HNA-Serie "725 Jahre Liebfrauenkirche Frankenberg"

Die turmartige, achteckige Marienkapelle war für die Pilger nicht nur wegen ihres Marienaltars mit seinen vielen Figuren attraktiv, sondern ihre schlanke Architektur führte die Augen auch bis zur Verkündigungsszene in den Schlusssteine

Frankenberg. Nachdem die Frankenberger Bürger ihre mit drei Generationen aufgebaute Stadtkirche 1353 geweiht hatten, vergingen noch einmal gut zwei Jahrzehnte, bis sich ein schlanker, turmartiger Bau am südlichen Querschiff in den Himmel streckte.

Hier schufen die städtischen Ratsherren mit dem Baumeister Tyle von Frankenberg als krönenden Abschluss eine Wallfahrtskapelle, deren intimer Sakralraum der Mutter Gottes geweiht war und neben den zwölf Heiligen-Altären des großen Gotteshauses zusätzliche Pilger von weither in die Stadt locken sollte.

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Weil eine Inschrift an exponierter Stelle der Außenwand von einem 1383 hier begrabenen Altaristen „Johannes von Cassel“ kündet, war man lange Zeit der Meinung, dass er der Hauptstifter der Marienkapelle sei, zumal Wigand Gerstenberg zehn Jahre zuvor schon seine Spende für Armen erwähnte.

Der Historiker Hans Becker vermutet aber, dass Johann von Cassel nicht der Stifter ist - Gerstenberg, der selbst seine eigenen Stiftungen in der Stadtchronik akribisch vermerkte, hätte dies vermutlich mitgeteilt. Oder hat er es aus Neid bewusst verschwiegen?

Möglicherweise war dieser „altarista, genant her Johan Cassel der alde“ aber der erste Weltgeistliche, der für die Marienkapelle zuständig war.

Die Gläubigen, die sich aus dem unwirtlichen Alltag der Stadt dem schlanken, schönen Bauwerk näherten, wurden eingefangen von der symbolreichen Marienmystik der Spätgotik: Über dem Eingangstor erwartete die Pilger im Tympanon eine prachtvolle Marienkrönung, ihr Blick fiel auf 55 Konsolen mit Heiligen, Propheten und Evangelisten, im Inneren des achteckigen Raumes faszinierte sie ein 6,5 Meter hoher und 3,50 Meter breiter, dreistöckig angelegter Steinaltar mit einem Fries aus 14 musizierenden Engeln.

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Quelle: HNA

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