Hirschkäfer-Wanderung in Battenberg

Dem „Insekt des Jahres“ auf der Spur

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Luca und Imke betrachten ein Präparat eins ausgewachsenen Hirschkäfer-Männchens.Fotos: Frank Seumer

Battenberg - Der Hirschkäfer ist das „Insekt des Jahres“ 2012. Am Samstag hat Förster Jochen Hörder rund 20 Interessierte ins Revier des Käfers am Battenberger Burgberg geführt.

Das Forstamt Frankenberg hat im Rahmen der „Naturschutzleitlinie Wald“ eine besondere Verantwortung für die seltenen Insekten übernommen. So wurde auch der Burgberg mit seinen vielen alten Eichen als Prozessschutzfläche ausgewiesen und besitzt außerdem den Status als FFH-Gebiet.

Viele Battenberger finden die Käfer im Frühsommer auch in ihren Gärten. „Man hört sie erst, bevor man sie entdeckt“, sagte Hörder und beschrieb den brummenden Flug. Ein Teilnehmer verwies auf den Hirschkäferflug „Im Hain“ unterhalb der Battenberger Neuburg.

Hörder erläuterte den Jahreszyklus der imposanten Insekten. Ab Ende Mai kommen sie aus dem Boden. Sie leben nur vier bis acht Wochen und ernähren sich von Baumsäften, bevorzugt an Eichen. Die Männchen kämpfen mit ihren langen charakteristischen Mandibeln um die Weibchen. Diese legen ihre Eier bevorzugt an alten Eichenstubben ab. „Das macht den Burgberg so besonders“, betonte Hörder und verwies auf den Verzicht der forstlichen Nutzung seit vielen Jahren. Totholz ist hier ausreichend vorhanden. Auf der Südseite oberhalb des Friedhofes haben Forstamtsmitarbeiter im Sommer 2011 eine „Hirschkäferwiege“ angelegt. Unterschiedlich lange Eichenstämme wurden in den Boden eingegraben und mit Eichenhackschnitzeln überschüttet. Daraus soll sich der Mulm bilden, der für die Entwicklung der Hirschkäferlarven so wichtig ist.

Zu den Teilnehmern der Exkursion zählte auch Eberhard Engelbach, ehemaliger Revierförster und Insektenfachmann. Seine Käfer-Exponate waren bei einer zweiwöchigen Ausstellung zum Hirschkäfer in der Battenberger Sparkasse zu sehen.

Der Hirschkäfer ist in Deutschland sehr selten geworden. Die Tiere sind bis zu neun Zentimeter groß und damit die größten Käfer in Mitteleuropa. Nur die Männchen haben die gewaltigen, großen „Geweihe“, mit denen sie miteinander kämpfen. Die etwas kleineren Weibchen kann man aufgrund ihrer Größe von sechs Zentimetern trotzdem sofort als Hirschkäfer, wissenschaftlich Lucanus cervus, erkennen.

Mit den „Geweihen“, den rund drei Zentimetern langen Oberkiefern, nehmen die Männchen keine Nahrung auf. Nur bei Rivalenkämpfen und zum Festhalten der Weibchen während der Paarung werden sie gebraucht.

Die Hirschkäfer schwärmen von Mitte Juni bis Ende Juli an lauen Abenden mit lautem Brummen in Laubwäldern.Sie lieben besonders alte Eichen. Männchen und Weibchen brauchen für die Reifung ihrer Keimzellen Baumsaft, der bestimmte Pilze enthält. Den finden sie an Wundstellen eines Baumes, der durch Frostrisse, Windbruch oder Blitzschlag verletzt worden ist. Der Saft aus solchen Baumwunden fließt häufig mehrere Jahre. Das Weibchen ist auch in der Lage, Wunden mit ihren kleinen, aber kräftigen Oberkiefern aufzubeißen.

Für die Aufnahme von Säften sind Unterkiefer und Unterlippe des Hirschkäfers besonders ausgebildet: Sie sehen aus wie ein gefiedertes und gegabeltes Pinselchen, das gelb ist.Zur Paarungszeit kommt es häufig zu imposanten Kämpfen zwischen zwei Männchen. Einer der Käfer wird vom Ast gestoßen. Der Sieger sucht danach das Weibchen an der Leckstelle auf.

Das Weibchen gräbt sich nach der Begattung 30 bis 50 Zentimeter tief in die Erde ein, um im Laufe von zwei Wochen 50 bis 100 weißlich gelbe Eier außen an morsche Wurzelstöcke, vor allem von Eichen, zu legen. Nach etwa 14 Tagen schlüpfen die Larven. Sie häuten sich zweimal und erreichen schließlich eine Länge von zehn bis zwölf Zentimetern.

Die Larven ernähren sich von morschem, feuchtem und verpilztem Holz, das sie mit der Zeit zu Mulm abbauen. Nach fünf, manchmal auch erst nach sechs oder acht Jahren bauen sich die Larven in 15 bis 20 Zentimeter Tiefe eine Puppenwiege aus Erde und Mulm. Etwa sechs Wochen nach der Verpuppung schlüpfen die Käfer, bleiben aber den Winter über im Boden. Erst im Frühjahr graben sie sich nach oben durch und leben dort nur wenige Wochen.

von Frank Seumer

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