45-Jähriger wegen Besitzes kinderpornografischer Dateien zu einem Jahr Freiheitsstrafe und Zahlung von 5000 Euro verurteilt

„Ich fühle mich nicht, als wenn ich pädophil wäre“

Frankenberg - Wegen des Besitzes von Foto- und Videodateien mit kinderpornografischem Inhalt ist ein Mann aus dem Oberen Edertal gestern zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem muss er 5000 Euro zahlen und einen Therapeuten aufsuchen.

Bei einer Hausdurchsuchung im April 2011 hatte die Polizei 493 Fotos und fünf Videos mit kinderpornografischem Inhalt gefunden und sichergestellt. Sowohl die Vertreterin der Staatsanwaltschaft als auch Richterin Andrea Hülshorst unterstrichen, dass es sich dabei um „heftige“ Darstellungen gehandelt hatte.

Der Angeklagte, ein 45 Jahre alter Mann aus dem Oberen Edertal, gestand den Besitz der Dateien vor Gericht sofort und vollständig. Er begründete das Herunterladen einerseits mit einer Alkoholsucht, unter der er zum Tatzeitpunkt gelitten habe, sowie mit „schwierigen Lebensumständen“ nach der Trennung von seiner Ehefrau. Er betonte, sein Leben nun im Griff zu haben und zu genießen: Er habe eine neue Lebensgefährtin und die damalige Abhängigkeit überwunden. Er sehne sich nun nach einem normalen Leben mit seiner Partnerin und seinem Kind. Er betonte, das Internet seit der Hausdurchsuchung nicht mehr genutzt zu haben – und er wolle das auch nie wieder tun.

Vor allem die letzteren reuigen Worte nahm Richterin Andrea Hülshorst mit Skepsis zur Kenntnis – denn dieselben Aussagen hatte er bereits 2007 gemacht, als er sich ebenfalls wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften verantworten musste. Der Mann ist zweimal einschlägig vorbestraft, das erste Mal 2001. Auf diese „Karriere“ sei er nicht stolz, betonte der Mann. „Ich will mit allen Mitteln umsetzen, dass diese Kette hier endet“, sagte der Angeklagte darauf.

Auf Nachfrage sagte er, dass er bisher keine therapeutische Hilfe oder Beratung in Betracht gezogen hätte: „Ich fühle mich nicht, als wenn ich pädophil wäre“. Ihn hätte nur der „Reiz des Verbotenen“ dazu getrieben, die Dateien anzusehen. „Ich weiß nicht, was da in mich gefahren ist.“ Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zweifelte dies an, einerseits wegen der großen Zahl der Dateien, andererseits wegen seiner Vorgeschichte: „Glaubhaft ist das nicht, was Sie mir da erzählen“. Auf die Nachfrage, ob er sich bereiterkläre, einen Therapeuten aufzusuchen, zögerte der Angeklagte lange – sein Anwalt Helmut Merle sprang ihm zur Seite und erläuterte, dass dies verständlich sei, weil der Angeklagte sich selbst nicht als Pädophilen sehe. Sein Mandant sei bereit, sich untersuchen zu lassen.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung. „Ihnen muss klar sein, dass das Ihre letzte Chance ist“, sagte die Vertreterin dem Angeklagten. Sie forderte zudem ein Internetverbot für zwei Jahre, die Zahlung von 6000 Euro sowie eine therapeutische Begutachtung, der gegebenenfalls eine Therapie folgt. Rechtsanwalt Helmut Merle schloss sich dem an, bat jedoch um eine geringere Geldstrafe: Er schlug 4500 Euro vor.

Richterin Hülshorst verurteilte den 45-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr zur Bewährung, die auf fünf Jahre ausgesetzt ist – das ist die Höchstdauer. „Kommt das nochmal vor, gehen Sie in die Justizvollzugsanstalt“, warnte sie ihn. Zudem muss der Mann 5000 Euro an den Verein „Treffpunkt“ zahlen und die erheblichen Kosten des Verfahrens tragen. Er ist außerdem verpflichtet, einen qualifizierten Therapeuten aufzusuchen, sich begutachten zu lassen und – wenn das Ergebnis eine pädophile Neigung ergibt – eine Therapie zu machen. Zudem darf er zwei Jahre lang nicht das Internet nutzen. Weil Staatsanwaltschaft und Verteidiger auf die Einlegung von Rechtsmitteln verzichteten, wurde das Urteil sofort rechtskräftig. (apa)

Kommentare