Aaron Wilhelmi ist Landesmeister

Hessens bester Zimmerer kommt aus Löhlbach

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Zwei Zimmerer-Generationen: Aaron und Vater Günter Wilhelmi stehen vor der Steuerungseinheit einer Fräse in ihrer Firma in Löhlbach.

Löhlbach. 20 Jahre alt und schon Hessenmeister der Zimmerer: Das ist Aaron Wilhelmi aus Löhlbach. Er brennt für das Handwerk, das er von kleinauf kennenlernte.

Wenn Aaron Wilhelmi über Spaltmaße und Winkel spricht, leuchten seine Augen. Der 20-jährige Zimmermann aus Löhlbach steht zwar noch ganz am Anfang seiner Karriere, seine Erfolge aber sind bereits beachtlich. Die Gesellenprüfung schloss er mit einem Spitzenwert ab, jetzt besucht er die Meisterschule. Im September gewann er die hessische Landesmeisterschaft der Zimmermänner, bald steht der Bundeswettbewerb an.

Wilhelmi wuchs in der Zimmerei seines Vaters Günter Wilhelmi auf. „Auf den ersten Bildern mit Zimmerhut konnte ich gerade einmal laufen“, sagt er. Als Junge wurde er oft in die Holzspähne geworfen, heute gibt es kein Wochenende, an dem er nicht seine typische Kordhose trägt, erzählt er. Mit 14 Jahren träumte Aaron Wilhelmi noch vom Jagen und der Försterei, erzählt sein Vater Günter Wilhelmi. Eines Tages habe sein Sohn vor ihm gestanden, in Zimmermannskleidung, und gesagt: „Ich werde Zimmerer.“

Als Aaron Wilhelmi nach der neunten Klasse in die Lehre gehen wollte, bestanden seine Eltern auf das Fachabitur, welches er in Frankenberg abschloss. Das einjährige Praktikum machte er im väterlichen Betrieb, die Lehre zog er in rekordverdächtigen 15 Monaten durch. Die Gesellenprüfung im Dezember 2015 war kein Hindernis, im Gegenteil. Wilhelmi erreichte nahezu perfekte 98,5 Prozent, am selben Tag meldete er sich für die Meisterschule an.

Dort drückt er zur Zeit die Schulbank. Er verlässt Löhlbach morgens um sechs und kehrt fast zwölf Stunden später zurück - manchmal später, wie er sagt. In der Regel hilft er dann noch seinem Vater den Lkw zu beladen. „Der Körper kann sich im Schlaf erholen“, sagt Aaron Wilhelmi. Im Januar will er den Zimmermeister fertig haben, im Mai den des Dachdeckers. „Einen Doppelmeister mit 20 Jahren findet man nicht so oft“, sagt er schmunzelnd zu seinem Antrieb.

Die Gesellenprüfung war nur ein vorläufiger Höhepunkt. Mit dem Ergebnis qualifizierte er sich für den „Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks“ - also der Hessenmeisterschaft für Zimmerer. Beim Wettbewerb in Kassel setzte er sich gegen neun Konkurrenten durch. Acht Stunden hatten sie Zeit, ein komplexes Modell zu bauen, fertig wurden am Ende nur drei der Bewerber. Nur die nötigsten Maße und Winkel werden angegeben, der Rest muss selbst errechnet werden. „Das ist Denksport vom Feinsten“, sagt er zu seiner schweren Aufgabe. Dann wurde gezeichnet: millimetergenau, im Maßstab 1:1, auf Blankopapier und mit überdimensionierten Geodreiecken. Für Laien sind die Zeichnungen kaum nachvollziehbar. Wem dort ein Fehler unterlaufe, der könne die Aufgabe nicht lösen, sagt der Sieger. Beim anschließenden Schnitt und Zusammenbau der Teile müsse jeder Zug mit der Handsäge genau sitzen, erklärt Wilhelmi.

Im November tritt er beim Bundeswettbewerb an. Drei Tage haben er und seine Konkurrenten dann für die Aufgabe Zeit. Wenn er nächstes Jahr die Meisterschule abgeschlossen hat, steht bereits der nächste Meilenstein an: Er soll den Betrieb des Vaters übernehmen. „Der Erfolg trägt ihn, ich bin sehr stolz“, sagt dieser.

Quelle: HNA

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