Frankenberg

Illegaler Freundschaftsdienst: 3200 Euro Strafe für Arzt

- Marburg/Frankenberg (gl). Ein Marburger Mediziner ist wegen Insolvenzverschleppung in einem Frankenberger Bauunternehmen zu 80 Tagessätzen zu je 40 Euro verurteilt worden.

Nur eine knappe Stunde dauerte das Verfahren im Marburger Landgericht gegen einen in Marburg lebenden Arzt, der als Scheingeschäftsführer einer Frankenberger Baufirma wegen Insolvenzverschleppung angeklagt war.

Dem 41-Jährigen wurde vorgeworfen, bereits im August 2007 von der Zahlungsunfähigkeit der Frankenberger Firma gewusst, ein Insolvenzverfahren aber erst im März 2008 eingeleitet zu haben. Des Weiteren soll der Marburger im Sommer 2007 mehre Zahlungen von der Baufirma erhalten haben, die nicht betrieblichen Zwecken dienten.

Der Angeklagte war 2006 als Geschäftsführer des Bauunternehmens eingesetzt worden. Die Besitzerin, die der Angeklagte privat kennengelernt hatte, konnte diesen Posten aus rechtlichen Gründen nicht selbst übernehmen. Nach eigener Aussage des Angeklagten habe er sich aus dem alltäglichen Geschäft herausgehalten, da er als Mediziner vom Führen eines Baufirma keine Ahnung gehabt hätte. Auch habe er, anders als im Vertrag vereinbart, keinerlei Gehalt bekommen. So bestritt der Angeklagte auch, im Sommer 2007 zweckfremde Zahlungen von der Firma erhalten zu haben. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden daraufhin die Anklage auf den Vorwurf der Insolvenzverschleppung beschränkt.

Zu diesem Anklagepunkt legte der Marburger ein Geständnis ab. Im August 2007 habe der Steuerberater der Gesellschaft ihn darauf hingewiesen, dass die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken würden. Der Angeklagte habe daraufhin gekündigt. Als seitens der Besitzerin keinere weiteren Schritte unternommen wurden, habe er das Insolvenzverfahren eingeleitet. „Hätte ich gewusst, was der Begriff ‚Insolvenzverschleppung‘ überhaupt bedeutet, hätte ich früher gehandelt“, rechtfertigte er sich vor dem Vorsitzenden Richter. Aus seiner Sicht sei die Beschäftigung in dem Bauunternehmen eine Hilfeleistung für seine Bekannte, die Besitzerin, gewesen. Er selbst habe rund 250 000 Euro an Eigenkapital in die Firma investiert und dafür Kredite aufnehmen müssen.

Die Staatsanwaltschaft plädierte auf eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 40 Euro. Der Verteidiger schloss sich dem an, bat aber um monatliche Ratenzahlungen zu je 200 Euro. Weil der Angeklagte keine Vorstrafen hat und geständig war, lautete so auch das Urteil des Gerichtes, das beide Seiten anerkannten. Gegen die Besitzerin des Unternehmens wird gesondert ermittelt, die Verhandlung steht noch aus.

Kommentare