließe eine Partnerschaft. „Dabei ist die natürliche Sprache der Pferde das A und O, um einen Zugang zu gewinnen.“ Unterdessen berührt er den Hengst im Nacken, sagt leise „down“ - das Pferd nimmt sofort den Kopf herunter, durchstöbert den Schnee, lehnt seinen Kopf vertrauensvoll gegen das Bein des „Pferdeflüsterters“. Doutheil erklärt, dass Pferde in dieser Haltung kein Adrenalin produzieren können, sondern sich völlig entspannen.

Laut Homrighausen brauchen die Pferde keine Zäumung, kein Gebiss. Auch die Kinder, die auf Hof Schafhort das Reiten lernen, können schon über den Sattel reiten - statt an einem Gebiss zu ziehen, lenken sie das Pferd durch Gewichtsverlagerungen. Wenn sie „pferdisch“ sprechen - also die Gestik verstehen und auch anwenden, die Pferde in Herden nutzen - könnten die Reiter solche Partnerschaften eingehen, dass die Pferde aus Freundschaft machen, was der Reiter möchte. „Unsere Pferde sind wie Hunde: Sie laufen völlig ohne Zügel hinter uns her“, sagt Homrighausen. Doutheil gibt daher auch für Reiter ohne „Problempferde“ Kurse in Kommunikation mit ihrem Pferd. „Viele Reiter können den Charakter ihres Tieres nicht beschreiben. Dabei hat jedes Tier sein eigenes Wesen“, sagt Homrighausen.

Gerade im Sportbereich käme es oft vor, dass Pferde nur als Sportgerät angesehen werden. „Dabei sind die Reiter in der Pflicht, die Sprache ihres Pferdes zu lernen.“ Die beiden Hatzfelder arbeiten nach der Vaquero-Philosophie (siehe Kasten).

Auf diese Philosophie, die der „Pferdeflüsterer“ aus Hatzfeld lebt, ist laut Doutheil nun auch Nadine Gaßmann aufmerksam geworden. Sie betreut eine Ranch in Arizona, die einem Münchener Investor gehört, und hat das Paar nach Arizona eingeladen. Dort sollen die beiden Kurse für Touristen geben und Pferde korrigieren. „Es ist selten, dass deutsche „Horsemen“ nach Amerika eingeladen werden“, sagt Doutheil. Für ihn ist es eine Ehre und eine Bestätigung seiner Arbeit. „Davon träumen sicher viele.“ Im Dezember geht es für die Familie einige Wochen nach Nordamerika.

Doch zuvor reist Doutheil nach Ägypten. Dort war er gerade im Urlaub, hat mit seiner Familie einen Ausritt in die Wüste gemacht - und hinterher alle Pferde des Besitzers eingerenkt. „Der kam einen Tag später zu mir und hat gesagt, seine Pferde seien noch nie so gut gelaufen.“ Nun hat auch der Ägypter den Hatzfelder wieder eingeladen: In den Osterferien fliegt die Familie dorthin. Im Gepäck werden sie dann verschiedenen Pferdebedarf haben, etwa Zahnraspeln und Hufbeschlag-Zubehör. „Die Ägypter haben viele Pferde, aber einen schlechten Wissensstand“, berichtet Doutheil. Aus Liebe zu den Tieren wolle er dem Ägypter daher Hilfe zur Selbsthilfe geben und ihn schulen, damit er seine Pferde in Zukunft selbst pflegen und gesund halten könne. Der Ägypter sei so begeistert gewesen, dass er schon viele bekannte Pferdebesitzer aus Kairo zu seinen Schulungen eingeladen habe.

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