Abitur - und nun?

Jetzt beginnt der Ernst des Lebens

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Studium, Ausbildung oder doch lieber Auslandsjahr? Vor diesen Fragen stehen Schulabgänger.Foto: Cigdem Celik

Frankenberg - Das Abitur in der Tasche - und was nun? Abiturienten der Edertalschule planen ihre Zukunft: Es verschlägt sie in typische Studentenstädte oder mal eben nach Afrika für ein FSJ. Manche bleiben auch in der Region.

Langsam aber sicher ist Schluss mit lustig: Für die 227 frisch gebackenen Abiturienten der Frankenberger Edertalschule sowie für Tausende weitere ehemalige Schüler fängt im Herbst ein neuer Lebensabschnitt an. Es endet ein Sommer, der mit Sicherheit vielen als „Der Sommer unseres Lebens“ in Erinnerung bleiben wird - ein Sommer, den die jungen Erwachsenen, frei vom ewigen Lernstress der vergangenen Monate, in vollen Zügen genießen konnten. Sonne, Strand, Faulenzen und Feiern nach Lust und Laune - in den letzten Wochen vor dem Semesterbeginn an den Universitäten lassen viele noch mal die Seele baumeln, bevor es heißt: Jetzt fängt der Ernst des Lebens an.

Ein neuer Lebensabschnitt

„So ein Gefühl von Freiheit wie in diesem Sommer hatte ich noch nie“, sagt Jana Engelhard, die die freien Monate hauptsächlich zum Reisen genutzt hat. „Gleichzeitig war ich aber auch gespannt, wie es weitergeht, und mir wurde so langsam dieser bevorstehende Wandel meines bisherigen Lebensabschnitts bewusst.“

Die ehemaligen Abiturienten verschlägt es in die verschiedensten Ecken. Diejenigen, die nicht in einer typischen Studentenstadt studieren werden, verlassen mal eben den Kontinent für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) auf der anderen Seite des Globus. Hauptsache erst mal weg - so lautet die Devise.

Ein Auslandsjahr ist keine schlechte Idee, angesichts der Tatsache, dass es aufgrund der letzten beiden Doppeljahrgänge unter den Schulabgängern in Hessen noch nie derart viele Abiturienten gegeben hat. Universitäten, die aus allen Nähten platzen, strengere Zulassungsvoraussetzungen und ein angespannter Wohnungsmarkt sind die Folgen.

Viele Bewerber warten ab, bis der Andrang in der Region wieder sinkt, und überbrücken die Zeit mit einem FSJ oder Auslandsjahr. Carolin Stahl aus Frankenberg verschlägt es mit der Organisation „Jugend für Christus“ nach Kapstadt in Südafrika, wo sie mit acht weiteren deutschen Mädchen gemeinnützige und missionarische Arbeit leisten wird. „Ich wollte nach meinem Abi schon immer ins Ausland gehen“, sagt sie. „Jetzt mache ich etwas mit Kindern aus einer anderen Kultur, lerne diese Kultur kennen und kann den Menschen dort in Südafrika etwas von meinem Glauben weitergeben.“ Kümmern wird sich Carolin in Südafrika vor allem um schwangere Frauen und deren Säuglinge.

Auch Tabea Depner aus Bottendorf möchte erst einmal eine soziale Herausforderung und eine Pause von der Theorie, bevor sie sich um ein Studium bemüht. Sie möchte ein Jahr lang mit behinderten Menschen von der Frankenberger Lebenshilfe zusammenarbeiten.

Während einige nach der Schulzeit ein Jahr Auszeit brauchen, tauchen viele gleich in das Studentenleben ein: Der Frankenberger Lukas Cronester wird Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau in Aachen studieren. „Mich interessieren sowohl technische Abläufe als auch wirtschaftliche Zusammenhänge“, sagt er. So lerne er beide Fachbereiche gleichzeitig kennen und könne später auch an Schnittstellen arbeiten.

Einblick in die Medizin

In der ältesten Stadt Deutschlands, in Trier, will Kristin Hucke aus Rosenthal Politikwissenschaft mit Englisch studieren. Diese Stadt sei perfekt für sie, da Trier eher gemütlich und nicht so unübersichtlich für den Anfang sei, gerade wenn man aus einer eher ländlichen Gegend komme. Genauso empfindet die zukünftige Lehramtsstudentin für Deutsch und Geschichte, Louisa Kowalewski aus Geismar, die bald in Heidelberg wohnen wird.

Schirin Schwarz aus Röddenau bleibt in der Region und macht im Frankenberger Krankenhaus eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Sie möchte einen Einblick in den medizinischen Bereich und möglichst viele Erfahrungen sammeln, um später vielleicht Medizin zu studieren.

Für die jungen Menschen wird nun eine aufregende Zeit beginnen - die Zukunft birgt viele neue Erfahrungen und auch die eine oder andere Herausforderung. Wo die Befragten heute in ein paar Jahren sein werden - das steht noch in den Sternen.

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