Vor 325 Jahren gegründet

Sie waren überaus fleißig: Der Festausschuss um Alexander van Wüllen, Thomas Buttlar und Caroline Albrecht hat daran gearbeitet, dass die Jubiläumsfeier unter der Schirmherrschaft von Landrat Dr. Reinhard Kubat und Björn Brede, Bürgermeister von Frankenau, ein voller Erfolg wird. Foto: Privat/Repro: Göbel

Das Alter von 325 Jahren ist für ein Dorf in Waldeck-Frankenberg ausgesprochen jung. Tatsächlich ist der Siedlungsplatz, auf dem Louisendorf liegt, wesentlich älter. Der Ort Hammonshausen, der früher dort lag, war aufgegeben worden, wie es vielen Orten im Spätmittelalter erging.

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PDF der Sonderseite 325 Jahre Louisendorf

Im Jahr 1687 gab der hessische Landgraf Karl die Wüstung frei, um sie mit Hugenotten zu besiedeln, die in ihrer Heimat verfolgt wurden und hier als fleißige Bauern und geschickte Handwerker den Landesherren willkommen waren.

Eine Gruppe von Siedlern, sechzehn Familien mit zusammen 118 Personen aus der Stadt Die und ihrer Umgebung, zogen 1688 von Marburg kommend in das spätere Louisendorf. Sie mussten sich mit primitiven Hütten begnügen, hatten die erste Jahre weder Kirche noch Schule vor Ort und nur sehr wenig Ackerfläche zur Verfügung. Zum Gottesdienst mussten sie nach Frankenberg gehen, was jeweils einen Fußmarsch von anderthalb Stunden für die einfache Strecke bedeutete. Da der sonntägliche Kirchbesuch verpflichtend war und im Sommerhalbjahr sogar zweimal an einem Sonntag stattfand, waren die Wochenenden für die Siedler recht anstrengend. Der erste Pfarrer, Abraham Fontaine, zog es vor, in Frankenberg wohnen zu bleiben, weil die Unterkunft dort viel komfortabler war als es in der neuen Siedlung möglich gewesen wäre.

Aber die Entwicklung des Dorfes schritt voran. Im Jahr 1692 war ein Teil der Häuser fertiggestellt. Es war eine harte Zeit, was auch daran abzulesen ist, dass im Jahr 1693 nur noch 70 Personen in der neuen Siedlung lebten. Aber diese ließen den Kopf nicht hängen und arbeiteten weiter.

Nach der Tochter des Landgrafen benannt

Im Jahr 1700 waren die Siedler soweit, auch den Bau von Kirche, Pfarrhaus und Schule in Angriff nehmen zu können. In dieses Jahr fällt auch der Antrag, die Siedlung in Louisendorf umzubenennen. Patin war Marie-Louise, die Tochter des Landgrafen. Ein Mariendorf war schon zuvor an anderer Stelle von hugenottischen Siedlern erbaut worden, deshalb wurde die zweite Hälfte des Namens verwendet.

Im Jahre 1702 waren die Kirche mit Pfarrhaus und die Schule fertiggestellt und der Pfarrer zog ein. Bei einer Inspektion im Jahr 1748 vermerkte der Inspektor die große Armut, die in Louisendorf herrschte, und bemängelte, dass die Bauern viel zu wenig Ackerflächen zur Verfügung hatten, um ihren Lebensunterhalt darauf zu verdienen.

Sprachinsel

Eine Besonderheit des Hugenottendorfes war der Erhalt der alten französischen Sprache, die, abgekapselt von der Weiterentwicklung der Sprache im französischen Mutterland, unverändert über Generationen weitergegeben wurde und die einzige gängige Kommunikationsweise im Dorf war.

Spätere Linguisten, die sich der Entwicklung des alten Französischen annahmen, konntenin Louisendorf viele wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Und selbst die ersten deutschen Siedler, die im Jahr 1780 nach Louisendorf kamen, lernten Französisch, um sich mit ihren Nachbarn verständigen zu können. Die Kirchenbücher wurden bis 1827 in französisch geführt, die Schule nahm 1850 Deutsch als zweite Sprache auf und erst im Jahr 1871, als kein Pfarrer mit französischen Sprachkenntnissen mehr gefunden wurde, wurde der Gottesdienst auf deutsch gehalten.

Natürlich stellt die hugenottische Vergangenheit Louisendorfs auch das zentrale Thema bei den Feierlichkeiten zum Jubiläum dar. Während eines Festvortrages am 2. August im Dorfgemeinschaftshaus Louisendorf informiert Gerhard Badouin, der Vorsitzende des Arbeitskreises für Hugenotten- und Waldensergeschichte Schwabendorf, in einem etwa einstündigen Referat über die Geschichte Louisendorfs.

Am 4. August gibt es die Historische Bildervorführung und Filmsequenzen in Altfranzösisch in der Kirche.

Ein stehender Festzug mit über fünfzig Ständen, Musik, Kulinarisches, eine Kilt-Ausstellung, Gesang und Tanzvorführungen sowie eine Motorsägenvorführung und vieles mehr garantieren ein vielseitiges Programm. Für Jung und Alt werden viel Abwechslung aber auch Information über die Geschichte des Hugenottendorfes geboten. (zkg)

Quelle: HNA

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