Von Kates und Williams neugeborenem Sohn George Alexander Louis zurück bis zur heiligen Elisabeth

Hessens Blut im britischen Königshaus

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Die neue Generation der Mountbatten-Windsors ist begründet: Prinz William mit seiner Frau Catherine und dem neu geborenen Sohn Georg Alexander Louis vorm Hospital.Foto: Tal Cohen/dpa

Battenberg - Königlicher Besuch ist es zwar – noch – nicht, der sich in Battenberg angesagt hat, aber immerhin wird ein hoher Diplomat in Diensten Ihrer Majestät, der Königin Elisabeth von Großbritannien und Nordirland, in den Mauern der Stadt erwartet: Vizebotschafter Simon Gallagher ist am nächsten Donnerstag, 22. August, zu Gast. Er begleitet die „Great Britain Mini Tour“, die um 12.30 Uhr am Markt eintrifft.

Bei ihrer Rundreise durch alle 16 deutsche Bundesländer macht sie bis 12 Uhr Station in Battenberg. Sie wirbt für die Geschäftswelt und den Tourismus in Großbritannien. Blickfang dabei ist ein Mini aus BMW-Produktion in den Farben der britischen Flagge, des „Union Jack“.Zum Besuch des Vizebotschafters hat Prof. Helmut Burger in einer dreiteiligen Serie für WLZ-FZ aufgeschlüsselt, wie eng die Verbindungen zwischen dem britischen Königshaus Mountbatten-Windsor und dem Adelshaus Hessen sind. So lässt sich eine direkte Linie von Kates und Williams neugeborenem Sohn George Alexander Louis bis zur heiligen Elisabeth ziehen, der „Ahnfrau“ des Hauses Hessen. Und Battenberg ist dabei würdig vertreten.

„IN HONOUR BOUND“ - „in Ehre gebunden“. So lautet der Wahlspruch der Mountbattens, die bis 1917 den deutschen Namen von Battenberg trugen. Mit der Geburt des ersten Sohnes von Kate und William, Georg Alexander Louis, lässt sich ein Blick auf diese vielseitigen „Verbindungen der Ehre“ werfen. Sie reichen nämlich zurück bis zur heiligen Elisabeth, der Ahnherrin und „Hauptfrau“ des Hauses Hessen. Die Stammliste des neuen Erdenbürgers ist von hessischem Blut durchdrungen. In einer dreiteiligen Serie beleuchtet die FZ diese Bindung.

Hessisches im Wappen

Das Wappen der Earls of Mountbatten weist eindrucksvoll auf diese hessische Verbindung hin. Neben den Straußenfedern des Prinzen von Wales stehen als zweite Helmzier die hessischen Stierhörner. Diese Hörner mit ihren grünen Blattspitzen als Symbol neuer Hoffnung hat bereits Landgraf Philipp „der Großmütige“ in seinem Wappen geführt. So finden sie sich zum Beispiel auf dem „Philippstein“, den der Frankenberger Meister Philipp Soldan 1542 für die ehemalige Klosterkirche zu Haina geschaffen hat. Ein Replikat steht im Hof des Marburger Landgrafenschlosses, in der Geburtsstadt Philipps.

Die heilige Elisabeth auf Soldans Stein soll die Gesichtszüge der Christina von Sachsen tragen, der ersten Ehefrau Philipps, der sich mit seiner Zweitehe mit Margaretha von der Saale viel Ärger eingehandelt hat. Auch Philipp ist neben dem zentralen Wappen abgebildet. Doch zurück zum aktuellen Ereignis:

Am Montag, 22. Juli, um 17.45 Uhr wurde die Stammliste des Hauses Battenberg/Mountbatten offiziell um einen Prinzen erweitert: George Alexander Louis hatte in London das Licht der Welt erblickt, die Nummer drei der britischen Thronfolge. Es ist davon auszugehen, dass er einmal als George VII. in die Stammliste des britischen Königshauses und der zugehörigen Adelshäuser eingeht.

Die Rolle Darmstadts

Wer die Reihen der royalen Georgs zurückverfolgt, stößt einerseits über die derzeitige Queen Elizabeth und die Georges VI. und V. auf Königin Victoria. Auf der anderen Seite steht die Folge über Elizabeths Gatten Prinz Philip Mountbatten bis zur ersten Prinzessin von Battenberg, Julia Hauke, und ihrem Mann Prinz Alexander von Hessen und bei Rhein, ursprünglich Hessen-Darmstadt. Julia Hauke ist die Stammmutter und Alexander ist der Stammvater des neuen Hauses Battenberg, das aus dem Hause Hessen-Darmstadt entstanden ist.

Dieser Zweig des hessischen Adelshauses spielt dabei eine besondere Rolle - sowohl bei den Mountbattens als auch bei den royalen Georges. Wie die Stammtafel des neuen Erdenbürgers zeigt, sind alle seine Namen in seinem britischen und hessischen und miteinander verwobenen Ästen vorhanden.

George V. und VI. waren Großvater und Vater seiner Urgroßmutter, der Königin Elisabeth II. Die stolzen Eltern wollten so wohl ihrer Oma eine Freude bereiten. Und wie gesagt: Das Prinzlein Georg Alexander Louis kann einmal King George VII. werden. Der erste Georg auf dem Thron stammt übrigens aus Hannover: Herzog Georg I. Ludwig zu Braunschweig und Lüneburg (1660 bis 1727). Und war, was sonst, mit einer Hessin verheiratet - mehr dazu im zweiten Teil dieser Serie.

Namenspatron Alexander

Alexander von Hessen und bei Rhein war sehr erfolgreich. Auf seinem Können, seinen militärischen Erfolgen als Offizier, seinem Geschick und dem seiner Nachkommen beruht die Bedeutung der Battenberger. Alexander hat zum Beispiel wiederholt zwischen dem österreichischen Kaiser Franz Joseph und dem russischen Zaren Alexander II., zwischen dem französischen Kaiser Napoleon I. und König Wilhelm I. von Preußen vermittelt.

Alexanders Schwester Marie war mit dem Zaren verheiratet. Und er heiratete ihre Hofdame: Julia Hauke. Sie wurde in der Adelshierarchie zunächst als nicht standesgemäß angesehen, erst ihr Vater war als Kriegsminister zum polnischen Grafen erhoben worden. So wurde sie zur Gräfin und später erblichen Fürstin von Battenberg ernannt. Ursprünglich sollte sie wohl als „Prinzessin zur Kellerburg“ geführt werden - dann würden die Mitglieder des britischen Königshauses heute „Cellar Castle“ heißen. Da klingt Mountbatten schon wesentlich besser.

Der Namenspatron Ludwig

Von besonderem Interesse ist auch der Namenspatron Ludwig/Louis von Battenberg. Er war einer der Söhne Alexanders und Julias. Sein besonderes Interesse galt schon früh einer Laufbahn in der Kriegsmarine ihrer Majestät. Vom Seekadett 1868 wurde er über zahlreiche Zwischenstufen 1912 bis 1914 Erster Seelord, also Oberkommandeur der Navy. 1921 wurde er mit dem höchst honorablen Titel „Admiral of the Fleet“- Großadmiral - geehrt.

Ludwig hat seinen Familiennamen 1917 wegen der Deutschenfeindlichkeit im Ersten Weltkrieg in Louis Mountbatten geändert - und somit auch die Namensgebung der britischen Monarchie mitgeprägt.

„Diese Battenbergerei“

Damit war der Erfolg der neuen Battenberger Dynastie aber noch nicht beendet. Sie hat dem „Eisernen“ Kanzler Fürst Otto von Bismarck große Sorgen bereitet. Ein weiterer Alexander von Battenberg, der Bruder von Prinz Ludwig, war von 1879 bis 1886 gewählter Fürst von Bulgarien, das sich vom türkisch-osmanischen Reich abgespalten hatte. Offensichtlich hat er Bismarcks pro-russische Europapolitik gestört, als er dem jungen Staat zum Ärger des Zaren weitere Gebiete sichern wollte. Dies ist als „Battenberg-Affaire“ in die Geschichte eingegangen. Der erzürnte Kanzler hat sogar die Heirat Alexanders mit der preußischen Prinzessin Viktoria verhindert, da er Querelen mit dem Zaren befürchtete. Dabei war das Paar schon verlobt. Bismarck sah sich veranlasst, aufgrund der erfolgreichen Battenberger Militärkarrieren, diplomatischen Verbindungen und ihrer Heiratspolitik missfällig von der „Battenbergerei“ zu sprechen.

Ob der Kanzler so sauer war, dass er den Bismarck-Hering erfunden hat? Aber auch dem haben die Battenberger etwas entgegengesetzt: den zuckersüßen „Battenberger Kuchen“, den „Battenberg Cake“. Den hat es zur Geburt von Georg Alexander Louis auch in Battenberg gegeben.

Fortsetzung folgt.

Von Prof. Helmut Burger

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