Franikenberg

Hilferuf einer starken Rollstuhlfahrerin

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- Frankenberg-Röddenau (gl). Christiane Rohrbach hat gleich mehrere schwere Krankheiten und kämpft mit der Bürokratie von Krankenkasse und Verbänden. Zumindest einen Teilerfolg hat sie in dieser Woche errungen.

Rückblick: Das Jahr 2008 ist für Christiane Rohrbach ein Schicksalsjahr. „Da habe ich eine Grippe verschleppt“, sagt sie heute lakonisch. Gleich viermal hat sie der Infekt damals erwischt, „seit der Zeit bin ich nicht mehr gesund geworden“. Christiane Rohrbachs Körper kämpft seit diesen Tagen gegen sich selbst: Autoimmunerkrankungen sind eine Reaktion des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe. Rohrbach leidet an Morbus Bechterew, Polyarthritis, Polymyalgie, seit Neuestem auch an multipler Sklerose. Hinzu kommen Asthma, Diabetes, Laktoseintoleranz, einige Arzneimittelunverträglichkeiten und diverse Allergien, die ihre Behandlung erschweren. Seit Juni ist die selbstständige Versicherungsmaklerin auf den Rollstuhl angewiesen.

Doch Rohrbachs Kampf gilt nicht nur den Krankheiten, sondern auch der Bürokratie von Versicherungen und Verbänden. Den muss sie weitgehend allein kämpfen: Ihr Mann starb nur ein Jahr nach Bekanntwerden von Christiane Rohrbachs diversen Krankheiten. Ihr Sohn Christian, selbst zu 50 Prozent schwerbehindert, arbeitet tagsüber in einem Marburger Gastronomiebetrieb. Manchmal ist er bis 22 Uhr außer Haus und muss sich danach noch um jene Dinge im Haushalt kümmern, die Rohrbach selbst nicht schafft.

Und das sind viele: Putzen, Saugen, Spülen, Waschen, all dies liegt außerhalb der Möglichkeiten der 51-Jährigen. Essen zubereiten schafft sie in Abhängigkeit von der Tagesform, manchmal muss ihr Sohn aber Häppchen reichen, weil die Finger seiner Mutter so steif und unwillig sind, dass sie sie nicht bewegen kann. Dabei hat Christiane Rohrbach eigentlich nur ein Ziel: endlich wieder arbeiten können, schließlich ist sie geistig fit wie eh und je.

Dafür benötigt sie Hilfe, also Pflege und jemanden, der sich um den Haushalt kümmert, ihr Arbeiten abnimmt. Die Krankenkasse aber zahlt all dies nur, nachdem einem Patienten eine Pflegestufe genehmigt wurde. Bei Christiane Rohrbach ist dies nicht der Fall. Die Versicherungsmaklerin weiß eigentlich, wie sie ihren Kunden zu ihrem Recht verhilft. Sie sorgt für pünktliche Rentenauszahlungen, Leistungen bei Krankheitsfällen und hilft auch sonst, wenn es zwischen Versicherung und Kunde klemmt. Sich selbst aber konnte sie bislang noch nicht helfen.

Anfang dieser Woche wendet sie sich in ihrer Verzweiflung an die Frankenberger Zeitung, will ihrer Wut Luft machen und aufrütteln, den Zuständigen zeigen, dass sie mit ihr so nicht umspringen können. „Jeder Mensch hat ein Recht auf körperliche Unversehrtheit und die Würde eines Menschen ist unantastbar, nur das stört keinen im Geringsten. Es wird auf Kranken und Behinderten nach Behördenwillkür herumgetrampelt“, schreibt sie in einer Mail. Im persönlichen Gespräch schildert sie später ihre schwierige Situation: Der Rollstuhl, auf den sie wohl Zeit ihres Lebens angewiesen sein wird, ist bisher nur geliehen von einem Sanitätshaus.

Immerhin: Einen Rolli für ihr glücklicherweise nur einstöckiges Haus hat sie inzwischen genehmigt bekommen, ebenso einen elektrisch betriebenen für innen wie außen. Ihr Problem: Ihr fehlt die Rampe an der Haustür. „Ich bin hier seit Monaten eingekerkert“, sagt sie. Rohrbach kann das Haus nur verlassen, wenn ihr Sohn zu Hause ist, „ansonsten ist das Internet mein Tor zur Welt“. Für die Rampe aber wäre ein Umbau nötig, ebenso für die Verbreiterung der Badezimmertür, durch die der Rollstuhl nicht passt. Leisten kann sich Christiane Rohrbach dies nicht – zur Finanzierung benötigt sie die Pflegestufe eins. Dann würde sie auch Pflege und Hilfe erhalten. Doch für die Anerkennung scheint Rohrbach nicht behindert genug: 60 Prozent, so schwer wird ihr Behinderungsgrad eingeschätzt.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Freitag, 14. Oktober

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