Über das Geheimnis des Briefmarkensammelns

40 Jahre Philatelistenverein Frankenberg

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Beliebtes Sammlerstück: Als 2009 zum Jubiläum "500 Jahre Rathaus Frankenberg" eine 45-Cent-Sondermarke erschien, bekamen die Frankenberger Philatelisten Anfragen aus ganz Deutschland. Klaus Kästner lobt heute noch ihre ansprechende grafische Gestaltung.

Frankenberg. Auch wenn die Zahl der jungen Sammler zurück gegangen ist, hat der 40 Jahre alte Philatelistenverein Frankenberg seinen festen Platz im Leben der Stadt Frankenberg.

Mehrfach warben die Philatelisten mit Ausstellungen, Großtauschtagen, Sonderpostämtern, Sonderstempeln, Schmuckumschlägen, Postkarten und Ganzsachen für ihre Heimatstadt Frankenberg, beispielsweise beim Hessentag 1989 oder beim Rathausjubiläum 2009. Aber die neuen Medien haben die Sammler auch vor neue Probleme gestellt. Wir sprachen darüber mit dem Vorsitzenden Klaus Kästner.

Herr Kästner, wie wird man eigentlich Briefmarkensammler? Können Sie sich noch an Ihre eigene Geschichte erinnern?

Kästner: Ja es begann alles mit einer geheimnisvollen, schwarzen Schatulle, die ich als Sechsjähriger geschenkt bekam. Mein Großvater hatte sie hinterlassen, und ich fand darin Talerstücke Kaiser Wilhelms sowie ein Büchlein mit Briefmarken. Die bunten Bildchen haben mich fasziniert, und sobald ich lesen konnte, fragte ich nach ihrer Bedeutung: "Brazil", "Argentina" oder "Chile" wo kamen die her? Ich begann Atlanten zu wälzen, studierte auf der Karte Südamerika, und es erschlossen sich mir plötzlich ganz neue Welten, geografische Hintergründe und später auch Geschichte.

Das war Ihre Kindheit vor mehr als 60 Jahren ist das Sammeln von kleinen Papierbriefmarken aber in einer Welt voller digitaler Kommunikationsmedien wie E-Mail, SMS und iMessage überhaupt noch ein zeitgemäßes Hobby?

Kästner: Für Leute, die erst einmal generell Spaß am Sammeln haben, unbedingt ja. Und dabei können die heutigen Kommunikationsmittel sogar eine große Bereicherung sein. Wir haben seit unserer Vereinsgründung immer wieder junge Menschen angesprochen, um ihnen den Blick auf dieses Hobby zu eröffnen. Sehr erfolgreich war beispielsweise ein Projekt mit Schülern der Ortenbergschule.

Wie groß ist das Interesse an der Philatelie im Frankenberger Land? Gibt es noch den klassischen Alles-Sammler oder auch hier immer mehr Spezialisten?

Kästner: Soweit ich das überblicken kann, gibt es hier in Nordhessen immer noch einen sehr großen Sammlerkreis. Viele Philatelisten haben sich auf spezielle Sammelgebiete konzentriert, aber es gibt auch immer noch den "Alles-Sammler", sofern er über die entsprechenden Räumlichkeiten oder genügend Platz verfügt. Dabei ist nach wie vor das geografische und geschichtliche Interesse an den Ländern weltweit ausschlaggebend. Wer kennt schon als Nicht-Sammler "Vanavatu" oder "Nagaland"?

Existieren im Bereich des Frankenberger Vereins noch ausgeprägte Motivsammlungen? Welches sind die interessantesten Einzelstücke, die Sie und ihre Briefmarkenfreunde besitzen?

Kästner: Ein Mitglied unseres Vereins, der ehemalige Frankenberger DRK-Schatzmeister Wilhelm Lange, hat eine sehr umfangreiche Rot-Kreuz-Sammlung mit mehr als 3500 Stücken zusammen getragen, darüber auch Fachbücher geschrieben und als Experte im Bund deutscher Philatelisten für Rotkreuz-Motive internationale Kontakte geknüpft. Andere Mitglieder haben sich beim Sammeln auf die Themenbereiche "Weltraumfahrt" oder "Olympia" spezialisiert. Schon lange richtet sich unser Sammlerblick auch auf interessante Einzelstücke, und zwar nicht nur Briefmarken, sondern auf ganz spezielle Ganzsachen, Umschläge mit Briefmarken und Poststempeln, beförderte Feldpostbriefe und sogar Briefe aus der Zeit, als man die Briefmarke noch nicht erfunden hatte.

Von Karl-Hermann Völker

Was Klaus Kästner von Briefmarken als "Wertanlage" und zunehmenden Fälschungen hält, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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