Interview: Vorsitzender des Freundeskreises Battenberg, über Suchtkrankenhilfe

Bietet Hilfe für Suchtkranke an: Bertold Drechsel, Vorsitzender des Freundeskreises Battenberg. Foto: Hoffmeister

Battenberg. Der Freundeskreis Battenberg, Verein für Suchtkrankenhilfe, blickt auf sein 40-jähriges Bestehen zurück.

Über die Arbeit des Freundeskreises sprach HNA-Redakteur Thomas Hoffmeister – stellvertretend für das gesamte Team – mit dem Vorsitzenden Bertold Drechsel.

Herr Drechsel, was sind die Aufgaben und Angebote des Freundeskreises? 

Bertold Drechsel: Betroffene und Angehörige finden bei uns praktische und zwischenmenschliche Hilfe bei ihrem Weg, mit der Sucht zu leben. Das geschieht über individuelle Beratung, Betreuung sowie im Rahmen von Informationsgruppen. Gefestigte, abstinent lebende Vereinsmitglieder setzen nach einer Ausbildung zum Suchtkrankenhelfer ihre Erfahrung ein – beispielsweise in Einzelgesprächen, in der Leitung von Gruppen oder bei Informationsveranstaltungen. Bei allen Hilfsangeboten sind Schweigepflicht und Vertraulichkeit oberstes Gebot.

Bei dem Wort „Sucht“ denken viele zunächst an Alkohol-Abhängigkeit. Welche Bereiche umfasst die Arbeit des Freundeskreises sonst noch? 

Drechsel:  Das Hauptaugenmerk unser Arbeit liegt im Bereich der Alkoholproblematik. Wir hatten aber auch schon Personen mit Spielsucht und illegalen Drogen. Grundsätzlich sind wir für alle Süchte offen.

Kommen suchtkranke Männer und Frauen freiwillig zu Ihnen, oder werden sie zugewiesen? 

Drechsel:  In etwa 80 bis 90 Prozent kommen Betroffene auf Drängen der Familie oder des Arbeitgebers. Eine große Gruppe stellen auch Personen, die nach einer alkoholisierten Fahrt im Auto ihren Führerschein verloren haben und eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) benötigen, um ihre Fahrerlaubnis zurückzubekommen. Diese Personen müssen über Haar- oder Urinproben nachweisen, dass sie über mehrere Monate alkoholfrei sind. Die aktive Teilnahme an Angeboten eines Vereins für Suchtkrankenhilfe kann Voraussetzung für eine MPU sein und wirkt sich dabei positiv aus.

Stimmt es, dass ein alkoholabhängiger Mensch nie wieder einen Tropfen Alkohol trinken darf? 

Drechsel:  Es gibt kein Mittel gegen die Sucht – keine Tabletten und keine Operation. Ich kann meine Sucht nur in den Griff kriegen, wenn ich danach lebe. Man muss sehr diszipliniert mit dieser Krankheit leben und die Finger vom Alkohol lassen.

Was ist die wichtigste Voraussetzung, um eine Sucht zu überwinden? 

Drechsel:  Ich muss vor mir selbst eingestehen, dass ich ein Suchtproblem habe. Dann muss ich mich an die vielseitigen Ratschläge von Fachleuten halten und mit absoluter Konsequenz abstinent bleiben – sonst fahre ich das Ding gegen die Wand.

Ab welcher Menge definieren sie regelmäßigen Alkoholkonsum als Sucht? 

Drechsel:  Ist das eine oder andere Feierabendbier gefährlich? Da gehen die Meinungen auseinander. Die Reaktion darauf ist individuell unterschiedlich. Gefährlich wird es, wenn man nach der gewohnten Menge Alkohol giert, wenn aus zwei Flaschen drei, vier oder mehr werden, wenn man nicht mehr auf Alkohol verzichten kann. Das ist oft ein schleichender Prozess, der über Jahre geht.

Was Bertold Drechsel über die Rückfallquote bei Alkoholikern und das Suchtverhalten der Menschen in den vergangenen 40 Jahren sagt, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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