HNA-Volontär bewegte sich mit dem Rollstuhl durch Frankenberg

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Beim Selbstversuch: HNA-Volontär Marc Hörcher fuhr mit dem Rollstuhl durch Frankenberg. Der Weg war dabei oft mühsam und schwer, zum Beispiel in der Fußgängerzone.

Frankenberg. HNA-Volontär Marc Hörcher unternahm einen Selbstversuch und fuhr mit einem Rollstuhl, ausgeliehen vom Sanitätshaus Korn, durch die Frankenberger Innenstadt. An der VdK-Zentrale war alles einfach: Hier öffnete sich die Tür per Knopfdruck. Doch nicht überall war der Weg so barrierefrei unkompliziert.

Das Kopfsteinpflaster an der Fußgängerzone, der Gleisübergang am Bahnhof sowie der Zugang zu einigen Geschäften waren schwer zu erreichen.

Die Räder des Rollstuhls passen nicht durch die Tür. Hier ist Schluss für mich. Der Durchgang zur Abteilung mit romantischen Fantasy-Büchern in der Buchhandlung Jakobi ist zu eng. "Tut mir leid. Ich kann Ihnen etwas reichen, wenn Sie wollen", sagt die Verkäuferin. Umschauen und stöbern kann ich in dem Raum aber nicht. Auch durch die Tür eines weiteren kleinen Raums mit Kinderbüchern komme ich nicht.

Wie ich im Gespräch mit der Verkäuferin erfahre, liegt das daran, dass es sich um ein ehemaliges Sanitätshaus handelt. Der Raum, in den ich nicht reinkomme, sei früher ein Gipsraum gewesen. Dass Rollstuhlfahrer dort nicht durchkommen, ist für sie neu. Über einen Umbau der kleinen Räume zu einem großen habe sie bereits nachgedacht es sei aber ein Kostenfaktor. Immerhin: Eine Rampe für Rollstuhlfahrer, auf der ich mich ins Erdgeschoss schieben lassen kann, gibt es. In die obere Etage schieben mich die Verkäuferinnen durch den Wareneingang. So kann ich mir auch die Reise-, Koch- und Kunstbücher ansehen.

Das Fortbewegen mit dem Rollstuhl geht mir ganz schön in die Arme. Steigungen sind anstrengend. Bei Abfahrten wird mir mulmig zumute immer wieder befürchte ich, gegen eine Hauswand oder ein Auto zu knallen. Schließlich bin ich ungeübt im Umgang mit dem Rollstuhl. Also lieber etwas langsamer und öfter mal abbremsen. Am sichersten fühle ich mich auf asphaltierten Fußwegen.

Im Stadthaus komme ich mit dem Fahrstuhl problemlos bis in die oberste Etage und durch die Gänge. Auch im Modehaus Heinze kann ich mich ohne Schwierigkeiten fortbewegen. Dafür sorgen ein direkter Zugang zur Fußgängerzone, breite Gänge und ein Fahrstuhl. Lediglich die Eingangstür kann ich nicht alleine öffnen aber schon nach wenigen Sekunden kommt jemand und hilft mir.

Die Fußgängerzone ist eine Herausforderung. Die kleinen Rädchen verhaken sich im Kopfsteinpflaster ich stecke fest. Ein Passant schiebt mich ein Stück. Manche Geschäfte haben einen direkten Anschluss zur Fußgängerzone, bei anderen ist eine Treppenstufe im Weg.

Vor dem kleinen Edeka-Laden in der Fußgängerzone bleibe ich stehen. Die Verkäuferin öffnet die Tür. Über die Stufe heben könne sie mich nicht, erklärt sie. Aber: "Die Kunden, die im Rollstuhl sitzen, bediene ich an der Tür. Einer fährt immer mit dem Auto vor."

Röddenauer Straße, Ecke Bahnhofstraße. Hier kann ich die Hauptstraße problemlos überqueren. Der Bordstein ist abgesenkt und blau-weiß markiert.

Wenn ich allerdings zum Bahnsteig will, muss ich die Schienen überqueren: Erst eine Senke, dann ein Anstieg. Ohne dass ich mich schieben lasse undenkbar.

Auch am Obermarkt gibt es Absenkungen am Bordstein. Doch da diese häufig von Autos zugeparkt sind, hilft mir das wenig. Wieder muss ich mir helfen lassen: Zwei Passanten heben den Rollstuhl mit vereinten Kräften über den Bürgersteig.

Ungewohnt, ständig auf Hilfe angewiesen zu sein. Irgendwie habe ich ein flaues Gefühl im Magen. Oder liegt das an den Blicken der Passanten, die ich ständig auf mich ziehe? Nach dreieinhalb Stunden bin ich jedenfalls froh, wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

Von Marc Hörcher

Quelle: HNA

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