Beim "Auhammer" geht es wieder aufwärts

Jörn: "Die Talsohle ist durchschritten"

+

Battenberg - Norbert Gerling ist neben Friedrich W. Jörn neuer Geschäftsführer im Eisenwerk Hasenclever. Nach schwierigen Jahren und dem Abbau von Arbeitsplätzen soll es dank innovativer Produkte und sinkender Kosten wieder aufwärts gehen.

2009 war der „Auhammer“ in eine Schieflage geraten. Zwei Geschäftsführer und vier Prokuristen sind im vergangenen Jahr freigestellt worden, damals hatte der frühere Hasenclever-Manager Friedrich W. Jörn wieder das Ruder übernommen. Gestern stellte Jörn den neuen kaufmännischen Geschäftsführer Norbert Gerling vor, der seit Mai für Vertrieb, Einkauf, Finanzen, Person, Administration und IT verantwortlich ist.

„Das Unternehmen war wesentlich kranker, als wir gedacht haben“, sagt Jörn. Sein Ziel: Hasenclever mit innovativen Produkten zurück in die Gewinnzone führen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, denn Durchhalteparolen in den vergangenen Jahren hätten die Mitarbeiter verunsichert, weil der versprochene Erfolg zunächst ausgeblieben sei: „Wir haben Leute verloren“, sagt er. Ein Teil der Stellen sei aber auch abgebaut worden. Derzeit beschäftigt das Eisenwerk 620 Mitarbeiter und 35 Leiharbeiter, im vergangenen Jahr waren es 740. „Wir mussten Personal reduzieren, damit wir am Markt bleiben können“, sagt Jörn. Füllen sich die Auftragsbücher weiter, würden weitere Mitarbeiter eingestellt.

Wichtigste Sparte bilden weiter die Produkte aus besonders temperaturbeständigem Stahlguss. Vor allem Turboladergehäuse aus solchem Material werden in modernen Otto-Motoren verwendet. „In der Premiumklasse läuft es hervorragend“, sagt Jörn. Der Personalstand in der Produktentwicklung sei aufgestockt worden. „Die Leute, die wir brauchen, haben wir halten können.“

Um wieder in die Gewinnzone zu gelangen, sollen Kosten minimiert werden. „Wir stellen jeden Prozess in Frage.“ In den vergangenen Jahren sei „viel Administration“ aufgebaut worden, der für die Wertschöpfung - also das Geldverdienen - nicht notwendig war, ergänzt Norbert Gerling. Auch beim Energieverbrauch sei viel gespart worden.

Nach wie vor sei das Eisenwerk Hasenclever Marktführer bei hochtemperaturfestem Stahlguss. „Qualität und Innovation sind in Ordnung.“ Angesichts der Konkurrenz in Korea und Europa sei das entscheidend: „Wenn wir nicht die Besten sind, dann haben wir ein Problem.“ Das war in den vergangenen Jahren nicht immer so, zeitweise sei „extrem hoher Ausschuss“ produziert worden. „Das haben wir alles wieder im Griff.“ Die Produkte sollen weiterentwickelt werden. Neben den Turboladergehäusen werden vermehrt Auspuffkrümmer aus dem temperaturbeständigen Stahlguss gefertigt. Die Teile würden kleiner, erläutert Jörn.

Anders als vor einigen Jahren noch geplant, bleiben die Turboladergehäuse also nicht das einzige Produkt. Künftig werden wieder in Großserie Zylinderköpfe für Großmotoren gefertigt, die unter anderem in großen Kraft-Wärme-Maschinen zur Stromerzeugung zum Einsatz kommen.

Eine drohende Pleite haben die Gesellschafter der Mutterfirma ERW mit insgesamt 23 Millionen Euro verhindert, auch eine Landesbürgschaft hatte den Auhammer vor dem Aus bewahrt (FZ berichtete). „Dass Gesellschafter so zum Unternehmen stehen, ist außergewöhnlich“, sagt Norbert Gerling.

Doch auch die Kunden, also Motorenhersteller, wollen, dass es weitergeht auf dem Auhammer: Die Produkte werden oft gemeinsam entwickelt, die Partnerschaften bestehen teilweise seit Jahrzehnten. „Das schweißt zusammen.“ Weitere Zugeständnisse musste die Belegschaft in den vergangenen Jahren machen. „Wir haben Verständnis, dass die Mitarbeiter in klares Fahrwasser reinwollen und sind immer wieder bereit, mit der Belegschaft zu sprechen“, sagt Norbert Gerling.

Der gute Name und die hohe Kompetenz in der Entwicklung hätten in der schwierigen Situation geholfen. Künftig sollen die Kosten noch stärker im Blick gehalten werden. Mit geringen Investitionen sollen Abläufe optimiert werden. „Wir brauchen auch Investitionen, um den Leuten die Arbeit zu erleichtern“, sagt Jörn.

Der Edelstahl sei hochverschleißfest und deshalb auch schwer zu bearbeiten. „Wir investieren in Technologie und Automatisierung und haben schon zusätzliche Roboter angeschafft.“ Um Geld zu sparen, sei die Steuerung selbst programmiert worden.

Kommentare