Dr. Klaus Loscher schilderte Bottendorfer Pfarrerssohn als Märtyrer der Kirche

„Ich habe nicht verleugnet“

Georg Maus: Er bekannte sich auch im Krieg zur Feindesliebe.

Bottendorf. Ein Wandbild des Heiligen Georg, der mit der Lanze den Drachen besiegt, schmückt den Eingangsbereich des Bottendorfer Pfarrhauses. 1975 ließ es Pfarrer Dr. Gustav Hammann dort anbringen, daneben die Lebensdaten von Georg Maus, der 1888 in Bottendorf geboren wurde und als Mitglied der Bekennenden Kirche 1945 auf dem Weg in ein Todeslager umkam. Die Evangelische Kirche Deutschlands hat 1948 seinen Todestag, den 15. Februar, als offiziellen Gedenktag für den Märtyrer Georg Maus in ihren Kalender aufgenommen.

Gustav Hammann (1922-1978) sorgte auch dafür, dass in Bottendorf die Lebens- und Leidensgeschichte dieses Opfers der NS-Herrschaft ins Bewusstsein der Bevölkerung gehoben wurde. Denn: Georg Maus setzte sich während des Nationalsozialismus für den evangelischen Religionsunterricht ein und wollte als bibelgläubiger Christ Gott allein dienen. So stellte er das Wort Gottes über die Ideologie des Nationalsozialismus und die Theologie der „Deutschen Christen“.

Zum ersten Mal war jetzt aus Anlass der Bibelwoche der Pfarrer und Historiker Dr. Klaus Loscher (Bayreuth) in Bottendorf zu Gast, der 1987 zusammen mit Udo Hahn eine Biografie über den Bottendorfer Pfarrerssohn Georg Maus unter dem Titel „Ich habe nicht verleugnet“ herausgegeben hat und dabei die letzten noch lebenden Zeitzeugen befragen konnte. Im Juli 2010, so berichtete Loscher, wurde an Georg Maus in einer bewegenden Gedenkfeier, an der auch seine Tochter Sigrid Fischer, Enkelin Sibylle Maus sowie Margarete Bender, eine ehemalige Schülerin aus Idar-Oberstein, teilnahmen, in der Gedenkstätte Flossenbürg erinnert.

In seinem früheren Wirkungsort Hochstadt am Main hatte Pfarrer Loscher davon gehört, dass der Leichnam des auf dem Transport nach Dachau gestorbenen Georg Maus zunächst in Hochstadt bestattet, 1960 in die Gedenkstätte Flossenbürg umgebettet worden sei. Er begann daraufhin mit Nachforschungen.

Loscher beschrieb erste Zusammenstöße des Religionslehrers Maus 1943 mit der Gestapo in Elberfeld, als er nach einem Phosphorangriff auf Wuppertal die Feuersbrunst ein „Zeichen für das Dritte Reich“ mit all seinen Freveln bezeichnet hatte. Unfreundlich wurde der versetzte Maus im Gymnasium Idar-Oberstein empfangen. Als er dort im Unterricht Jesu Gebot der Feindesliebe auch auf die Engländer übertrug, wurde er verhaftet und vor dem Volksgerichtshof Berlin wegen Wehrkraftzersetzung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Bei seinem Vortrag in der Bottendorfer Kirche würdigte Klaus Loscher, wie früh Georg Maus 1934 mit der Braunen Diktatur brach und Mitglied der Bekennenden Kirche wurde. „Die entscheidenden Leute der Kirche sind weniger die großen Rhetoriker, sondern vielmehr die, die wie Georg Maus trotz aller Bedrängnisse ihrer Linie treu bleiben“, stellte Loscher fest.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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