Vor 75 Jahren schuf Erhardt Klonk ein Kirchenfenster für Birkenbringhausen

Birkenbringhausen. Nur kurz gewährte Marias Arm dem Jesuskind Geborgenheit, dann folgte die Flucht vor den Mordplänen des Herodes auf dem Eselsrücken - beide Weihnachtsszenen sind Teil des kunstvollen Kirchenfensters, auf dem vor 75 Jahren Erhardt Klonk (1898-1984) im alten Chorraum der im Bau befindlichen neuen Birkenbringhäuser Kirche die Heilsbotschaft von Jesu Geburt bis zur Himmelfahrt abbildete.

Im Sommer 1934 war nach dem Abriss der alten Birkenbringhäuser Fachwerkkirche der Grundstein für den Neubau gelegt worden. Als im Herbst 1935 die Gemeinde das Richtfest feierte, bereitete Erhardt Klonk in seiner Werkstatt bereits das Glasfenster vor, das in das gotische Maßwerkfenster des Turmunterbaus eingesetzt werden sollte.

Erhardt Klonk

Der begabte Maler und Theaterkünstler war bei einem Besuch seiner Eltern in Marburg von den mittelalterlichen Fenstern der Elisabethkirche so beeindruckt, dass er als Autodidakt mit der Glasmalerei begann. Sie ließ ihn sein Leben lang nicht mehr los - er schuf in Hessen etwa 300 Kirchenfenster, auch in zwölf Orten von Waldeck-Frankenberg. Nachdem Klonk 1935 den Wettbewerb für Fenster im Marineehrenmal in Laboe gewonnen hatte, erhielt er einen Ruf an die Staatliche Kunstakademie Düsseldorf.

Der Marburger Architekt Karl Rumpf (1885-1968), der mit dem Neubau der Birkenbringhäuser Kirche beauftragt worden war und dabei vor allem die Reste romanisch/gotischer Bausubstanz sorgfältig untersucht hatte, kannte den begabten Glasmaler. „Mit Karl Rumpf hat mein Vater stets gern zusammen gearbeitet“, erinnert sich heute sein Sohn E. Jakobus Klonk (Oberrosphe), der ebenfalls als Glaskünstler mit dem Vater in Marburg von 1959 bis 1970 in gemeinsamer Werkstatt viele weitere Werke schuf. Zu dem Glasfenster mit Szenen aus dem Leben Jesu in Birkenbringhausen von 1935 sagt er: „Mein Vater war in dieser Zeit dem Expressionismus sehr nahe.“

Dennoch habe ihn die Kleinfigürlichkeit des mittelalterlichen Bilderkanons weiterhin stets fasziniert. Jakobus Klonk, Jahrgang 1932, hat zusammen mit seinem Vater allein für Kirchen und Kapellen in Waldeck-Frankenberg etwa 40 Kunstwerke aus Glas und Licht geschaffen. Im Oktober 2010 stellte er in den Räumen seiner ehemaligen Glasmalerei in Oberrosphe noch einmal sein reiches, weit über Hessen hinaus bedeutsames Kirchenfenster-Lebenswerk in Entwürfen im Maßstab 1:10 aus.

Befragt, ob denn auch solche kunstgeschichtlich wertvollen Entwürfe seines Vaters für Kirchenfenster, beispielsweise für Birkenbringhausen oder Viermünden (1934), existieren, bedauerte Jakobus Klonk: „Alle Materialien und Arbeiten von ihm sind im Zweiten Weltkrieg in der Akademie Düsseldorf in Flammen aufgegangen.“ Vater Erhardt Klonk überlebte als Soldat, hatte aber alles Hab und Gut verloren und fand bei seinen Eltern in Marburg nach 1945 eine Bleibe. Er musste sich wieder eine völlig neue Existenz schaffen

Quelle: HNA

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