Tierschutz in Frankenberg

Hilfe für schwierige Pferde und kranke Vögel

+
Andrea Schellenberg liebt Tiere – und die Arbeit mit jungen Menschen. Mit ihren Pferden helfen ihr seit Jahren Kirsten Schaar und Tabea Vesper (v.l.). Sie haben auch das unreitbare Pony Hansmann gezähmt.Fotos: Patricia Kutsch

Frankenberg-Wangershausen - Andrea Schellenberg hat ein Herz und ein Händchen für Tiere. Schon in ihrer Kindheit hat sie verletzte Tiere mit nach Hause genommen und wieder aufgepäppelt. Sie nimmt Vögel und Igel auf, bis diese wieder alleine in der Natur leben können. Manche Zöglinge bleiben für immer - wie die Schildkröte Nina und Pony Hansmann.

Hund Roger begrüßt schwanzwedelnd jeden Besucher, der sich dem Haus von Andrea Schellenberg nähert. Der gutmütige Hund hat bei der Wangershäuserin ein neues Zuhause gefunden, ebenso wie die Schildkröte Nina, die bereits vor neuen Jahren als Jungtier einzog. Sie beherrscht Wohnzimmer und Küche, kriecht schnell durch die Zimmer und beißt schonmal in einen nackten Zeh. Amseln, die von Andrea Schellenberg aufgepäppelt und gesund gepflegt wurden, kommen noch wochenlang zurück zu dem Haus und holen sich Futter ab - und bringen den ganzen Schwarm mit. „Manchmal ist es wie bei Alfred Hitchcock“, sagt die Wangershäuserin mit einem Lachen.

Ihre Tierliebe hat Andrea Schellenberg schon in ihrer Kindheit entdeckt: „Ich habe sämtliche Tiere angeschleppt. So bin ich aufgewachsen, denn auch mein Papa war sehr tierlieb“, erklärt sie. Selbst das Schlachtvieh wurde geachtet, hatte Freigang. Und genauso tierlieb wie sie selbst ist mittlerweile auch ihr siebenjähriger Enkel Maxi. „Er hat ein unglaubliches Auge für die Natur. Er hat erst vor Kurzem eine Eidechse mit einem verletzten Fuß entdeckt und wieder gesund gepflegt“, berichtet sie. Manchmal findet Schellenberg die wieder ausgesetzte Eidechse in der Sonne vor dem Haus liegen. Auch sie kehrt gerne zurück.

Frettchen, Eichhörnchen, Wildhasen, Katzen und sehr viele Vögel hat Schellenberg in den vergangenen Jahren aufgenommen, gepflegt und ausgewildert. Zu jedem Tier weiß sie noch den Namen, kann amüsante Geschichten erzählen. Der Hahn Kiki etwa war schon ein Familienmitglied, war immer dabei. Vor zehn Jahren kam er als Küken nach Wangershausen. „Ein Freund meines Mannes hat das Küken gefunden und zu uns gebracht. Denn in Brüssel gibt es keine Tierschutzgesetze.“ Enkel Maxi ist mit dem Tier aufgewachsen. Vor einigen Monaten hat jedoch ein Fuchs das Tier geholt.

Die Krähe Leo ist vor einigen Monaten als Baby bei Schellenbergs eingezogen - und auch geblieben, als sie schon gesund war. „Irgendwann lockt aber immer die Freiheit“, sagt Schellenberg. Vor drei Wochen flog die Krähe davon. Traurig ist sie darüber nicht - schließlich sind es ja keine Haustiere. „Es fällt mir nicht schwer die Wildtiere gehen zu lassen - es ist schön, wenn sie in die Freiheit gehen.“

Nina und Roger, zwei Ponys, zwei Pferde und ein Esel haben bei Schellenbergs ein Zuhause gefunden - die Familie behält aber nicht jedes Tier: „Das sprengt irgendwann die Kasse und die Zeit.“ Allerdings achtet Schellenberg darauf, wem sie ihre Tiere gibt. Zwei Nymphensittiche hat sie gerade erst an einen Jungen aus Wangershausen gegeben.

Urlaub gab es für die Familie seit 14 Jahren nicht - schließlich wollen die Tiere gefüttert werden. „Man braucht keinen Urlaub, wenn man sowas hat“, sagt sie und zeigt auf die Pferdekoppel, krault ihrem Hund das Ohr. „Manchmal fahren wir über das Wochenende weg, dann versorgt Tabea die Tiere.“ Tabea Vesper hilft Schellenberg seit fünf Jahren mit den Tieren. Kirsten Schaar unterstützt sie schon seit zehn Jahren. Sie haben Reitunterricht bei Schellenberg genommen, kommen immer noch gerne vorbei, um die Pferde auszureiten. „Ich bin dankbar für jede Hilfe - und die Arbeit mit Jugendlichen macht mir am meisten Spaß“, sagt die Wangershäuserin. „Die Arbeit mit Tieren verändert die Menschen.“ Zuverlässigkeit, Ausdauer, Hilfsbereitschaft und Pflichtbewusstsein hätten die Helfer immer gelernt.

Schellenberg ist als Jugendliche in Freienhagen oft mit einem Tierarzt mitgefahren, hat geholfen und einiges über Tiermedizin gelernt. „Bei der Pflege mache ich aber viel nach Gefühl. Das habe ich einfach in mir.“ Viele Tierärzte bringen heute verletzte Vögel oder kleine Igel nach Wangershausen.

Tierfreunde bringen auch manchmal Tiere zu Schellenberg - oft unnötigerweise. Manche Vögel würden noch von ihrer Mutter versorgt, obwohl sie das Nest verlassen haben und noch nicht fliegen können. „Bevor jemand ein Tier einsammelt, sollte er es beobachten.“ Sonst sei die Tierliebe nur schädlich, denn diese eingesammelten Vögel sterben meistens - auch auf der Pflegestelle.

Was die Leiterin des Frankenberger Tierheims über Tierschutz sagt, lesen Sie am Samstag in der gedruckten Ausgabe der Frankenberger Zeitung.

Kommentare