Frankenberg

Jörg-Uwe Hahn (FDP) besucht Günther Heißkanaltechnik

- Frankenberg (apa). Bevor der stellvertretende Ministerpräsident sich das Frankenberger Unternehmen Günther ansah, galt es, wichtige Telefongespräche zur Übernahme des angeschlagenen Opel-Konzerns zu führen.

Frankenberg. Einen Einblick in die Kompetenz, aber auch in die Sorgen eines mittelständischen, nordhessischen Unternehmens gewann der Hessische Minister für Justiz, Integration und Europa, Jörg-Uwe Hahn, am Dienstag bei einem Besuch bei Günther Heißkanaltechnik im Frankenberger Gewerbegebiet Nord. Der stellvertretende Ministerpräsident ist seit Montag im Rahmen seiner „Sommertour“ in Hessen unterwegs. Die Rundreise hat zwei Schwerpunkte, wie Hahn erläuterte: Einerseits das Thema Migration, andererseits die Situation mittelständischer und kleiner Betriebe in Hessen in der Wirtschaftskrise. Bevor der FDP-Minister an Informationsgespräch und Betriebsrundgang des Heißkanaltechnik-Herstellers teilnahm, musste er wegen der Opel-Übernahme telefonieren – und damit schloss sich ein Kreis. Denn Günther produziert für Kunden, die wiederum den Anbieter Magna beliefern, wie Günther-Geschäftsführerin Siegrid Sommer erläuterte. Sie informierte auch über die bisherigen Folgen der Finanzkrise für das Unternehmen: „Wir haben 25 Prozent Umsatzeinbußen“. Rund 40 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen in der so genannten Automotive-Sparte. Aktuell ist für einige Abteilungen Kurzarbeit angemeldet, Zeitverträge werden nicht verlängert. „Der Exportmarkt ist deutlich heruntergegangen“, erläuterte Siegrid Sommer, „der Anteil ist von 45 auf 30 Prozent gesunken.“ Sie berichtete, dass die Chinesen „sich einiges einfallen lassen, um es deutschen Herstellern richtig schwer zu machen, dort zu verkaufen.“ So wurde unter anderem die Zahlungsfrist deutlich verkürzt, so dass Zwischenfinanzierungen notwendig sind. Der Anteil im chinesischen Markt liege bei nicht mal einem Prozent. „Dann würde ich das beenden“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident. „Das können wir nicht“, erwiderte Sommer, „wir haben da europäische Kunden, die wir beliefern müssen“. Die Nachfrage in den USA scheine langsam wieder anzuziehen. Von einem sich derzeit im Aufbau befindlichen Verkaufs- und Technikbüro in Indien verspreche sie sich „einen großen Markt“, sagte Siegrid Sommer. Kritik übte sie an den Angeboten des Arbeitsamtes für die von Kurzarbeit betroffenen Mitarbeiter. „Word und Excel kann doch mittlerweile jeder“, sagte sie, „SAP oder eine Kranfahrerschulung, das hätten wir gebraucht.“ Die Geschäftsführerin sprach auch die fehlende Anbindung an eine Autobahn an. Hahn gab ihr Recht, zeigte sich aber vorsichtig: „In Zeiten wie diesen müssen wir aufpassen, dass wir nicht zu viel versprechen“, sagte er. Ein Spatenstich für die A4 sei in den nächsten drei, vier Jahren nicht zu erwarten, verwies er auf die Schulden in Höhe von 1500 Milliarden Euro in Deutschland allein aus öffentlicher Hand. Dafür versprach Bürgermeister Christian Engelhardt eine durchgängige DSL-Verbindung in der Region bis Anfang nächsten Jahres. Horst-Werner Bremmer, Leiter der technischen Anwendungsberatung, informierte über das Unternehmen von den Anfängen 1983 in einer Rennertehäuser Scheune bis heute (siehe Kasten). Außerdem führte er die Gäste, darunter Wirtschaftsförderer Siegfried Franke FDP-Landtagsabgeordneter Heinrich Heidel, FDP-Ortsverbandsvorsitzender Rainer Cramer, Reinhard C. Schulz und Stefan Sommer, Vorsitzender der Frankenberger Jungliberalen, durch den Betrieb.

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