Laisa

„Hier wohnte ...“: Erinnerung in Stein

- Battenberg-Laisa (gl). Am 8. Dezember will der Kölner Künstler Gunter Demnig Stolpersteine in der Laisaer Kirchstraße 18 legen. In Gedenken an die jüdische Familie Freudenthal kommen auch deren Nachfahren aus England zur Verlegung.

Es soll ein denkwürdiger Tag werden: Am 8. Dezember möchten die Nachfahren der jüdischen Familie Freudenthal aus Laisa um 9.30 Uhr fünf Stolpersteine verlegen. Gemeinsam mit dem Kölner Bildhauer Gunter Demnig, der das Projekt „Stolpersteine“ initiiert hat (siehe Kasten), will die in England lebende Familie Burgess Winning an ihre fünf Vorfahren erinnern, die in den 1930er Jahren in der Kirchstraße 18 lebten. In dem Haus, das heute von den Familien Michel und Ried­esel bewohnt wird, lebte Karoline Freudenthal mit ihrem Sohn Willy und dessen Frau Berta. Auch deren Kinder Lore und Ernst waren Hausbewohner – Gina Burgess Winning ist die Tochter von Lore. Willy, Berta und Ernst Freudenthal wurden 1942 von den Nationalsozialisten in die Vernichtungslager Majdanek und Sobibor exportiert, kamen dort ums Leben. Die Urgroßmutter von Gina Burgess Winning, Karoline Freudenthal, floh nach der Reichspogromnacht vom 8. auf den 9. November 1938 nach Frankfurt, wo sie schließlich starb. Einzig Lore Freudenthal überlebte, sie wurde im Jahr 1939 mit einem Kindertransport in Sicherheit nach England gebracht, wo sie später eine eigene Familie gründete. Die Verlegung der Stolpersteine wurde vom Battenberger Stadtparlament im April dieses Jahres einstimmig beschlossen. Nachdem der Künstler Demnig die fünf Betonsteine mit Messingplatte verlegt hat, lädt die Familie Burgess Winning in das Laisaer Dorfgemeinschaftshaus ein. Die Briten hoffen, insbesondere von den älteren Bewohnern Laisas ein paar Informationen über ihre nordhessischen Vorfahren zu bekommen. Ganz besonders interessiert sind sie an alten Dokumenten wie etwa Fotos, Briefen oder Tagebucheinträgen, die sich auf das Schicksal, aber auch auf das alltägliche Leben der Familie Freudenthal beziehen. Auch andere interessierte Bürger sind eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen. Die Familie betont, wie wichtig es ihr sei, dieses für sie besondere Erlebnis mit vielen Menschen aus Laisa zu teilen. Des Weiteren ist die Familie auf der Suche nach weiteren Sponsoren für die Steine. Die Verlegung eines Stolpersteins koste 95 Euro, sagt Gina Burgess Winning. Sie würde sich freuen, wenn sie in den Vereinen des Dorfes oder in engagierten Bewohnern Laisas zuverlässige Paten finden würde. Zusagen hätten sie und ihr Ehemann Neil bereits für drei der fünf besonderen Erinnerungsstücke bekommen.

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