Interview: Warum das Trachtentänzer-Hobby moderner ist als sein Ruf

Im Gleichschritt: Teresa Arnold (links) mit einem Tanzkreis der Trachtengruppe Laisa beim Volkstanzturnier der Hessischen Landjugend 2012 in Reddighausen. Die 18-Jährige ist seit zwei Jahren Tanzleiterin der Gruppe. Archivfoto: zpd

Laisa/Geismar. Teresa Arnold tanzt, seit sie drei ist, Thorsten Kahler mit 37 immer noch. „Ich bin mit dem Volkstanz aufgewachsen“, sagt die 18-Jährige aus Laisa.

Und der Ellershäuser Thorsten Kahler, den in Volkstanzkreisen die meisten nur als „Otto“ kennen, findet, dass es überall „Volkstänzer“ gebe, nur die Formen seien andere. Wie er das meint, verrät er uns in diesem Doppel-Interview.

Teresa, warum macht eine 18-Jährige Volkstanz?

Teresa Arnold: Ich bin mit dem Volkstanz aufgewachsen, ich tanze, seit ich drei bin. Das Tanzen in der Gruppe macht mir einfach Spaß und es hält fit. Außerdem trifft man bei jeder Übungsstunde die Freunde aus dem Dorf, und es ist ein guter Ausgleich zur Schule.

Und dass Sie eine Tracht tragen, macht Ihnen nichts aus?

Arnold: Nein. Und ich trage sie ja auch nicht immer. Nur bei Auftritten der Trachtengruppe oder besonderen Anlässen wie dem Rückersfest in Laisa.

Keine Angst, dass Gleichaltrige lästern? Wissen Ihre Schulfreunde überhaupt, dass Sie eine Trachtentänzerin sind?

Arnold: Vorm Lästern habe ich keine Angst. Jeder hat sein Hobby, was ihm Spaß macht – egal ob Volkstanz oder etwas anderes. Außerdem kann man in der Tanzgruppe immer wieder lernen, was Zusammenhalt bedeutet, und sein Selbstbewusstsein und Verantwortungsbewusstsein – gerade durch Vorstandsarbeit – stärken. Natürlich wissen meine Schulfreunde, dass ich Volkstanz mache, und es stört sie nicht. Sie finden, dass es mal etwas anderes ist. Einige meiner Freunde tanzen selbst in einer Trachtengruppe.

Ihre Trachtengruppe hat gerade ihren 40. Geburtstag gefeiert. Welchen Stellenwert hat Volkstanz in Laisa?

Arnold: Der Volkstanz spielt eine wichtige Rolle in unserem Dorf. Viele Laisaer tanzen oder haben in der Trachtengruppe getanzt. Die Trachtengruppe ist ein Aushängeschild für Laisa, weil wir durch unsere Auftritte, weit über die Kreisgrenze hin, bekannt sind.

Herr Kahler, die Landjugend Geismar wird dieses Jahr schon 65. Wieso hat sich der Volkstanz dort so lange gehalten?

Thorsten Kahler: Weil sich hier Jugendliche für Jugendliche einsetzen. Volkstanz gehört seit den frühen 50ern zum Programm der Gruppe und ist recht schnell zu einem Teil der Gruppenidentität geworden. Die Beständigkeit des Volkstanzes könnte man also vielleicht eher als Nebeneffekt sehen.

Und wie lange wird er in Geismar noch bestehen?

Kahler: Da Volkstanz inzwischen so elementar in der Landjugend Geismar ist, wird er sich sicher auch so lange halten wie die Gruppe. Und für die kann ich derzeit keine Probleme erkennen, da ein rascher Generationenwechsel und eine dementsprechende ständige Erneuerung und Anpassung eine wichtige Tradition in der Gruppe sind.

Wie sieht das in Laisa aus?

Arnold: Ich hoffe natürlich, dass auch bei uns noch lange getanzt wird. Aber durch die Kindertanzgruppe des Heimatvereins sehe ich keine Nachwuchsprobleme. Und spätestens beim Rückersfest ziehen wieder alle Laisaer ihre Tracht an und die Burschenschaft tanzt den Webetanz.

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Quelle: HNA

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