Frankenberg

„Ich lasse mich gerne inspirieren“

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- Frankenberg (da). Sein Vater und sein Großvater sind bekannte Kirchenmusiker, und auch Daniel Gárdonyi will seine Akzente setzen.

Daniel Gárdonyi ist mit Musik aufgewachsen. „Ich entstamme einer Musikfamilie“, erzählt er (siehe Kasten). Sein Großvater war ein bekannter Komponist, der Vater ist Musikprofessor. Sein Großvater war aus Ungarn nach Deutschland ausgewandert – daher der ungewöhnliche Nachname. Gárdonyi ist Nachfolger von Alexander Meyer, der in den Lehrerberuf wechselt (FZ berichtete). Im Frühjahr bewarb er sich auf die Kantorenstelle in Frankenberg – und setzte sich gegen elf weitere Bewerber durch. Erst am Samstagabend ist er in der Ederstadt angekommen und lebt noch in einer „Übergangswohnung“: „Im November ziehe ich endgültig um.“ Bis dahin will er die Stadt kennenlernen, „ich bin schon reich beschenkt mit Stadtführern.“ Anzumerken ist ihm die Begeisterung für Musik in ihrer ganzen Bandbreite.

Frankenberg hat er bereits ins Herz geschlossen und die Qualitäten der Bürger schnell erkannt: „Die Menschen sind sehr aufgeschlossen und empfänglich für Kultur und anspruchsvolle Musik“, sagt Daniel Gárdonyi. Es gebe viele Menschen, die gerne musizieren, „gerade auch in der Kirche“. Er wolle die bewährte Arbeit seiner Vorgänger vorführen – sowohl im klassischen Bereich als auch mit dem Gospelchor. Bestimmte Dinge könnten sich aber auch weiterentwickeln. Gárdonyis Ziel ist eine stärkere „Öffnung zur Stadt und zur Region“, er denkt unter anderem an „Mitmachprojekte“: Ich schaue mich gerne um und lasse mich gerne inspirieren.“

Der Beruf des Kantors gefällt dem 29-Jährigen wegen der unterschiedlichen musikalischen Stile. Von der Interpretation alter Werke hat er durchaus auch eigene Vorstellungen. „Es ist ein sehr spannendes Arbeitsfeld, weil es sehr breit ist. Ich muss Qualität in der Breite bieten, aber dadurch macht es sehr viel Spaß.“ Weniger groß ist seine Euphorie, wenn er über die Orgel der Liebfrauenkirche spricht: „Man spürt stark den Geist der 70er-Jahre.“ Damals habe es andere Klangvorstellungen gegeben als heute.

„Man hat gemeint, man greift auf den Barock zurück, aber das war nicht so. Heute werden deshalb viele Ideen aus den 30er- bis 70er-Jahren wieder verworfen.“ Das Instrument habe aber auch viele Klangfarben, „die ich sehr schön finde“. Hinzu komme die gute Akustik in der Kirche. Er freut sich auf die Arbeit mit den Ensembles: Mit der 90 Mitglieder starken Kantorei, dem Kinderchor, dem Gospelchor und dem Posaunenchor. Daniel Gárdonyi spielt bislang noch kein Blechblasinstrument, will aber mit den Jungbläsern zusammen Posaune lernen: „Ich setze mich dazu.“Am ersten Advent, am 27. November, findet das erste große Konzert unter Gárdonyis Leitung statt. Johanna Tripp hat dafür schon seit Sommer mit Kantorei und Kinderchor geprobt. Auf dem Programm stehen Werke von Antonio Vivaldi und Johann Sebastian Bach. Solisten sind Marie-Pierre Roy (Stuttgart), Sopran, Lidia Vinyes-Curtis (Köln), Mezzosopran/Alt, Wolfgang Tiemann (Detmold), Tenor, Thomas Wiegand (Melsungen), Bass. Ein Kammerorchester wird unter anderen unterstützt von Sabine Nobis, Oboistin am Kasseler Staatstheater, und dem Violinisten Matthias Erbe, der aus Frankenberg stammt.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag, 6. Oktober

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