"Alle, die Asyl sagen, werden aufgenommen"

HNA besuchte Erstaufnahme in Gießen: Neues Zuhause für Flüchtlinge

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Hier kommen die Asylbewerber in Hessen an: In der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) im Meisenbornweg in Gießen werden die Flüchtlinge untersucht, versorgt und untergebracht. Beim Bundesamt auf dem Gelände stellen sie ihren Asylantrag.

Waldeck-Frankenberg. Über Asylbewerber wird oft kontrovers diskutiert. Vor allem, wenn Flüchtlinge in kleinen Orten in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden. Die HNA hat sich in der Hessischen Erstaufnahme-Einrichtung in Gießen umgesehen, wo Flüchtlinge nach ihrer Ankunft zentral aufgenommen werden, um über das Thema aufzuklären.

Der Schriftzug „Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge“ steht klein auf einem Schild vor der rot-weißen Schranke. Darüber prangt das Hessen-Wappen, daneben der Bundesadler mit dem Verweis auf das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Ein Schild weist auf eine Spielstraße hin.

Am Empfangstor sind die nächsten Termine für Deutschkurse ausgehängt. Zwei junge Männer mit dunkler Hautfarbe ziehen sich an einem Automaten Zigaretten. Die Einrichtung im Meisenbornweg in Gießen ist Zufluchtsort für Flüchtlinge aus aller Welt, vor allem aus Eritrea und Somalia. 476 Männer, Frauen und Kinder sind an diesem Tag dort untergebracht, ihre Zahl ändert sich täglich.

Jeden Monat kommen bis zu 1500 Neue hinzu, andere werden an die Städte und Gemeinden in Hessen weitergeleitet, wo sie – zumindest vorübergehend – ein neues Zuhause finden. Auch an diesem Morgen sitzt eine Gruppe Afrikaner mit spärlichem Gepäck vor dem Verwaltungsgebäude.

Ein Bus holt sie gleich ab. „Alle, die an die Pforte kommen und das magische Wort ’Asyl’ sagen, werden bei uns aufgenommen“, sagt Elke Weppler, die die Einrichtung seit einem Jahr leitet und für Räume, Personal und Finanzen zuständig ist. Hier bekommen sie ein Bett, Essen, Kleidung, Waschzeug und etwas Taschengeld, bis sie weitergeleitet werden.

„Wir sind dafür da, den Leuten ein Dach über dem Kopf zu geben. Uns ist es egal, wo sie herkommen“, sagt Gabriele Fischer, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Gießen, das die Dienst- und Fachaufsicht über die Einrichtung hat. Im Meisenbornweg und in der Außenstelle im Rödgener Weg ist theoretisch Platz für 2100 Flüchtlinge. Belegbar sind in der Regel aber nur etwa drei Viertel der Betten.

„Wir können nicht jeden mit jedem zusammenstecken. Wir nehmen Rücksicht auf ethnische und religiöse Hintergründe und auf Familienverbände. Und es gibt viele alleinstehende Männer“, sagt Weppler. Familien seien für eine Unterkunft sehr befriedend. „Wir hatten hier allein im letzten Jahr 500 Geburten.“ Wie all die Flüchtlinge nach Gießen kommen? „Wir vermuten, dass viele über Schleuser zu uns finden. Wir müssen davon ausgehen, dass das organisiert ist.“

Konflikte unter den Flüchtlingen gebe es nur selten, sie seien aber nicht auszuschließen. „Wenn jemand nur Gewalt erlebt hat, kennt er auch keine andere Sprache als Gewalt“, sagt Weppler. Man dürfe von den Asylbewerbern aber nicht mehr verlangen als von der Bevölkerung insgesamt. „In einem Dorf sind sich auch nicht alle grün.“

Von Jörg Paulus

Quelle: HNA

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