Neues Buch von Karl-Heinz Hartmann

Im Humor vereint

Die Agave im Bildhintergrund ist ein wiederkehrendes Element in den Bildern Carl Spitzwegs. Sie hielt auch Einzug auf die Terasse Karl-Heinz Hartmanns, der in seinem neuen Buch die Werke des Malers mit den Gedichten Wilhelm Buschs vereint.

Frankenberg-Schreufa - Carl Spitzweg und Wilhelm Busch gehören wohl zu den bekanntesten deutschen Künstlern. Der eine - Wilhelm Busch - hat ganze Generationen mit seinen Texten erheitert, der andere - Carl Spitzweg - drückte diesen Humor mit seinen Bilden aus. Karl-Heinz Hartmann aus Schreufa hat dieses Humorverständnis in einem Buch zusammengefasst.

Ob sie sich gekannt haben ist nicht belegt - allerdings scheinen Carl Spitzweg und Wilhelm Busch im Geiste vereint gewesen zu sein: Die Kunst des einen spiegelt sich in den Bildern des anderen wieder - und umgekehrt.

Gemeinsamkeiten, die Karl-Heinz Hartmann aus Schreufa nun auf 160 Seiten zu Tage gefördert hat. Seit der vergangenen Woche ist sein Buch „Busch trifft Spitzweg“ - mittlerweile sein achtes Werk - erhältlich.

Es soll ein, wie Hartmann sagt, „Schmunzel-Brevier“ sein, das zum Lächeln, aber auch zum Nachdenken anregt. Die Zusammenstellung des Buches erwies sich für Karl-Heinz Hartmann als eine relativ leichte Aufgabe: „Ich kenne die wichtigsten Bilder Spitzwegs und das Gesamtwerk von Busch“, sagt er. Er habe nach Texten gesucht, die zu den Bildern passen: „Wenn nichts fand, kam das Bild nicht mit rein“, sagt er. Als „Humor-Therapeuten der Deutschen“ bezeichnet der 75-Jährige die beiden Künstler, zwischen denen eine tiefe und humorige Geistesverwandschaft besteht, wie der Autor sagt.

Der eigentliche Ausgangspunkt des Buches allerdings war wenig humorvoll, denn den Autor ereilte vor einigen Jahren ein Schlaganfall, der Hartmann dazu zwang, den Schuldienst - Hartmann war unter anderem Rektor an der Friedrich-Trost-Schule - aufzugeben. In dieser Zeit habe er viel gelesen: „Die Literatur wurde eine Art neue Heimat“, sagt er. So begann es und so befasste sich der 75-Jährige schließlich auch mit Wilhelm Busch: „Busch hat alle meine Fragen beantwortet“, sagt Hartmann, „er hat mir am meisten gegeben“.

Und als er mit Busch durch gewesen sei, habe er mit Spitzweg angefangen. Da sei ihm bewusst geworden, dass die beiden Zwiesprache halten: „Es ist als ob Busch dem Maler über die Schulter geschaut hat“, sagt der 75-Jährige. Es ist ein Zwiegespräch, dass sowohl in den Texten Buschs, als auch in den Bildern Spitzwegs ohne Hektik daher kommt.

„Beide hatten dasselbe Humorverständnis“, sagt Hartmann. Es ist eine Art von „Durchhaltehumor“, der den Menschen halt gibt. In Spitzwegs Bildern finde sich beispielsweise - und sei der Himmel noch so grau - immer ein blaues Fleckchen. Es ist ein Humor, der Distanz schafft und neue Perspektiven eröffnet. Buschs Humor wiederum ist hintergründig: Hartmann beschreibt ihn als eine Mischung aus Galgenhumor und Selbstironie.

Die Gemeinsamkeiten der beiden liegen aber nicht nur in der humoristischen Betrachtung des Alltags, auch ihre Lebensweise weist zahlreiche Parallelen auf: Beide entstammen einer Kaufmannfamilie und sollten auf Wunsch des Vaters einen bürgerlichen Beruf ergreifen. Beide schrieben beispielsweise für die „fliegenden Blätter“, einer humoristischen Zeitschrift, die in München erschien. Beide seien wohlhabend gewesen, sagt Hartmann, hätten sich aber mit einem Bescheidenen Lebensstil begnügt. Außerdem hätten sich beide niemals drängen lassen und arbeiteten zurückgezogen, berichtet Hartmann: „Sie brauchten Entschleunigung“. Vereinsamt seien sie jedoch nie gewesen. Zudem ist es beiden gelungen, über sämtliche Bevölkerungsschichten hinweg Anerkennung zu finden.

Der Humor beschreibt Hartmann als eine „echte Lebenshilfe“, denn „mit einem kleinen Schuss Humor einem kommt einem das Leben leichter vor“.

„Busch trifft Spitzweg“, Reclam Verlag, Herausgeber: Karl-Heinz Hartmann, 19,95 Euro, ISBN: 978-3-15-011020-1

Von Marco Steber

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