Frankenberger: Jochen Lehnert nutzt Weihnachtsfest zum Schreiben ironischer Lieder

Mit Ironie gegen den Weihnachtsalltag

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- Frankenberg (gl). Wenn Glöckchen bimmeln und Streicher ertönen, dann folgt meist ein Weihnachtslied. Wenn darin aber Tausende Gänse ihrem nahen Ende entgegensehen, dann war Jochen Lehnert der Songwriter.

Jochen Lehnert lehnt sich zurück in seinen Sessel, schaut in den verregneten Garten und schmunzelt. „Die Gänse sind ja die Leidtragenden des Festes“, sagt der Frankenberger Musiker. Den Tieren hat er ein Lied gewidmet, das pünktlich – oder vielleicht sogar ein wenig zu spät – zum Fest erschienen ist. „100 000 Gänse“ heißt der Titel, hinter dem Künstlernamen „Tom Santa“ verstecken sich Lehnert als Komponist und sein Kollege Thomas Bleeser als Sänger, abgemischt hat die Maxi Matthias Godzik.

„Das Ganze ist irgendwie ein pubertärer Spaß“, sagt Lehnert. Die Idee dazu, Weihnachtslieder mit ironischem Text zu versehen, ist nicht neu. Angefangen hatte alles vor einigen Jahren. Für eine norddeutsche Firma sollte er Weihnachtslieder komponieren. Den Text gab es schon, die Musik sollte Lehnert liefern. „Ein Stück haben sie dann genommen“, die übrigen Titel seien ihm geblieben. Lehnert, der auch hauptberuflich einige Jahre als Komponist tätig war, wollte schließlich in diesem Jahr irgendwas mit der Musik anfangen. Weihnachten, das war vorgegeben, denn „wenn man den Text weglässt, dann wären das richtig schöne Weihnachtslieder“. Also mussten ein paar Strophen her, „aber Weihnachtslieder gibt es schließlich Hunderte“, wie Lehnert sagt.

So machte er sich daran, Heiligabend auf die Schippe zu nehmen. „Am Ende ist es eine parodistische Verarbeitung des Weihnachtsfestes geworden“, sagt der Musiker. Die 100 000 Gänse, die ihrem Schicksal entgegengehen, sind nur eine der Ideen, die Lehnert musikalisch umgesetzt hat. Mit „Glatteis“ hat der Frankenberger zudem eine ironische Antwort auf Chris Reas „Driving Home for Christmas“ geschaffen – das Wetter erlaubt es schließlich manchmal eben nicht, einfach über Weihnachten nach Hause zu fahren, um die liebe Familie zu besuchen. Er selber ist dabei nicht einmal ein Weihnachtshasser, feiert das Fest ganz idyllisch daheim im Kreise der Familie.

Der Baum hat echte Kerzen, keine Elektrolichter, und es wird ein Dutzend mal kontrolliert, ob das Tännchen auch wirklich gerade steht – geschmückt wird er von Lehnerts Mutter. „Meine Inspiration waren South Park und die Happy Tree Friends“, sagt der Komponist, der auch schon Stücke für „Rock meets Classic“ an der Edertalschule arrangiert hat. Wer die beiden nicht ganz jugendfreien Comicserien kennt, mag ahnen, dass die Texte der Weihnachtslieder von einem relativ derben Humor geprägt sind. Vielleicht sind „100 000 Gänse“ und „Glatteis“ so genau das Richtige, um nach fünf Wochen „Last Christmas“ nicht den Verstand zu verlieren. Zu erstehen sind sie online, etwa bei Amazon.

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