Wechsel im Frankenberger Ortsgericht

Hülshorst: "Das Tandem geht"

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Abschied und Willkommensgruß durch Bürgermeister Rüdiger Heß (l.) und Amtsgerichtsdirektorin Andrea Hülshorst (r.): Rainer Schulz, Steve Inacker, Karl Fechter, Frank Reinbott und Günter Langendorf sind die neuen und die scheidenden Gesichter des Frankenberger Ortsgerichtes am Obermarkt.

Frankenberg - Mehr als ein Vierteljahrhundert waren Günter Langendorf und Karl Fechter für Beglaubigungen und vieles mehr verantwortlich. Sie bauten die Kompetenzen des Ortsgerichtes aus. Gestern fand ein Generationswechsel statt.

Für Beglaubigungen und bei Sterbefällen sind die Ortsgerichte die erste Anlaufstelle der Hessen - und nur dieser: Die Hilfsgerichte gibt es nur in Hessen. Und doch erfüllen sie wichtige Aufgaben: „Wir haben die Kompetenzen des Ortsgerichts ausgebaut“, sagte gestern Günter Langendorf. Aus dem gesamten Altkreis würden inzwischen Menschen auf den Frankenberger Obermarkt kommen, um sich bei Patientenverfügungen oder Vorsorgevollmachten beraten zu lassen. Künftig erwartet sie dort nicht mehr Langendorf oder sein Stellvertreter Karl Fechter. Die verdienten Herren wurden nach 25 beziehungsweise 26 Jahren aus dem Amt verabschiedet.

„Es war die Zeit, als Graf und Becker Wimbledon gewannen. Als Genscher in Prag auf dem Botschaftsbalkon stand“, erinnerte Amtsgerichtsdirektorin Andrea Hülshorst - und mit einem Bedauern: „Das Tandem hört jetzt auf“. Sie sei froh, dass sich Menschen so lange ehrenamtlich in den Dienst des Landes Hessen stellten - und dass sich erneut Menschen bereiterklärt hätten, diese Aufgabe zu übernehmen: Steve Inacker ist seit gestern offiziell Ortsgerichtsvorsteher und Nachfolger von Langendorf. Als Stellvertreter und Schöffe zugleich war bislang Fechter tätig - diese Aufgaben werden geteilt: Rainer Schulz vertritt Inacker, als Schöffe wurde Frank Reinbott vereidigt und berufen.

Auch Bürgermeister Rüdiger Heß drückte den scheidenden wie den neuen Ehrenbeamten Respekt und Dankbarkeit aus. „Herr Langendorf war mindestens zweimal pro Woche, meist siebenmal oben im historischen Rathaus“, verdeutlichte er die Bedeutung des kleinen Gerichts. Er habe zudem vielen Kollegen kleinerer Ortsgerichte zur Seite gestanden - und Langendorf betonte, er werde dies auch weiterhin tun.

Der Ehrenstadtrat, der seit 1972 ehrenamtlich in Frankenberger Politik und Gerichtswesen aktiv war, rief seinen Nachfolger Steve Inacker dazu auf, ihn bei Fragen oder Problemen stets anzurufen. „Ich kenne ja die Öffnungszeiten des Ortsgerichts“, sagte er mit einem Augenzwinkern zu seinem Nachfolger. Sein Dank galt sowohl der Stadtverwaltung, die ihn stets unterstützt habe, als auch dem Frankenberger Amtsgericht. Nie sei gemurrt worden - auch wenn er wieder einmal etwas später hereingekommen sei, erinnerte er sich. „Ich bin froh, dass es gelungen ist, neue Menschen zu finden“, sagte er. Auch Andrea Hülshorst betonte, dass das in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich sei.

Als Zeichen des Dankes überreichte Bürgermeister Heß Karl Fechter eine Flasche Wein vom Schloss Frankenberg und an Günter Langendorf ein Wandbild des historischen Rathauses. Amtsgerichtsdirektorin Andrea Hülshorst überreichte ihnen Dankesurkunden des Landes Hessen.

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