In der Teddyklinik des Lions Clubs werden Kuscheltiere behandelt und die Angst vor dem Doktor abgeba

Hilfe für den Tiger mit Loch im Bauch

Frankenberg - Hasen mit verletzten Ohren, Bären mit gebrochenen Armen oder Beinen und Puppenbabys mit Bauchweh: In der Teddyklinik behandelten die „Doktoren“ gestern Kuscheltiere, während die Kinder tröstend ihre Pfoten hielten und sogar beim Operieren halfen.

Zum dritten Mal waren am Mittwoch Medizin- und Pharmazie-Studenten aus Marburg mit der Teddyklinik und einer kleinen Apotheke zu Gast in der Ederberglandhalle. Am Vormittag war sie für die heimischen Kindergärten reserviert, am Nachmittag waren Eltern mit ihren Kindern eingeladen. Ziel der Aktion ist es, Kindern die Angst vor Ärzten oder einem Krankenhausbesuch zu nehmen.

Joshua (5) aus Haine ist mit seiner Kindergartengruppe gekommen. Er hat seinen Tiger „Schneller Blitz“ mitgebracht - der hat ein Loch im Bauch. Nach der Anmeldung, bei der die Kinder ihren Namen und den ihres Kuscheltieres angeben müssen, geht es erst einmal - wie im echten Leben - ins Wartezimmer. Etwa 20 Minuten dauert es, bis Joshua und sein Tiger von einem von insgesamt 23 „Teddydocs“ abgeholt werden. Kein Problem: Das Wartezimmer ist mit Bobbycars, Stelzen, Bausteinen, Hula-Hoops und anderen Spielsachen bestückt.

Medizinstudentin Maike Colienne kommt im weißen Kittel herein, schüttelt Joshua die Hand und nimmt ihn und seinen Tiger mit in den Behandlungsraum. Dort fragt sie erst einmal genau nach, was mit dem Tier nicht stimmt. Joshua zeigt ihr das kleine Loch im Bauchfell. Daraufhin hört „Dr. Maike“ das Tier gründlich ab und schaut in die Ohren. Gleichzeitig erklärt sie Joshua, was sie tut, und lässt ihn selbst durchs Stethoskop lauschen und mit der Lampe ins Ohr leuchten. Auch nach Allergien fragt sie den kleinen Tierbesitzer.

Während der Tiger gründlich untersucht wird, werden an den Tischen ringsum ebenfalls Stofftiere mit großem Ernst behandelt: Schafe, Hunde, Löwen, Hasen, Ponys und Bären. Wenn es um die Krankheiten ihrer Tiere geht, sind der Phantasie der Kinder keine Grenzen gesetzt: „Wir haben sogar schon gegen Schoko-Allergie geimpft“, berichtet Marie-Luise Rübsam, Medizin-Studentin im achten Semester und „Chefärztin“ in der Teddyklinik.

Dort schlüpfen die Kinder in die Elternrolle: Sie müssen ihre Kuscheltiere trösten und ihnen Mut machen, die Pfote halten und nach der Behandlung darauf achten, dass sie gut umsorgt werden. Die mutigeren Kinder helfen dabei, Spritzen zu geben und imaginäre Wunden zu verbinden.

Dr. Maike weiß, was sie gegen das Loch im Bauch des Tigers zu tun ist: Der „Schnelle Blitz“ muss genäht werden. Eine große Operation ist aber nicht nötig. Der Tiger hat mehr Glück als andere Kuscheltiere, die am OP-Tisch behandelt werden. Dort stehen zusätzlich zu Kitteln, Hauben und Mundschutz auch Infusionen und ein Ultraschallgerät bereit.

Die Teddydoktorin holt ein steriles Tuch, Mundschutz, Nadel und Faden. In wenigen Sekunden ist das Loch im Bauch des Tigers zugenäht. Maike Colienne verschließt die Naht mit einem Pflaster. Sie erklärt Joshua, dass er nie mit dem Finger auf die weiße Fläche in der Mitte kommen darf, damit kein Schmutz in die Wunde kommt. „Wenn das alte Pflaster abgeht, musst du ein neues drauf kleben“, sagt sie zu Joshua. „Außerdem musst du dich jetzt gut um deinen Tiger kümmern“. Der Fünfjährige nickt und verspricht mit ernstem Gesicht, ihn ganz oft in den Arm zu nehmen.

Zur Sicherheit wird das Tier noch geröntgt. „Alles gut“, stellt Dr. Maike beim Blick auf das Negativ-Bild zufrieden fest. Dann hat es der Tiger geschafft: Joshua holt in der Apotheke noch Eisbeutel und Pflaster ab und bekommt den Tipp, den „Schnellen Blitz“ zuhause noch zu knuddeln.

Organisiert wird die Aktion vom Lions Club, der die Teddyklinik finanziell unterstützt, aber auch beim Auf- und Abbau hilft. Der Kontakt zu den Marburger Studenten entstand über den Oberarzt am Frankenberger Krankenhaus, Klaus Weise. Schirmherr ist Bürgermeister Rüdiger Heß. Auch das Deutsche Rote Kreuz unterstützt die Aktion. Rettungdienstleiter Christian Neuhaus und Rettungsassistent Marek Engel zeigten den Kindern einen Rettungswagen und die Geräte darin. Außerdem finanziert das DRK das Mittagessen für die Studenten.

Von Andrea Pauly

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