Allendorf (Eder)

Innung profitiert von Viessmann-Aktion

- Allendorf (Eder) (rou). Der von Viessmann über die Bild-Zeitung angebotene „Heizungswechsel zum Hammerpreis“ sorgt weiter für Gesprächsstoff: in der Branche, vor allem aber bei Anlagenbetreibern, hat Walter Scriba ausgemacht. Der Obermeister der SHK-Innung weiß von etlichen Interessenten, die sich aufgrund der Werbung an Waldeck-Frankenberger Handwerker gewandt haben.

Während mehrere Landesverbände der Innung für Sanitär, Heizung und Klima (SHK) weiter scharfe Kritik an der Marketingkampagne des Allendorfer Heiztechnikherstellers üben und die Innungsbetriebe zum Teil sogar zum Protest aufrufen, kann der Waldeck-Frankenberger SHK-Innungsobermeister Walter Scriba die Aufregung nicht nachvollziehen – und vor allem die Kritik nicht teilen. „Jede Maßnahme, die dazu führt, dass der Modernisierungsstau aufgelöst wird, ist doch zu begrüßen“, sagt der Frankenberger und verweist auf die Zahlen in Deutschland: Nur knapp 20 Prozent der Heizungsanlagen befinden sich derzeit auf einem „akzeptablen technischen Stand“.

Erneuerung rechnet sich

Vieles sei in den vergangenen Jahren probiert worden, um Anlagenbetreiber vom Sinn einer Modernisierung zu überzeugen. Und oft seien Interessenten zunächst auch Feuer und Flamme, wenn es um die Modernisierung ihrer 20 oder vielleicht sogar 25 Jahre alten Heizung gehe. „Doch spätestens wenn das Angebot auf dem Tisch liegt, hat bei vielen die Erneuerung doch nicht mehr die Priorität wie zu Beginn der Beratung“, berichtet Scriba aus seinem großen Erfahrungsschatz. Ein neuer Wärmeerzeuger koste einen vierstelligen Betrag, doch die Investition zahle sich bereits vom ersten Tag an aus, sagt der Innungsobermeister. „Denn die günstigste Energie ist immer noch die, die nicht verbraucht wird.“ Auf die Laufzeit gesehen rechne sich für jeden Anlagenbetreiber die Modernisierung seiner Heizung.

Als der Austausch überalterter Heizungsanlagen noch steuerlich begünstigt wurde, sei „Bewegung im Markt gewesen“, berichtet Scriba. Doch seit dem Ende der Sonderabschreibungen „klemmt es“. Dabei bewertet der Frankenberger die aktuellen Rahmenbedingungen als sehr positiv. Zum einen seien die Zinsen so niedrig wie selten, zum anderen bestünden ja Förderprogramme, verweist er beispielsweise auf die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Und das Viessmann-Angebot schaffe zusätzliche Anreize. Deshalb würde nach seiner Einschätzung auch der Großteil der Kollegen in der SHK-Innung Wal­deck-Frankenberg den angebotenen „Heizungswechsel zum Hammerpreis“ begrüßen. Immerhin bedeute eine „Modernisierungsoffensive“ zugleich einen „Auftragsboom“ für das Handwerk.

Der Marketingkampagne des Allendorfer Heiztechnikherstellers steht Scriba jedenfalls positiv gegenüber. „Die bis zum Jahresende befristete Aktion ergibt schon Sinn“, glaubt der Innungsobermeister. „Interessenten können sich bis 31. Dezember entscheiden, profitieren finanziell von der Aktion, und das Handwerk kann schon jetzt Aufträge für das nächste Jahr generieren.“ Durch die Wahl der Bild-Zeitung als Medium würden viele Verbraucher angesprochen. „Endlich kommt wieder Bewegung in den Markt – und das deutschlandweit.“

„Angebot wird verstanden“

„Die Heizungsmodernisierung wird durch die Kampagne nachweislich zum Thema bei den Menschen“, betont Scriba. Seit dem Start der Werbung Anfang Oktober hätten sich schon etliche Anlagenbetreiber an Wal­deck-Frankenberger Handwerker gewandt. „Und alle haben verstanden, dass es sich bei diesem Angebot um ein Einstiegs­paket handelt“, sagt der Obermeister und kontert damit die Kritik einzelner Verbände.

„Individuelle Lösungen“

Der SHK-Fachverband Nordrhein-Westfalen hatte moniert, dass Viessmann den Kunden ein Rundum-sorglos-Paket zum Festpreis in Aussicht stelle, obwohl es auf die individuellen Gegebenheiten vor Ort ankomme und deshalb vielfach Mehrkosten entstünden. „Man sollte das Angebot so verstehen, wie es gedacht ist. Als Angebot, um ins Gespräch zu kommen und nach individuellen Lösungen zu suchen“, sagt Scriba. „Mehraufwand wird separat verrechnet, es gibt auch Anlagenbetreiber, bei denen das Einstiegspaket eins zu eins funktioniert.“ Abzüglich der „Effizienzprämie“ von 1250 Euro bietet Viessmann das Gas-Brennwertgerät Vitodens 200-W, die Installation durch einen Fachbetrieb, eine Schornsteinsanierung sowie die Entsorgung der Altanlage zum Komplettpreis von 4499 Euro an. „Das ist für Anlagenbetreiber günstig, für Handwerker aber kein absoluter Kampfpreis, der ihnen die Kalkulation kaputt macht“, stellt Scriba klar. Bei der Berechnung seien Stundenpreise angesetzt worden, die branchenüblich seien.

Widerlegen will der Obermeister den Vorwurf, dass die Handwerker von Viessmann vor vollendete Tatsachen gestellt und vor Beginn der Werbung nicht informiert worden seien. „Das stimmt nicht, die Verkaufsniederlassung in Allendorf hat uns angeschrieben und umfassend informiert.“ Und noch mit einer weiteren Fehlinterpretation will der Obermeister aufräumen: Während laut Bild-Zeitung der „Hammerpreis“ an den Abschluss eines Gasliefervertrages mit Bild-Energie gekoppelt ist, stellt Scriba klar, dass es Anlagenbetreibern offenstehe, von welchem Versorger sie das Gas beziehen wollen. „Wir bieten die Zusammenarbeit mit regionalen Versorgern an.“

Umdenken der Betreiber

Den kritischen Stellungnahmen der Landesverbände sollte laut Innungsobermeister nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden, wenngleich die Verbände im Vorfeld hätten besser eingebunden werden können. Als sich einige Landesinnungsmeister zum Thema geäußert hätten, sei der „Heizungswechsel zum Hammerpreis“ in den Verbandsgremien noch gar nicht umfassend diskutiert gewesen. „Wenn sich Einzelne dazu mitteilen, dann spiegelt das nicht das Meinungsbild aller Kollegen wider.“ Die Stellungnahmen müssten zudem vor dem Wettbewerbshintergrund betrachtet werden: „Viessmann ist nicht der einzige Anbieter“, sagt Scriba und deutet an, dass unter Umständen auch Wettbewerber hinter den kritischen Formulierungen stehen könnten.

Doch letztendlich sei für die Handwerker ohnehin nur entscheidend, dass sich die „Menschen in Deutschland nicht weiter zurücklehnen und warten“, sagt Walter Scriba. „Hierzulande fährt kaum jemand ein 25 Jahre altes Auto. Und fast alle kennen den Verbrauch ihres Autos – und zwar bis zur zweiten Stelle hinter dem Komma. Über den Verbrauch der Heizung macht sich aber kaum jemand Gedanken.“ Die Werbekampagne könne zu einem Umdenken beitragen, glaubt der Obermeister.

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