Martin Schneider in der Ederberglandhalle

Der Inder im Hessenpelz

Die vielen Gesichter des „Maddin“ Schneider gab es in Frankenberg zu sehen.Fotos: Wagener

Frankenberg - Sein Grinsen ginge einmal um den ganzen Kopf herum - wären die Ohren nicht im Weg: Comedian Martin Schneider war am Donnerstag mit seinem Programm "Meister Maddin: Häppi bis unners Käppi" in Frankenberg.

Die Welt der Comedystars ist so vielfältig wie sie selbst: Brauchen die einen Requisiten mit Wiedererkennungswert für ihre Rollen, bedienen sich andere eines Sprachfehlers oder eines Dialektes, sei es Bayrisch in Turnschuhen, Deutsch-Türkisch mit Mannheimer Dialekt, Indisch als Rosenverkäufer oder Thüringisch mit Rauten-Pullunder.

Ihnen allen ist die Tiefsinnigkeit und der intelligente subtile Humor à la Heinz Ehrhardt oder Loriot abhandengekommen. Heute zählt häufig Doofheit, ohne es zu merken. Es geht darum, das Klischee des Coolen zu bedienen, oder um oberflächliche Gesellschaftskritik und Voyeurismus gepaart mit Provokation unterhalb der Gürtellinie.

Maddin ist er selbst

„Maddin“ ist 49 Jahre alt und kommt aus dem Marburger Land, den Frankenbergern bekannt aus Kino und Fernsehen. Und doch ist er „einer von uns“. So saßen im Publikum viele ihm Altbekannte, die ihn so kennen, wie er ist: Er schlüpft nicht in lustige Rollen, Maddin ist er selbst. Der Mann mit dem markanten Gesicht und dem gedehnten hessischen Akzent als Markenzeichen hatte zur Behandlung seiner „Liebeskummer-Burnout-Depression wegen seiner damaligen zukünftigen Ex“ Erkenntnisse aus der indischen Yoga-Lehre parat.

So betrat der „Inder im Hessenpelz“ die Bühne mit einem „Om“ - dem Laut, der seit Jahrtausenden beim Yoga verwendet wird. Und weil „Oma“ von „Om“ komme, brachte er immer wieder die Weisheiten seiner Großmutter ins Spiel. Ohne weitere Requisiten stand er auf der Bühne und unterhielt sein Publikum. Und Maddin wäre kein typischer Comedian, bediente er sich nicht des Dialogs mit zwei Zuhörern aus der ersten Reihe.

So erfuhren die Gäste, wie er die Trennung von seiner Ex verarbeitete und dass es männlich sei, wenn man supergut nicht zuhören könne. In der „Brigitte“ las er schließlich, wie er seine Ex zurückerobern könnte. Der Versuch ging schief, statt seiner Ex kamen sein Kumpel und weitere Nachbarn, denen auch die Frau weggelaufen sei. Daher gründete er als verlassener Mann einen „Flenn-Club“ zum „Power-Heuling im Wintergarten“. Zur gemeinsamen Krisenbewältigung könne man dann ja alles, was einen an die Verflossene erinnert, im Kamin verbrennen und anschließend den Kamin abreißen. Denn: „Sischär is sischär!“

Schließlich sei es gut gewesen, dass er sich von seinem erotischen hellblauen Schlafanzug aus Frottee-Leder getrennt und „losgelassen“ habe.

Die Zuschauer erfuhren, wie das „Ennerschaising“ durch das Wurzel-Chakra funktioniert und dass der hessische Sonnengruß „Helau“ lautet, aber die männlichen Yoga-Teilnehmer stattdessen auch aufspringen und „Tor!“ rufen könnten. Lustig auch die Erkenntnis, dass man mit zunehmendem Alter immer älter wird, dass die Inder das „Indernet“ erfunden haben und dass Maddin beim Lach-Yoga erfahren hat, dass er im früheren Leben ein Maharadscha war - was erklärt, warum er so gern im Schneidersitz sitzt, was aber nichts mit seinem Namen zu tun habe.

Nicht jeder ist überzeugt

Die Ambivalenz seines Auftritts zeigte sich in der Reaktion seiner Zuhörer: Maddin erreichte allenfalls die Zielgruppe 50 plus, saßen doch die Jüngeren in der Ederberglandhalle recht anteilnahmslos da, während die Älteren schon erwartungsvoll lachten, als er noch gar nicht auf der Bühne stand. Tiefsinnigkeit wich Albernheit, und Rasanz wich hingebungsvoll artikulierter Mundart - für die ihn seine Fans lieben. Die zweistündige Performance endete mit lediglich einer Zugabe, nämlich mit dem Markenzeichen Maddin Schneiders: „Aaaschebäschär“. (dwa)

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