Battenberg-Dodenau

Heimatkino der ganz besonderen Art

- Battenberg-Dodenau (hen). Ein Kino mitten in Dodenau – mit den Geschichten und dem Leben aus dem Dorf: Das Amateur-Film-Team präsentierte am Wochenende den neuen Film „Dodenauer Rückblicke“ vor 100 Zuschauern.

Die Werbung neigt sich dem Ende, die Lichter im Raum verdunkeln sich, die Besucher lehnen sich in ihren Stühlen zurück und Chips- und Popcorntüten rascheln – der Kinoabend beginnt. Gezeigt wird aber nicht der neueste Film aus Hollywood, sondern das frische Werk des Amateur-Film-Teams (AFT) aus Dodenau. Die „Dodenauer Rückblicke“ seien im Rahmen des 825-jährigen Dorfjubiläums entstanden, erklärt Hans-Helmut Müller zur Begrüßung. Doch die Dreharbeiten begannen lange vor dem Jubiläum: Bereits im Mai 2008 wurden die ersten Filmsequenzen gedreht, erzählt Reiner Zissel – und erst am Donnerstag sei der Film über das Handwerk und die Menschen aus Dodenau fertiggestellt geworden. Mit dem Film wolle das Amateur-Film-Team dazu beitragen, dass die „Erinnerung an das Leben und die Arbeit in vergangener Zeit“ bewahrt wird, fügt Zissel hinzu. Das Dodenauer Handwerk in der Vergangenheit bestimmten vor allem die Mühlen, Gerbereien und Schmieden. Dabei galt Dodenau viele Jahre als das „Gerber-Dorf“ im oberen Edertal und war weit über die Landesgrenzen hinaus für sein Leder bekannt. „Von der Haut zum Leder“ wird im Film die Lederherstellung gezeigt. Bis in die 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde das Leder in Dodenau hergestellt und deutschlandweit zu Schuhen, Geldbörsen und Taschen verarbeitet. Der Fortschritt hielt in Dodenau durch die Wasserversorgung, die Elektrizität und die Eisenbahn Einzug. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts können die Dodenauer das Wasser aus der Leitung zapfen. Mit einem festlich geschmückten Zug wurde im Jahr 1910 die Eisenbahnlinie zwischen Frankenberg und Hatzfeld eröffnet. Die Dodenauer begrüßten die Eisenbahn an ihrem Bahnhof und profitierten mehr als 70 Jahre von der direkten Verkehrsanbindung „in die weite Welt“, wie es im Film heißt. Anfang der 1980er-Jahre wurde der Eisenbahnverkehr eingestellt. Der Film des AFT „Abschied ohne Tränen“ zeigt die letzte Fahrt der Eisenbahn durch das obere Edertal und eröffnet den Kinoabend. Ein Fortschritt, der bis heute geblieben ist und stetig ausgebaut wurde, ist der Strom im Dorf: Ab 1920 leuchteten Glühbirnen in Dodenau und erhellten die Häuser und Straßen. Jeweils ein Kapitel ist den unterschiedlichen Themen im Film gewidmet – den fröhlichen Abschluss bereitet das Maifest. Seit 1949 begrüßen die Dodenauer den Frühling und feiern jedes Jahr an den ersten Maitagen. Was mit einer Zuchtviehschau begann, ist heute ein buntes Fest mit Karussells, Jahrmarktbuden und einem Frühlingsmarkt. In jedem Kapitel ergänzen sich Bild und Wort – denn Armin Schmidt rundet den Dokumentarfilm als Sprecher ab. Elf Mitglieder des Amateur-Film-Teams aus Dodenau haben während der vergangenen anderthalb Jahre an den „Dodenauer Rückblicken“ mitgearbeitet. Von den ersten Dreharbeiten bis hin zur Fertigstellung des Filmes haben sie viel Arbeit und Herzblut in die Dreharbeiten investiert. Der Spaß dabei habe aber nie gefehlt, freut sich Reiner Zissel. Unterstützt wurde das AFT von vielen Dodenauern, die mit zahlreichen Bildern und Erzählungen aus der vergangenen Zeit die Inhalte für den Film lieferten. Zudem wirkten 18 Männer und Frauen als Zeitzeugen und Interview-Partner mit und sorgten mit lustigen Geschichten für den einen oder anderen Lacher im „Kinosaal“. Karl-Heinrich Klein sieht sich bei der Filmvorführung selbst auf der Leinwand: Er spricht über den Bau der Eisenbahn im oberen Edertal. Mit seinen 97 Jahren ist er der älteste Dodenauer und hat die gesamte Geschichte der Eisenbahn miterlebt.

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