Allendorf (Eder)

100 Jahre Balzer: Vom einfachen Baustofflager zu modernen Ausstellungen an mehreren Standorten

- Allendorf (Eder) (jos). 100 Jahre Balzer in Allendorf: Das wird am letzten August-Wochenende mit einem Festakt für geladene Gäste und einer zweitägigen Hausmesse gebührend gefeiert. Zum Jubiläum erscheint auch eine Chronik, in die WLZ-FZ vorab schon einen Blick werfen.

Den Grundstein zu dem heute weitverzweigten Unternehmen legte bereits vor fast 120 Jahren der damals jugendliche Christian Balzer, als er in das damals noch kleine Bauwarengeschäft seiner Mutter im Biedenkopfer Stadtteil Wallau eingetreten ist. Die Allendorfer Balzer-Niederlassung wurde im Jahr 1909 gegründet und noch im gleichen Jahr in eine GmbH umgewandelt. Das Angebot beschränkte sich anfänglich auf Kohlen, Zement, Kalk, Eisen und Holz. Die Artikel wurden gelagert in einem Holzfachwerkschuppen auf dem Bahngelände.

Im Nachbarhaus zog Adolf Nassauer ein, der die Gründung des Unternehmens in Allendorf vorbereitet hatte und zunächst die Geschicke der jungen Firma leitete. So schildert es Carl Laute in seinen vermutlich 1941 niedergeschriebenen Erinnerungen. Laute selber war ab 1910 – nach seiner Rückkehr vom Militärdienst – geschäftsführender Gesellschafter bei Balzer in Allendorf. Vorher war er bereits in Wallau für die Firma Balzer tätig gewesen.

Geschäftsführer von Carl Laute bis Erich Dauber

Bis zu seinem Tod am 15. Januar 1954 leistete Carl Laute als Firmenchef in Allendorf die entscheidende Aufbauarbeit, die unter anderem im Jahr 1952 in einer Verdiensturkunde der Gemeinde gewürdigt wurde. In den folgenden Jahren bis 1976 schrieb sein Sohn Wilhelm Laute die Erfolgsgeschichte der Firma Balzer fort. Wilhelm Laute verstarb völlig überraschend im Februar 1976 – im Alter von nur 56 Jahren. Sein Schwager Dr. Dr. Hans Viessmann wurde mit Fritz Baum für einige Jahre Geschäftsführer. 1984 kamen Dr. Martin Viessmann und Dr. Eckhardt Regensburger dazu, Erich Dauber wurde zum Stellvertreter bestellt. Viessmann und Regensburger leiteten die Firma, bis Erich Dauber im Jahr 1989 ordentlicher Geschäftsführer wurde.

Der erste Teil der Chronik zum Balzer-Jubiläum besteht aus den Aufzeichnungen von Carl Laute. Auf mehr als 50 Seiten erfährt der Leser interessante Details über die Gründungsjahre und die Arbeit im Haus Balzer. Zahlreiche historische Aufnahmen illustrieren die Texte. Laute beschreibt unter anderem, wie die Firma Balzer in den ersten Jahren in Allendorf auf die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung eingegangen ist und Öfen sowie „landwirtschaftliche Bedarfsartikel“ in den Bestand aufgenommen hat.

Der Erste Weltkrieg bereitete dem Aufstreben ein plötzliches Ende. Doch kaum war der Krieg vorbei, begann das Unternehmen 1919 mit dem Bau eines neuen Kontors. Weil die Materialbeschaffung schwierig war, zogen sich die Bauarbeiten über zwei Jahre hin. Die „schauerliche Inflation“ prägte das Geschäft in den folgenden Jahren. „Die zum Teil sehr verwahrlosten Wohn- und Ökonomiegebäude zeigten sich als sehr dankbare Anlageobjekte“, schildert Laute. In Hallenberg und in Hatzfeld errichtete Balzer Auslieferungslager. Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs standen die Zeichen bei Balzer weiter auf Wachstum: 1937 wurde von der Stadt Frankenberg die Ziegelei gekauft, in Allendorf wurde das Kontor vergrößert und in Frankenberg entstand ein neues Lager direkt am Bahnhof. Das Verkaufsgebiet hatte sich stark vergrößert: „Vier Lastwagen waren ständig unterwegs, um die Kundschaft bis zu einem Radius von 70 Kilometern zu bedienen“, schildert Laute.

Hessens größter Händler von „Eicher“-Traktoren

Unter dem Titel „Die Erfolgsgeschichte ab 1942“ beschreibt Erich Dauber in der Balzer-Chronik die Entwicklung des Unternehmens bis heute. Wenige Monate nach Kriegsende waren die Zeiten der größten Not bei der Firma Balzer vorbei. Das Sortiment begann stetig zu wachsen.

Im Zuge des Wiederaufbaus stieg die Nachfrage nach Baustoffen, weshalb Balzer 1948 damit begann, Schwerbetonsteine herzustellen. Auch die Landwirtschaft kam wieder in Schwung – Balzer wurde zu Hessens größtem Händler von „Eicher“-Traktoren. 1953 baute die Firma eine große Ausstellungshalle für Landmaschinen, in manchen Wochen wurden 10 bis 15 Schlepper verkauft. Zu einem wichtigen Standbein entwickelte sich der Vertrieb von Flüssiggas.

Eng mit dem Aufwärtstrend bei Herden und Öfen, Flüssiggas und der ebenfalls neuen Fliesenabteilung verbunden war die Entwicklung auf dem Sektor Heizung und Sanitär. 1959 eröffnete die entsprechende Abteilung unter der Leitung des späteren Geschäftsführers Erich Dauber.

Der Bauboom sorgte dafür, dass die Firma bald auf solidem Boden stand. Der Umsatz stieg von knapp einer halben Million Mark 1945 auf mehr als zehn Millionen Mark 1960 und mehr als 20 Millionen 1966. Von einem Geschäftszweig trennte sich das Unternehmen allerdings: Die Ziegelei in Frankenberg verkaufte Balzer 1962 an die Firma August Bötzel.

Im Mai 1964 nahm die Firma Balzer den ersten Gabelstapler in Betrieb. Diese Anschaffung markiert eine Entwicklung: Denn Expandieren und dafür investieren war die Devise. Eisen- und Baustoffhallen mit Krananlage entstanden 1972. Ein Jahr später folgte der Büro-Neubau mit integriertem Sanitär- und Heizungslager. Fünf Millionen Mark investierte Balzer 1978 in eine Ausstellung mit Bädern und Küchen – in dieser Dimension damals einzigartig in Nordhessen. Ein weiteres Jahr später eröffnete Balzer in Frankenberg einen neuen Fachmarkt in der Röddenauer Straße und eine große Baustoffhalle in der Siegener Straße. Im Jahr des 75-jährigen Bestehens 1984 nannte die Statistik 120 bis 130 Mitarbeiter sowie 15 Auszubildende.

Unter Geschäftsführer Erich Dauber spielte die Ausbildung junger Leute eine immer wichtigere Rolle. Das wurde auch auf „höchster Ebene“ belohnt: Der damalige Bundespräsident Prof. Dr. Karl Carstens würdigte im Juni 1984 die „beispielhaften Leistungen in der Berufsausbildung junger Menschen“ und sprach der Firma Balzer mit einer Urkunde besondere Anerkennung aus.

Stetige Investitionen in alle Firmenstandorte

In den zurückliegenden Jahrzehnten folgten weit reichende Investitionen: 1985 wurde die Gas-Abfüllstation und 1990 die Allendorfer Ausstellung erweitert, 1986 investierte das Unternehmen in Büroräume und Fachmarkt der Niederlassung in Hallenberg.

Die größten Investitionen fallen in das Jahr 1996: Die Büros des Baustoffhandels wurden im renovierten ehemaligen Bahnhof von Allendorf untergebracht. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand eine tausend Quadratmeter große Fliesenhalle. Das Gaslager wurde erweitert und die Sanitärabteilung wuchs auf fast das Doppelte an Fläche, die Küchenausstellung wurde eingegliedert. In Hallenberg entstand 1998 eine neue Baustoffhalle, 1999 wurde der dortige Fachmarkt erweitert.

Im Jahr 2003 fusionierte Balzer mit der Firma Möscheid, deren Hauptsitz Rosenthal ist. Nunmehr waren in Frankenberg drei Lager vorhanden: Eines von Möscheid und zwei von Balzer. Aus den drei Betriebsstätten wurde eine neue gebildet: 2005 wurde der Neubau in der Siegener Straße seiner Bestimmung übergeben. Seit Erich Dauber im Jahr 2003 in den Ruhestand getreten ist, sind Stefan Dauber und Michael Lay die Geschäftsführer der Firma Balzer.

Einen Bericht über die Firma Balzer im Jubiläumsjahr 2009 lesen Sie demnächst auf dieser Internetseite.

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