Der fünfjährige Ole erfüllt sich nach der Chemotherapie großen Wunsch · Als Einlaufkind im Fußballstadion

Der Jubel von 30.000 Fans als Medizin

Hatzfeld-Reddighausen - Über 30.000 Zuschauer jubeln und klatschen, als am 8. Februar die Spieler des 1. FC Kaiserslautern den Platz betreten. Mit auf dem Rasen ist der fünfjährige Ole Müller. Er erfüllt sich damit einen großen Wunsch. Im Jahr zuvor musste er wegen eines Tumors behandelt werden.

Ob Fritz Walter, Andreas Brehme Michael Ballack oder Miroslav Klose: Sie alle trugen einst das Trikot des 1. FC Kaiserslautern - und sie alle haben erlebt, wie scheinbar durch die Unterstützung der Fans auf dem Betzenberg verlorengeglaubte Spiele noch gedreht wurden.

Tumor ist nicht operabel

Diese Atmosphäre, wenn der Betze bebt, erlebte am 8. Februar auch Ole Müller aus Reddighausen. Vielmehr noch stand der Fünfjährige Sekunden vor dem Anpfiff auf dem grünen Rasen. Um ihn herum 32.000 Zuschauer - darunter seine Eltern und Geschwister. Dass Ole bei diesem wohl einmaligen Erlebnis dabei sein durfte, liegt an einer besonderen Vorgeschichte.

Bereits im Alter von neun Monaten wird bei dem Jungen ein gutartiger Tumor entdeckt. Dieser sitzt im Sehnerv. Die Ärzte diagnostizieren Neurofibromatose Typ 1 (NF1), der Tumor ist nicht operabel. Was folgt, ist vor allem für Ole selbst, aber auch für seine Eltern Ralf und Simone sowie seine drei Geschwister eine schwierige Zeit. Ole muss fortan regelmäßig zur Kontrolle ins Klinikum nach Gießen. Drei Jahre lang sieht alles den Umständen entsprechend gut aus. Dann sagen die Ärzte, der Tumor sei sprunghaft gewachsen - es müsse etwas getan werden.

Eine Chemo-Therapie soll das Wachstum des Tumors eindämmen. Sie beginnt im März 2012 und dauert bis zum September im Jahr darauf an. „Diese Zeit war für uns alle schlimm. Es ist schön, dass Ole jetzt auch wieder was unternehmen darf“, sagt seine Mutter. Die Chemo-Therapie wirkt. Aber in der Zeit der Behandlung ist er praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Einzig zu seinen Geschwistern und Cousins sowie zu den Kindern im Krankenhaus hat er Kontakt. „Das zehrte an Ole“, erklärt sein Vater.

Rolf Müller ist nicht nur Fan des 1. FC Kaiserslautern, sondern auch Vereinsmitglied. Dass das nicht zwingend auf die Kinder abfärben muss, beweisen seine Töchter. Sophie drückt den Spielern des FC Bayern München die Daumen, Viola ist Dortmund-Fan. Doch Ole faszinieren von Beginn an die Roten Teufel, deren Spiele sein Vater im Fernsehen verfolgt. Drei Trikots und zwei T-Shirts hat Ole vom 1. FC Kaiserslautern - sie sind seine Lieblings-Kleidungsstücke. Zudem ist er Mitglied in der „Teufelsbande“, dem Kinderverein des Zweitligisten.

Im Klinikum in Gießen entsteht nicht nur der Kontakt zu anderen Familien, sondern auch zu „wünsch dir was“. Der gemeinnützige Verein hilft dabei, die außergewöhnlichsten Wünsche kranker Kinder zu erfüllen. Das geht vom Treffen mit dem Papst bis zum Schwimmen mit Delfinen. Auch der Sohn von Simone Müller hat konkrete Vorstellungen: „Ole sagte sofort: Ich will mit den großen Männern Fußball spielen.“ Gemeint sind die Profis des FCK. Lange Zeit durfte er keinen Besuch empfangen, dafür will der Fünfjährige jetzt etwas erleben. Ein gemeinsames Training ist zwar nicht möglich, aber Ole soll als eines der Einlaufkinder an der Seite der Spieler den Platz des Fritz-Walter-Stadions betreten.

Im Januar wenden sich die Müllers mit der Bitte an „wünsch dir was“, dieser wiederum setzt sich mit dem Fußball-Verein aus der Pfalz in Verbindung. Dann geht alles ganz schnell. „Montags kam die Nachricht, dass Ole am Samstag dabei sein darf“, erinnert sich Ralf Müller.

Nervös, aber fasziniert

An das, was Ole dann am 20. Spieltag der 2. Bundesliga erlebt, wird er sich wohl noch lange erinnern. Vor dem Spiel dürfen die rund 20 Einlaufkinder auf der Trainerbank Platz nehmen. Der verletzte Stürmer Simon Zoller kommt vorbei und nimmt Ole auf den Schoß. Anschließend folgt der ganz große Augenblick. An der Hand von Kapitän Marc Torrejón betritt Ole vorneweg den Platz - unter dem Jubel von über 30000 Zuschauern. „Er tippelte schon vorher aufgeregt herum. Und seinem Blick nach zu urteilen, muss es für ihn alles wie in einem Film abgelaufen sein. Da bekommt man auch als Vater Gänsehaut“, sagt Ralf Müller.

Im Anschluss saugt Ole fasziniert die Stimmung auf, die die Fans des FCK machen. In den Tagen nach dem Spiel, habe er ständig die Vereinslieder gesungen. Aber die Aufregung erschöpft ihn auch. Dass Kaiserslautern das Topspiel gegen Greuther Fürth mit 2:1 gewinnt, ist da fast Nebensache.

Nach schwierigen Monaten darf Ole endlich wieder etwas unternehmen. Er muss wegen der Krankheit sein Leben lang untersucht werden. Um wieder fit zu werden, macht der Fünfjährige regelmäßig Krankengymnastik und Ergotherapie. Aber das alles zahlt sich aus: „Er blüht im Kindergarten auf. Ihm fehlte es, mit anderen Kindern zu spielen“, sagt sein Vater. Im Sommer will Ole dann selbst vor den Ball treten. Und der nächste Besuch auf dem Betzenberg ist auch festeingeplant. (tt)

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