Anklage wegen Missbrauch und Vergewaltigung: 48-Jähriger kennzeichnete seine Opfer

Initialen in die Haut geritzt

Marburg. Seine Initialen soll der 48-jährige Marburger Familienvater, der wegen Misshandlung, Missbrauch und Vergewaltigung angeklagt ist, seinen Opfern in die Haut geritzt haben. Dies hat auch die Mutter eines damals 14-jährigen mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers vor Gericht ausgesagt. Andere Zeugen schilderten den Mann als freundlich und hilfsbereit.

Die Nachbarin und Mutter der 14-Jährigen schilderte zu Beginn des fünften Prozesstages vor dem Landgericht, wie ihre Tochter im Jahr 2001 eines Nachts zusammengebrochen sei und von Vorgängen mit dem bis dahin „guten Nachbarn“ berichtet hatte, die sie zutiefst erschüttert hätten.

Der Angeklagte sei ihr Nachbar und habe der schwer kranken Frau gelegentlich geholfen. Als sie im Januar 2000 einen längeren Krankenhausaufenthalt vor sich hatte, habe der Angeklagte ihr angeboten, ihre damals knapp 14-jährige Tochter für diese Zeit in seiner Wohnung aufzunehmen. „Mir erschien das ideal. Da waren andere Kinder, und meine Tochter konnte weiter zur Schule gehen“, sagte die Frau unter Tränen aus. Sie habe dem 48-Jährigen damals 2000 Mark für ein neues Auto geliehen. „Er hat mir geholfen und war immer nett“, sagte sie.

Der Angeklagte habe sie dann mit seiner damals schwangeren Ehefrau im Krankenhaus besucht und auf ihre Frage, ob seine Frau jedes Jahr ein Kind bekomme, offen geantwortet, er werde ihr ein bis zwei Jahre Pause gönnen, da er jetzt mit ihrer jüngeren Schwester Geschlechtsverkehr habe. „Ich bin fast aus dem Krankenhausbett gefallen und habe ihn zu einem späteren Zeitpunkt nochmal gefragt, ob das stimmt.“ Er habe das in groben Worten bestätigt und betont, die jüngere Schwester sei sein Eigentum, berichtete die Zeugin.

In der Folgezeit war ihr und ihrem älteren Sohn, der im selben Jahr in die gemeinsame Wohnung zurückkehrte und ebenfalls als Zeuge aussagte, aufgefallen, dass die Tochter dem Nachbarn aus dem Weg ging und sich verleugnen ließ, wenn er anrief oder nach ihr fragte. Über ein Jahr später habe die Tochter ihr berichtet, dass der Angeklagte sie zum Oralverkehr gezwungen und anschließend vergewaltigt habe. Auch habe er Nacktaufnahmen von ihr angefertigt und damit weitere sexuellen Handlungen von ihr erpresst. Die Tochter habe ihr auch ihren Unterarm gezeigt, in den mit einer Schere oder etwas ähnlichem Initialen eingeritzt worden waren und berichtet, dies habe der Angeklagte unter Zwang getan.

Laut Angeklagte war der Angeklagte auch bei seiner Frau und deren mit im Haushalt lebenden jüngeren Schwester so verfahren.

Nach der Offenbarung habe sie sofort den Kontakt zu der Familie abgebrochen und einen Anwalt aufgesucht, der ihr jedoch von einer Anzeige abgeraten habe. „Das wollen Sie sich nicht antun“, habe er argumentiert. Sie habe damals nicht gewusst, dass dieser ihr bekannte Anwalt der Familienanwalt des Angeklagten ist, sagte sie auf Nachfrage von Richter Thomas Wolf.

Weitere Zeugen sind für den 12. Mai geladen. (ky)

Quelle: HNA

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