Ilka Müller-Patham lebt in Indien und erzählt, warum es ihr dort gefällt

Die liebe Heimat: Ilka Müller-Patham im Garten ihrer Eltern in Vöhl. Hier hilft sie mal beim Imkern, verbringt Zeit am Edersee und betreut sogar ein Waldscout-Projekt der Hessischen Sportjugend. Heute geht der Flieger zurück nach Pune. Foto: Rösner

Vöhl/Pune. Wie schön ist der deutsche Sommer: im See schwimmen, durch den Wald laufen, der voll ist von Erinnerungen an die Kindheit... So schwärmt Ilka Müller-Patham auf Facebook von ihrer Heimat, Vöhl am Edersee. Sie hat nach Indien geheiratet und ist gerade für ein paar Wochen in Vöhl.

Als sie noch in Indien war, wollten wir bereits mit ihr über Skype telefonieren, damit sie von ihren Erlebnissen berichtet. Doch das Internet dort streikte. „Es gibt oft Stromausfall“, berichtet Ilka Müller-Patham. Wir treffen sie schließlich in ihrem Elternhaus in Vöhl, wo sie ihre Zeit verbringt, bis sie am Mittwoch gemeinsam mit ihrem Partner Satyen zurückfliegt. Zu ihrem neuen Zuhause in Pune, eine Millionenstadt 150 Kilometer südöstlich von Mumbai. Wo das Leben lebendig ist, wild und laut im Vergleich zu Deutschland.

„Hier ist alles so gezähmt“, sagt Ilka Müller-Patham über ihr Herkunftsland. „Es gibt sehr wenige Lebewesen“, so lautet ihr Eindruck, nachdem sie Indien kennengelernt hat. „In der Stadt sind überall Tiere. Die Menschen leben in Indien enger mit der Natur zusammen.“

Vor zwei Jahren hat sie ihrem Mann das Ja-Wort gegeben und damit auch Ja gesagt zu Indien. Dort will sie erst einmal bleiben, ist sie sich sicher. Denn bei all den Gegensätzen zwischen Deutschland und Indien gibt es auch Gemeinsamkeiten. „Wir sind sehr ähnlich“, sagt sie über sich und Satyen. Ihre Vorstellungen vom Leben passten zueinander. Außerdem seien in beiden Kulturen das soziale Miteinander und die Rolle der Familien wichtig. „Wir Deutschen sind zwar individualistisch, aber nicht so sehr wie andere aus dem Westen.“

Viele Inder seien sehr offen und anpassungsfähig, da ihr Land von verschiedenen Kulturen und Religionen geprägt sei. „Viele Welten“ gebe es dort. „Farmer arbeiten mit Ochsenkarren, haben aber Smartphones.“

Es sei auch unproblematisch gewesen, dass ein Hindu eine Christin heiratet. Die standesamtliche Trauung hat ihre Familie in Vöhl über das Internet verfolgt. Zur großen Feier kamen 17 Verwandte und Freunde aus Deutschland. Eine Feier am Strand von Goa, dann per Schlafbus nach Pune, wo 200 Gäste warteten. Die Familie Müller sang das „Vöhler Heimatlied“. „Da hab ich geheult“, sagt Ilka Müller-Patham.

Ansonsten halte sich das Heimweh in Grenzen, aber die Jahreszeiten vermisst sie sehr. „Der deutsche Sommer ist so besonders, und der Geruch des Herbstes auch.“

In Pune fühlt sich die 31-Jährige wohl. Sie hat dort Arbeit, enge Freunde, und sie kennt schon die Händler auf dem Markt. Pune sei schließlich für indische Verhältnisse eine Kleinstadt – mit fünf Millionen Einwohnern. „Das Klima ist angenehm, der Sommer trocken heiß und der Monsun nicht so stark.“ Vieles spiele sich draußen ab. Das liebt Ilka Müller-Patham.

„Ich glaube, die Menschen sind dort glücklich.“ Viele leben zwar in Slums, würden dies aber nicht immer als schlimm empfinden, da Familien und Freunde stark zusammenhalten.

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Quelle: HNA

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