Sanierungsarbeiten an der Frankenberger Liebfrauenkirche werden bis Mitte September fortgesetzt

„Hochzeitspforte“ vor Nässe schützen

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An den Plänen für die Sanierung der Liebfrauenkirche: Küster und Kirchenvorsteher Wilfried Koch, Pfarrer Christoph Holland-Letz, Restaurator Sven Raecke, Pfarrer Horst Schiffner, Bauplaner Johann Heinrich Berghöfer und der Kirchenvorsteher Wilfried Sagel

Frankenberg - Im dritten Bauabschnitt wird die Sandsteinfassade an drei Stellen gleichzeitig saniert.

Gerüstbauer arbeiten sich mit ihrem Gestänge noch bis zum Dach der Liebfrauenkirche hoch, während der Restaurator Sven Raecke vom Landesamt für Denkmalpflege mit Plänen auf dem Klemmbrett bereits auf den unteren Plattformen herumklettert, um die Schäden aus der Nähe zu begutachten: Der dritte Bauabschnitt zur Sanierung der Sandsteinfassade an dem gotischen Gotteshaus ist angelaufen. Am Freitag stellten die Beteiligten die geplanten Arbeiten vor, die bis Mitte September dauern sollen.

An drei Stellen werde parallel gearbeitet, erläuterte der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Pfarrer Christoph Holland-Letz. Saniert werden sollen:an der Nordostseite der Mauerabschnitt zwischen dem Chor und der Annenkapelle, im Südosten der Abschnitt zwischen dem Chor und der Marienkapelle mit dem Gewölbe der „Hochzeitspforte“, am Langhaus die Fassade des Südportals mit seiner wertvollen Steinornamentik.

Steine und Fenster saniert

Dabei werde nach der gleichen Methodik vorgegangen wie zuvor beim Chor:Die hohen gotischen Fenster werden aus dem steinernen Maßwerk ausgebaut und saniert - den Zuschlag bekam eine Firma aus Paderborn. Kosten: rund 30.000 Euro.Der Sandstein samt Verfugung wird saniert, dies übernimmt eine Fachfirma aus dem thüringischen Kreuzebra. Kosten: rund 76.000 Euro.

An der Nordseite würden in der nächsten Woche die schon eingerüstete Fassade gereinigt und die Fenster ausgebaut, erklärte der Münchhäuser Architekt und Bauplaner Johann Heinrich Berghöfer.

Besonders dringlich sind die Arbeiten am Übergang zwischen Chor und Marienkapelle an der Südseite. „Da kommt keine Sonne hin“, erklärt Kirchenvorsteher Wilfried Sagel. Folge: Feuchtigkeit hält sich, die sich ins Mauerwerk setzt. Kommt Frost hinzu, zersprengt es den Stein. Auch die „Hochzeitspforte“ wurde in Mitleidenschaft gezogen, dort haben die Sanierungsarbeiten schon begonnen:

Die Dachkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert sei marode gewesen, erklärte Raecke. Ein Dachdecker muss sie komplett abreißen und erneuern. Als die abgenommen wurde, zeigte sich, dass für neue Dach ein mittelalterliches Fenster im unteren Feld zugemauert wurde, es reichte ursprünglich so weit hinunter wie die benachbarten.

Im spätmittelalterlichen Gewölbe seien Farbreste festgestellt worden, berichtete Raecke, die Flächen waren nach diesem Befund rot angestrichen, die Schlußsteine waren - wie in der Kirche und der Marienkapelle - bunt bemalt. Auch die Gewölberippen waren farblich abgesetzt. Die Farbreste werden konserviert.

Bei der Sanierung werde die gleiche Technik angewandt wie bei den ersten beiden Abschnitten, erläuterte der Erfurter Restaurator: Festzustellen sei ein allgemeiner Zerfall des Sandsteins, die Fugen seien zum Teil desolat. Deshalb müssten die Steine konserviert und neu ausgefugt werden, damit kein Wasser mehr eindringen kann. Außerdem erfahre die Fassade eine „ästhetische Aufwertung“ durch die Reinigung, durch die behutsame Ergänzung weggebrochener Fragmente und durch farbliche Retouchierungen.

Starthilfe vom Bund

Vor einigen Jahren waren die Schäden festgestellt worden - nachdem die Fassade erst in den 1980er Jahren nach dem damaligen Stand der Technik komplett saniert worden war. Seit dem Frühsommer 2009 laufen die Planungen. Gerade der Bezirksdenkmalpfleger Dr. Bernhard Buchstab hatte auf die Sanierung gedrängt, besonders die hochgotische Marienkapelle lag ihm dabei am Herzen.

Die Bundesregierung habe 100.000 Euro für den Erhalt des „Baudenkmals von nationaler Bedeutung“ bereit gestellt, erinnerte Raecke, damit war der finanzielle Grundstock gelegt für die Planungen und für die ersten Arbeiten. Berghöfer hat Gesamtkosten von rund zwei Millionen Euro errechnet, mit rund 400.000 Euro war die Finanzierung der ersten beiden Abschnitte gesichert.

Für den dritten Abschnitt stand noch ein Überschuss von rund 25.000 Euro zur Verfügung. Das Landesamt für Denkmalpflege stellte rund 50.000 Euro bereit, den Löwenanteil mit diesmal 90.000 Euro übernimmt erneut die Landeskirche. Der Kirchenkreis steuert 4000 Euro bei.

Außerdem werden Gelder der Gemeinde in Höhe von rund 33.0000 Euro in Anspruch genommen. So wurde über drei Jahre ein freiwilliges Kirchengeld für die Sanierung angespart, das jetzt eingesetzt wird. Außerdem hatte die Gemeinde zum Kirchenjubiläum 2011 eine Spendenaktion für die Sanierung gestartet, sie sei auf eine große Resonanz gestoßen, stellte Pfarrer Horst Schiffner erfreut fest.

Die Reihenfolge der Bauabschnitte sei nach dem Schädigungsgrad festgelegt worden, erläuterte Berghöfer. Nach der Marienkapelle im ersten Abschnitt und dem Chor im zweiten folgen nun die Übergänge vom Chor zum Querhaus und das reich verzierte Südportal. Damit wären alle als „dringend sanierungsbedürftig“ eingestuften Abschnitte abgearbeitet. An der restlichen Fassade sei die Schädigung „nicht ganz so krass“, erklärte Holland-Letz. Doch gerade die Turmseite im Westen weise noch Schäden auf - die Sanierung ist als „wünschenswert“ eingestuft und mit 326.000 Euro Kosten kalkuliert.

Wie und vor allem wann es mit der Sanierung weitergeht, sei aber noch offen, sagte der Pfarrer. Die Gelder der Kirchengemeinde werden mit dem dritten Abschnitt aufgebraucht, sollten nicht noch Fördergelder fließen, gibt es im nächsten Jahr keinen weiteren Bauabschnitt.

Marienkapelle sanieren

Auf jeden Fall muss die kunsthistorisch bedeutende Marienkapelle noch saniert werden. Durch Konservierung sei zunächst nur der weitere Zerfall des Steins gestoppt worden, betonte Raecke. Aber noch viel Arbeit ist notwendig, um das hochgotische Kleinod mit seinen Konsolen und Figurenschmuck wieder ansprechend herzurichten und dauerhaft für die Nachwelt zu erhalten.

Spenden sind der Gemeinde also weiter willkommen.

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