Interview

Karl-Friedrich Frese will in Bromskirchen ehrenamtlich Bürgermeister bleiben

Hier wäre auch im Ehrenamt sein Arbeitsplatz als Bürgermeister: Karl-Friedrich Frese an seinem Schreibtisch in der Gemeindeverwaltung von Bromskirchen. Foto:  Skupio

Bromskirchen. „Es gäbe genügend Gründe, nach 24 Jahren Schluss zu machen“, sagt Bromskirchens Bürgermeister Karl-Friedrich Frese. Trotzdem will der 56-Jährige weitermachen: Am 3. Juli stellt er sich zur Wahl – dann als ehrenamtlicher statt hauptamtlicher Bürgermeister.

Den gibt es bisher erst ein Mal in Hessen: in Weißenborn im Werra-Meißner-Kreis.

Warum Frese Bürgermeister bleiben möchte, ja fast schon bleiben muss, darüber spricht er im Interview mit der HNA.

Herr Frese, wie kam es überhaupt zu der Idee für einen ehrenamtlichen Bürgermeister? 

Karl-Friedrich Frese: Die Zusammenarbeit in der Verwaltungsgemeinschaft mit Allendorf funktioniert gut. Wenn wir weitere Verwaltungsbereiche zusammenlegen, ist der zweite Bürgermeister irgendwo im Weg. Zwei Drittel meines Jobs bestehen aus Verwaltungsangelegenheiten. Wenn ich hauptamtlicher Bürgermeister bliebe, müsste ich Aufgaben im Hoheitsgebiet der Gemeinde Allendorf erledigen, das funktioniert nicht.

Spielen auch die Kosten eine Rolle? 

Frese: Natürlich haben wir auch die Aufwandsseite betrachtet und uns gefragt: Ist es heute noch richtig, dass sich 7500 Einwohner in Bromskirchen und Allendorf zwei hauptamtliche Bürgermeister leisten? In Korbach macht das einer für 25 000 Einwohner. Und: Wenn jetzt ein neuer Hauptamtlicher in Bromskirchen gewählt würde, würde der einige Jahre bleiben wollen, um sich seine Altervorsorge aufzubauen und sich zu etablieren. Das würde die Entwicklung des Zusammenwachsens von Allendorf und Bromskirchen mutmaßlich behindern.

Sehen Sie keine Nachteile eines ehrenamtlichen Bürgermeisters? Bei einer Umfrage der HNA hatten viele Ihrer Kollegen Kritik an der Entscheidung des Landtags geäußert, ehrenamtliche Bürgermeister für Kommunen unter 5000 Einwohnern zu erlauben. 

Frese: Ich kann das verstehen: Wenn ein Bürgermeister erst wenige Jahre im Amt ist, geht es auch um Dinge wie die persönliche Altersversorgung. Und es kommt auf die Strukturen vor Ort an. Bromskirchen hat drei Ortsteile, mein Kollege Rudolf Backhaus in Haina hat zwölf, da wäre ein Ehrenamtlicher nicht so einfach. Trotzdem haben viele Kollegen Verständnis für unsere Entscheidung, weil sie erkennen, dass wir alle viel mehr interkommunal zusammenarbeiten müssen. Das hat sich nur vor der Kommunalwahl kaum einer getraut zu sagen. Dass Kollegen glauben, das Amt werde abgewertet, glaube ich nicht. Als ehrenamtlicher Bürgermeister kann ich es genauso gewissenhaft und verantwortungsvoll ausüben.

Die Abstimmung im Bromskircher Gemeindeparlament für einen ehrenamtlichen Bürgermeister war einstimmig. Gab es keine Bedenken? 

Frese: Es gab natürlich auch die Ungewissheit, wer kommt denn dann als ehrenamtlicher Bürgermeister? Das wurde in den Fraktionen und Ausschüssen der Gemeindevertretung erörtert. Dort wurde mir dann gesagt: Wenn du es machst, sind wir sicher, dass es geordnet weitergeht. Ich habe mich dann entschieden, im Sinne der Sache weiterzumachen. Als hauptamtlicher Bürgermeister hätte ich nicht mehr zur Verfügung gestanden.

Was meinen Sie mit dem Sinn der Sache? 

Frese: Es liegt mir am Herzen, die Gemeinde und nun auch die Verwaltungsgemeinschaft weiterzuentwickeln. Wenn das nicht der Fall wäre, wäre ich hier 24 Jahre lang Fehl am Platze gewesen. Einen Großteil der Verwaltungsgemeinschaft habe ich mit Claus Junghenn aufgebaut, vieles fußt auf unserem Vertrauens- und Freundschaftsverhältnis.

 

Ob es in den 24 Jahren als hauptamtlicher Bromskirchener Bürgermeister nicht auch Gründe gab, aufzuhören und ob der Job des Ersten Kreisbeigeordneten in der großen Kreis-Koalition nichts für ihn wäre, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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