Pro und Contra

Infoveranstaltung: 40 Ernsthäuser diskutieren über  neue Windräder

Montage: Das zweite Windrad von links ist eine Montage. Die Firma Gewi hat nach eigenen Angaben maßstabsgetreu eine 200 Meter hohe Anlage eingesetzt. Links daneben zum Vergleich: eine der dort stehenden 80 Meter hohen Anlagen. Das Foto ist von Osten, aus dem Bereich Weiboldskopf, aufgenommen worden. Montage: Firma Gewi

Ernsthausen. Wie stehen die Menschen in Ernsthausen zu den Plänen, im Windpark westlich des Ortes weitere, diesmal sogar 200 Meter hohe Windräder aufzustellen? Eine Antwort erhoffte sich Ortsvorsteher Frank Kleinwächter von einem Infoabend am Dienstag. Doch seine Hoffnung erfüllte sich nicht ganz.

Es gab viel Kritik und weder ein klares Ja noch ein klares Nein zu den Plänen. „Ich werde noch ein bisschen rumfragen“, sagte er am Ende der Veranstaltung.

Zu Beginn hatte Bürgermeister Lothar Koch deutlich gemacht, dass die 200-Meter-Anlagen nur gebaut werden können, wenn der Flächennutzungsplan geändert wird. Er begrenzt bisher die Höhe auf 150 Meter. Die Gemeinde werde eine Änderung beim Regierungspräsidium nur dann beantragen, wenn der Ortsbeirat Ernsthausen dies wünsche.

Bisher gab es laut Ortsvorsteher Kleinwächter kaum Kritik an den acht bestehenden Windrädern – weder 1996, als eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts vier 80 Meter hohe Windräder aufstellte, noch 2011, als das Unternehmen Wotan vier 150 Meter hohe Anlagen errichtete. Doch nun höre der Ortsvorsteher besorgte Fragen wie: Immer mehr und immer höhere Windräder – was kommt da auf uns zu?

Am Dienstagabend standen zwei Mitarbeiter der Firma Gewi Rede und Antwort. Die Husumer Planungs- und Vertriebsgesellschaft will drei 200-Meter-Anlagen errichten. Eine soll eine defekte 80-Meter-Windmühle ersetzen. Die Standorte für die beiden anderen seien noch unklar, erläuterte Projektakquisiteur Rolf Brückner. Um sie zu ermitteln, müssten erst Gutachten erstellt werden zu Windvorkommen, Schattenwurf und Geräuschbelastung sowie über mögliche Beeinträchtigungen für Fledermäuse. Wichtig sei auch, dass neue Anlagen die bestehenden nicht störten. Diese Gutachten, die zehntausende von Euro kosteten, werde Gewi erst in Auftrag geben, wenn der Flächennutzungsplan geändert werde, sagte Ingenieur Angelo Bargel.

Die neuen Windräder würden die bestehenden höchstens um 20 Meter überragen, ergänzte Brückner: Grund: ein Höhenunterschied von 30 Meter im Gelände. Die höchsten Standorte seien bereits durch andere Anlagen belegt.

Profitieren durch Pachteinnahmen sollen alle Grundstücksbesitzer in dem Bereich, nicht nur die, auf deren Land gebaut werde, sagte Brückner.

Keiner der rund 40 Besucher der Infoveranstaltung sprach sich generell gegen eine Änderung des Flächennutzungsplanes aus. Aber es gab kritische Stimmen, insbesondere was die Wirtschaftlichkeit der Anlagen und Belastungen durch Schattenwurf angeht.

Eine eindeutige Pro-Haltung vertrat eine Ernsthäuserin, deren Haus nah an den bestehenden Windmühlen stehe: „Sicherlich gibt es im Sommer mal Schattenwurf und man hört die Anlagen bei geöffnetem Fenster. Doch daran gewöhnt man sich schnell“, sagte sie. Ihr Fazit: „Zehn Windräder in der Nähe sind mir lieber als ein Atomkraftwerk 100 Kilometer entfernt.“

Nun ist der Ortsbeirat Ernsthausen am Zug.

Von Martina Biedenbach

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Quelle: HNA

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