40 Jahre Landkreis Waldeck-Frankenberg: Vernunftehe statt Liebesheirat

Waldecker Stern und Frankenberger Löwe: Sie verschmolzen vor 40 Jahren im gemeinsamen Wappen des Großkreises Waldeck-Frankenberg. Die Verwaltungen wurden in den beiden ehemaligen Kreisstädten gestärkt durch einen Neubau in Korbach (oben rechts) und eine Renovierung der Verwaltungsaußenstelle im Kloster St. Georgenberg in Frankenberg (unten links). Fotos:  Völker

Waldeck-Frankenberg. Als die Silvesterglocken vor 40 Jahren verklungen waren, hatten sie zwar nicht gerade eine Liebesheirat, wohl aber eine Vernunftehe eingeläutet: Am 1. Januar 1974 wurde im Zuge der hessischen Gebietsreform durch Gesetz aus zwei bis dahin selbstständigen Kreisen der neue Landkreis Waldeck-Frankenberg mit 13 Städten und neun Gemeinden gebildet.

Er hieß nicht „Ederkreis“, wie von der Landesregierung vorgeschlagen, und auch nicht „Waldeck“, wie von den Waldeckern gewünscht. Selbst der Doppelname als Kompromiss war schon ein Zeichen von Vernunft.

Geschichtlich gab es viel Trennendes, was die Frankenberger und Waldecker im erbittert umkämpften Grenzland zwischen Franken und Sachsen über Jahrhunderte hinweg belastet hatte. Auch in Kultur und Brauchtum wiesen sie alte Unterschiede auf, verläuft doch genau zwischen den beiden Altkreisen im Orketal mundartlich die „ik“- und „ich“-Grenze, die den niederdeutschen, waldeckischen und den mitteldeutschen, hessischen Teil deutlich unterschied.

Zudem hatte der größere Landkreis Waldeck als eigenes Fürstentum mit Bad Arolsen und ehemals deutscher Freistaat im Deutschen Reich bis 1929 seine eigene Traditionsgeschichte, während im Südkreis durch die Eingliederung des Amtes Battenberg 1932 Teile von Hessen-Darmstadt in gewachsene Hessen-Kasseler Strukturen eingegliedert wurden.

Im Gesamtkonzept der hessischen Landesregierung, die seit 1970 kleine, kaum noch eigenständig führbare Gemeinden zu größeren Verwaltungseinheiten zusammenfassen wollte, spielten solche regionalen Gegebenheiten kaum eine Rolle. Aus 2700 hessischen Gemeinden, 39 Landkreisen und neun kreisfreien Städten sollten nach der Gebietsreform 427 Gemeinden, 21 Landkreise und fünf kreisfreie Städte entstehen.

„Der Vorschlag des hessischen Innenministeriums vom November 1972, die Landkreise Waldeck und Frankenberg zu einem neuen Landkreis mit dem Namen Ederkreis zusammenzuschließen, überraschte die verantwortlichen Kreispolitiker nicht“, erinnerte sich der spätere Landrat Dr. Dr. Horst Bökemeier (1989-1997). Schon 1971 hätten die Kreistage beider Landkreise positive Signale für dieses „Zweckbündnis“ gegeben, sogar bereits 1963 habe sich zwischen ihnen eine Zusammenarbeit in der hessischen Planungsregion II angebahnt.

Und so stellte aus Sicht des hessischen Innenministeriums im Gesetzentwurf vom 7. Mai 1973 der neue Großkreis „eine in sich geschlossene landschaftliche Einheit“ mit wesentlichen wirtschaftlichen Verbindungen und industriellen Schwerpunkten sowie günstig verteilten Mittelzentren Arolsen, Bad Wildungen, Frankenberg und Korbach dar.

Als äußeres Zeichen des neuen Großkreises schmolzen der Waldecker Stern und der Frankenberger oder hessische Löwe zum neuen Wappen zusammen, aus WA oder FKB wurde das neue Kfz-Kennzeichen KB wie Korbach - doch das wird nun wieder rückgängig gemacht. Bröckelt hier nach 40 Jahren vielleicht die Vernunftehe?

Eine Sonderseite zur Fusion der beiden Kreise vor 40 Jahren lesen Sie in der gedruckten HNA vom 2. Januar in Waldeck und Frankenberg.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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