Interessengemeinschaft Zukunft für Bottendorf

Initiative wünscht Biogas aus Gülle

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Bei einem Treffen der „Interessengemeinschaft für Bottendorf“ haben etwa 20 Bottendorfer über Nachteile einer Biogasanlage für nachwachsende Rohstoffe gesprochen. Die Mitglieder

Burgwald-Bottendorf - In Bottendorf hat sich die "Interessengemeinschaft Zukunft für Bottendorf" gegründet. Die Mitglieder sprechen sich gegen eine eventuelle Biogasanlage in der Gemarkung aus. Der Investor plant dort bisher nur eine Silo- und Lagerfläche, äußerte aber von Beginn an, dass vielleicht in einigen Jahren eine Biogasanlage folgen könnte.

Das Thema Biogasanlage beschäftigt die Bottendorfer seit Beginn des Jahres. Im Februar stellte Walter Dersch vom Maschinenring dem Ortsbeirat und den Bürgern die Planungen heimischer Landwirte vor, die eine Silo- und Lagerfläche in der Bottendorfer Gemarkung in der nähe der Maschinenhalle an der K117 bauen wollen. Er sprach offen an, dass vielleicht irgendwann der Bau einer Biogasanlage folgen könnte - wenn sie wirtschaftlich betrieben werden könnte. Das sei derzeit nicht der Fall.

Ortsbeirat und Gemeindevertretung schließlich sprachen sich für den Bau der Lagerflächen für Silage und Holzhackschnitzel aus. Das Lager könne als landwirtschaftlich privilegiertes Bauvorhaben auch ohne Zustimmung der Gemeinde gebaut werden, erklärte Bürgermeister Lothar Koch damals. Ortsvorsteher Stefan Schäfer begründete seine Entscheidung für die Lagerfläche damit, dass das Parlament im Dialog mitentscheiden könne, wo gebaut werde (die FZ berichtete). Eine Biogasanlage hingegen ist kein privilegiertes Bauvorhaben, sondern müsste nochmals durch die politischen Gremien. Gutachten müssten erstellt, Betroffene befragt und der Flächennutzungsplan geändert werden.

Nach der Sitzung der Gemeindevertretung hat sich in Bottendorf die „Interessengemeinschaft Zukunft für Bottendorf“ gegründet. Daniela Theiß, eine der Initiatorinnen, erklärt, dass die Gruppe zum Thema Biogasanlage dringenden Aufklärungsbedarf sieht. Die Gruppe wolle offene Fragen nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht klären, sondern auch aus dem Blickwinkel des Naturschutzes und der Gesundheit. „Sollte es zur Biogasanlage kommen, stellt sich uns die Frage, ob die Bürger und der Ortsbeirat dann nochmal befragt werden oder ob die Gemeindevertretung bei der Abstimmung über die Lagerfläche die Zustimmung für die Biogasanlage gleich mitgegeben hat“. Auch wolle die Gruppe Kontakte zu den Bürgerinitiativen gegen die Biogasanlagen in Frankenberg und Rosenthal knüpfen und Netzwerke schaffen.

„Im ersten Schritt haben wir eine Gruppe bei Facebook gegründet“, sagt Theiß. Die habe bereits 70 Mitglieder, denen die Initiatoren Infos zum Thema Biogas weiterleiten, um Fragen zu klären.

Die rund 20 anwesenden Bottendorfer erklärten bei einer Versammlung, dass sie nicht gegen Biogas seien, aber dass die 22 bestehenden und drei geplanten Anlagen im Landkreis ausreichend seien. Theiß führte als Beispiel an, dass 500 Hektar Land nötig wären, um eine Biogasanlage bei Bottendorf zu betrieben. „In der Gemeinde Burgwald gibt es aber nur 1700 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Es ist eine beängstigende Vorstellung, dass so viele Flächen nicht mehr für Nahrung und Futtermittel zur Verfügung stehen.“ Nebenerwerbs-Landwirtin Heike Vöhl befürchtet, dass viele ihrer Kollegen umschwenken könnten von Nahrungsproduktion auf monokulturellen Maisanbau für Biogasanlagen, weil es dafür mehr Geld gebe.

Theiß erklärte, dass die Bürgerinitiative für eine alternative, kleine Anlage sei, die mit Gülle und Mist betrieben werde. Das ist laut den Mitgliedern ethisch vertretbarer, als pure Lebensmittel zu verheizen. Auch würde sich nach Ansicht der Bürgerinitiative damit ein großes Problem lösen: Sie befürchten gesundheitliche Folgen, weil die Nitrat-Belastung des Grundwassers durch eine intensivere Bodennutzung steigen könnte. Der Durchschnittswert im Landkreis ist laut Theiß nach einer Studie schon höher, als der von der EU vorgegebene Richtwert von 25 Milligramm pro Liter. „Wenn die Gärreste aus der Biogasanlage wieder ausgebracht werden, verschärft sich die Situation.“ Würde die Anlage mit Abfällen betrieben werden, würde sich der Nitrat-Wert nach Ansicht dieser Bottendorfer nicht verringern - denn die Gülle werde ohnehin schon auf den Feldern ausgebracht.

Die Bürgerinitiative plant für die Zukunft weitere Treffen und Informationsveranstaltungen. Bürgermeister Lothar Koch wünscht sich einen offenen Dialog mit der Bürgerinitiative, die sich bei Fragen gerne an die Verwaltung wende könne. „Es soll nichts im stillen Kämmerlein entstehen und wir könnten uns gegenseitig auf dem neuesten Stand halten“, sagte er im Gespräch mit der Frankenberger Zeitung.

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