Neue Wege in der Geflügelhaltung: Ein Hühnerstall auf Rädern

+
Hühnermobil: Daniel Engel und Matthias Eckel vom Kreisbauernverband Frankenberg mit Freiland-Hühnern vor dem mobilen Stall in Röddenau.

Röddenau. Neue Wege in der Hühnerhaltung geht die Familie Engel aus dem Frankenberger Stadtteil Röddenau.

Seit Mai hält Nebenwerbslandwirt Engel rund 240 Hühner in einem Stall auf Rädern.

Langsam öffnen sich die Klappen unter dem Gefährt, hinaus stürzen 238 Hühner und fünf Hähne, tollen über die Wiese und beginnen emsig im Gras zu picken. „So sehen glückliche Hühner aus“, sagt Nebenerwerbs-Landwirt Helmut Engel auf einer Weide vor den Toren Röddenaus. Seit Mai besitzt die Familie Engel ein „Hühnermobil“.

Das sei „ein Stall auf Rädern“, erklärt Engel. Das Gefährt wird jede Woche mit dem Schlepper ein Stück weiter gezogen. So haben die Hühner stets frisches Gras zur Verfügung, während der Boden durch den Kot der Tiere nicht „überdüngt“ werde. Auch von Parasiten und Krankheitserregern blieben die Hühner so verschont. In einem durch Elektrozaun abgesteckten Gebiet dürfen sich die Tiere tagsüber frei bewegen. Das Ergebnis: Gesunde Hühner, artgerechte Haltung und Eier, deren Dotter „viel gelber“ sei, verspricht Helmut Engel.

Pro Tag etwa 220 Eier

Pro Tag legen die Hühner etwa 220 Eier. „Die gehen alle über den Automaten weg“, verweist Engel auf ein Selbstbedienungs-Gerät vor seinem Hof an der Battenberger Straße in Röddenau. Es gebe immer mehr Menschen, die sich bewusst ernährten und auch bereit seien, einige Cent mehr für ihr Frühstücksei zu bezahlen. „Letzte Woche wären wir fast blank gewesen“, sagt Engel.

„Mein Sohn hat das auf einer Messe gesehen“, sagt Helmut Engel auf die Frage, wie er zu dem Hühnermobil gekommen sei. Zuvor hielt die Familie Engel nur etwa 30 Hühner „für den Eigenbedarf“. Nun werden bereits Pläne für ein zweites Hühnermobil und einen zweiten Verkaufsautomaten in Frankenberg geschmiedet.

Das Konzept des „Hühnermobils“ hat sich eine Firma aus Bad Sooden-Allendorf patentieren lassen. Neben dem mobilen Stall der Familie Engel werden auch Mobile für 800 oder sogar 1200 Hühner angeboten. Auf die Frage nach dem Preis seines Hühnermobils antwortet Engel: „So viel wie ein Mittelklasse-Pkw.“

Hier gibt’s 24 Stunden am Tag frische Eier: Daniel und Helmut Engel vor ihrem Eierautomaten in Röddenau.

Fast alles ist automatisiert. Nachts um 1 Uhr öffnen sich die mit Dinkel-Spelzen ausgekleideten „Nester“, die von außen zugänglich sind. Um 4 Uhr morgens schaltet sich das Licht ein. „Dann beginnt der Tag für die Hühner. Sie sollen fressen und Eier legen“, sagt Helmut Engel. Über ein Solar-Paneel und eine Trockenbatterie wird für Strom gesorgt. Futter und Wasser für die Hühner muss die Familie Engel nur einmal in der Woche nachfüllen.

Entmistet wird dagegen täglich. „Von zu Hause bis dass der Mist hier in der Schaufel ist, brauche ich sieben Minuten“, lacht Helmut Engel. Abends schaut der Nebenerwerbslandwirt zur Sicherheit nach, ob auch alle Hühner den Weg in den Stall und auf ihre Stange gefunden haben.

Es sei alles genau so gekommen, wie es auf der Messe beschrieben worden sei, sagt Sohn Daniel. „Alle Zahlen haben gepasst - bis auf die Zeit, die man opfern muss.“

Derzeit eine Nische 

„Das ist im Augenblick eine Nische“, sagt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg. 20 Prozent der Investitionskosten könnten bezuschusst werden. „Aber wenn das alle machen, wäre es keine Nische mehr.“

Bislang gibt es laut Eckel zwei Hühnermobile im Altkreis Frankenberg - neben dem in Röddenau auch noch ein größeres in Gemünden.

Service:

Gern informiert die Familie Engel über ihr Hühnermobil und ihren Eierautomaten. Ein Ei kostet 30 Cent. Kontakt: Familie Engel, Battenberger Straße 30, 35066 Frankenberg-Röddenau, Telefon 06451-1330. E-Mail: huehnermobil-engel@web.de

Quelle: HNA

Mehr zum Thema

Kommentare