60 Jahre Bundeswehr in Deutschland – seit 1962 in Frankenberg

Von der Bevölkerung freundlich begrüßt: Auf dem historischen Obermarkt erfolgte am 18. Juli 1962 mit einem feierlichen Appell die offizielle Übergabe der neuen Burgwaldkaserne an die Soldaten des Raketenartilleriebataillons 22 und des Fernmeldebataillons 320. Frankenberg präsentierte sich nun stolz als Garnisonstadt. Foto: Sammlung Völker

Frankenberg. Kaum ein politisches Ereignis hat die Entwicklung der Stadt Frankenberg in den Nachkriegsjahren so nachhaltig geprägt, wie die vor 60 Jahren vom „Amt Blank“ eingeleitete Schaffung einer „bundesdeutschen Wehrmacht“.

Als schon zwei Jahre später Pioniereinheiten in Frankenberg/Eder begannen, der Wehrbereichsverwaltung IV ein militärisches Gutachten für eine dort anzusiedelnde Garnison der neuen „Bundeswehr“ zu erarbeiten, verhielt man sich im Ederstädtchen sehr zurückhaltend. Andere Städte hatten sich regelrecht darum beworben, Garnisonstadt zu werden.

In einer nichtöffentlichen Sitzung informierte Bürgermeister Wilhelm Falkenstein die Stadtverordneten im März 1957 über Pläne, in Frankenberg eine Kaserne zu bauen. Als das Gelände am „Vogelhaus“ dann erstmals öffentlich diskutiert wurde, signalisierte Falkenstein ganz deutlich, dass sich Stadt an den Kosten für die dorthin zu verlegenden Wasser-, Strom- und Kanalleitungen „in keiner Weise“ beteiligen könne, „auch nicht durch ein Darlehen“. Auch die Mehrkosten für drei zusätzliche Schulklassen am Hinstürz und die geplante zentrale Kläranlage sei nur mit erheblichen Zuschüssen des Staates möglich.

Während sich die Sprecher von CDU, FDP, Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) sowie Freier Bürgerliste deutlich für die Errichtung einer Garnison aussprachen, äußerte SPD-Fraktionssprecher Walter Larisch große Bedenken. Der Beschluss wurde bei fünf Gegenstimmen der SPD und einer BHE-Enthaltung schließlich doch gefasst.

Am 6. Juli 1959 stimmte auch die Hessische Landesregierung dem Bau einer Garnison in Frankenberg für ein Artillerie- und ein Fernmelde-Nah-Aufklärungs-Bataillon mit einer Gesamtstärke von 1024 Mann zu. Am 1. September 1959 erfolgte der erste Spatenstich für den mit 20 Millionen DM veranschlagten Kasernenkomplex, im November 1960 war Richtfest für das Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude und im Juni 1961 für die Truppenunterkünfte, das Sanitätshaus, Waschhaus und das Heizzentrum.

Alle Schwierigkeiten beim Start waren vergessen, als am 18. Juli 1962 das Artilleriebataillon 22 und das Fernmeldebataillon 320 feierlich in die neue Burgwaldkasernenanlage einzogen. Nach intensiven politischen Diskussionen in der Bundesrepublik über eine Wiederbewaffnung nach dem Krieg wurden die „Bürger in Uniform“ von der Frankenberger Bevölkerung freundlich begrüßt - die Errichtung der Truppenunterkunft und der Bau von 174 Wohnungen am Hinstürz, die Erweiterungen von Schulen und Infrastruktur sorgten in der Garnisonstadt für einen wirtschaftlichen Boom. „Wir stießen seitens der Stadt auf große Aufgeschlossenheit, Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Unterstützung“, schrieb der 2013 verstorbene erste Standortkommandeur, Oberst a. D. Günter Miosga. 

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Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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