Das Gemündener Ersthelfer-System ist startbereit

Hilfe-Netz ist enger geknüpft

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Gemünden - Lebensrettende Minuten überbrücken, diese Aufgabe übernehmen 14 Freiwillige in Gemünden, die ihre Aufgabe als Ersthelfer antreten.

„Gutes braucht seine Zeit, damit es reifen kann“, sagte Thomas Weber, Vorsitzender des Fördervereins des Ersthelfer-Systems und Wehrführer der Gemündener Brandschützer. Der Prozess zur Entwicklung der Ersthelfer-Systems in Gemünden hat vor zwei Jahren begonnen, nun können die inzwischen ausgebildeten Freiwilligen an ihre Aufgabe gehen.

Während einer kleinen Feierstunde haben die Mitglieder des Fördervereins am Montagabend über den aktuellen Stand des Ersthelfer-Systems informiert, das „von der Sache her sofort an den Start gehen könnte“, sagte Gemündens neuer Stadtbrandinspektor André Boucsein.

Allerdings müssen noch die Alarmpläne für den Südkreis umgestellt werden - das soll jedoch bis zum 15. Juni geregelt sein. Bis dahin können die Ersthelfer ihre Meldeempfänger noch ausgeschaltet lassen. Bei Einsätzen in Notfällen, bei denen Menschen in Gefahr sind, werden sie jedoch schon jetzt mitinformiert.

Die Aufgabe der Ersthelfer besteht darin, die Wartezeiten vom Notruf bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder des Notarztes zu überbrücken, erste Hilfe einzuleiten und dem Rettungsdienst unterstützend zur Hand zu gehen. Die Ersthelfer müssen immer dann zur Hilfe eilen, wenn sie es innerhalb von fünf bis zehn Minuten zum Einsatzort schaffen können. Schließlich geht es in erster Linie darum, die therapiefreie Zeit zu überbrücken, da bereits „wenige Minuten lebensrettend sein können“, betonte Christian Peter, Geschäftsführer des Frankenberger DRK-Kreisverbands, der Kooperationspartner für das Ersthelfer-System in Gemünden ist.

Große Hilfsbereitschaft

Peter freute sich besonders darüber, dass die Idee zu einem guten Ende gekommen ist, da dies durchaus nicht selbstverständlich sei - schließlich lebt das Ersthelfer-System vom ehrenamtlichen Engagement. Das sei in Gemünden in überdurchschnittlicher Weise vorhanden. Da dies vorher nicht abzusehen war, habe er der Idee anfangs skeptisch gegenüber gestanden, gab Markus Bornmann, Stadtrat und stellvertretender Stadtbrandinspektor, unumwunden zu. Er habe bezweifelt, dass die Umsetzung des Ersthelfer-Systems aus den Reihen der Feuerwehr zu leisten sei. Umso mehr freue es ihn, dass sich viele Freiwillige gemeldet hätten, die der Feuerwehr vorher nicht angehörten. „Das Netz der Hilfeleistung wird dadurch noch enger geknüpft“, sagte DRK-Geschäftsführer Peter.

Um als Ersthelfer tätig werden zu können, haben die Freiwilligen aus Gemünden, Sehlen und Schiffelbach eine Ausbildung absolviert, die insgesamt 66 Stunden Theorie und Praxis umfasste. „Diese Sanitätsausbildung geht weit über einen Erste-Hilfe-Kurs hinaus“, betonte Förderverein-Vorsitzender Weber. In einem Erste-Hilfe-Kurs werde nur das Basis-Wissen vermittelt, die Sanitätsausbildung reiche bereits in den diagnostischen Bereich - also das Erkennen bestimmter Krankheitssymptome. Um dann auch die entsprechende Hilfe leisten zu können, sind alle Ersthelfer mit einem entsprechenden Notfallrucksack ausgestattet.

Die notwendigen Materialien für die Ersthelfer verdankt der Förderverein Spenden von Sponsoren. Doch die Helfer sind noch längst nicht mit allem ausgestattet, was im Optimalfall benötigt wird, betonte Weber und nannte Defibrillatoren, ein Sauerstoffgerät und Material zur Versorgung von Kindernotfällen als wünschenswertes Versorgungsmaterial.

Aktuell jedoch sind die Förderverein-Mitglieder zufrieden mit dem bisher Erreichten. Dass die Ersthelfer nun endlich an den Start gehen können, bezeichnete Wilfried Golde als „historischen Moment“. Gemeinsam mit Weber war der ehemalige Stadtbrandinspektor maßgeblich am Vorantreiben und der Umsetzung der Idee beteiligt. (sis)

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