Ohrenschmaus von besonderer Güte: „Feuerwerk der Meisterchöre“ in der Frankenauer Kellerwaldhalle

Ein Jubiläumskonzert, das nachklingt

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Frankenau - Nicht enden wollenden Applaus gab es am Samstagabend nach dem „Feuerwerk der Meisterchöre“. Mit mehr als 400 Besuchern und 170 aktiven Sängern war die Kellerwaldhalle beinahe schon überfüllt.

Der Ellershäuser Männergesangverein traf mit dem hochkarätigen Konzert bei Chorsängern und Musikliebhabern des Frankenberger Landes „voll ins Schwarze“. Anlass für das „Feuerwerk der Meisterchöre“ war das 175-jährige Bestehen des Mitteldeutschen Sängerbundes. Gastgeber und Zuhörer waren nach zweieinhalb Stunden Chorgesang auf höchstem Niveau begeistert und spendeten lang anhaltenden Applaus. 170 Sänger aus vier Chören brachten die Kellerwaldhalle zum Klingen. Schon der Auftakt mit dem Ellershäuser und Goddelsheimer Männergesangverein versprach viel: Mehr als 60 Sänger standen in einem großen Kreis an den Außenwänden der Halle und trugen das Berglied „Benia Calastoria“ stimmungsvoll vor.

Mit „Vivat Musica“ und „Sanctus“ des jungen polnischen Komponisten Piotr Janczak bewies der Ellershäuser Konzertchor unter der Leitung Marion Borns sein Niveau. Der gemischte Chor „Arion“ aus Weidenhausen, dirigiert von Holger Born, bot mit dem schwedischen „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“ wahren Hörgenuss. Kira Müller und Katrin Gornig begeisterten als Solistinnen. Ohne die Zugabe „Blessing of Aaron“ kamen die Männer und Frauen aus dem Wittgensteiner Land nicht von der Bühne. Höhepunkt beim Auftritt des Goddelsheimer Männergesangvereins war der Titel „Nur zu Besuch“, begleitet von Tatjana Kouper am Klavier. Bei der Zugabe „The Lion sleeps tonight“ zum Mitschnipsen brillierten Ralf Bangert und Rene Kleeberg als Solisten. Der Chor wurde ebenfalls von Holger Born dirigiert.

Wild wedelnder Winkler

Maß aller Dinge war am Samstag der Männerchor „Harmonie“ aus Lindenholzhausen mit seinem unnachahmlichen Dirigenten Martin Winkler. 75 Aktive standen auf der Bühne, der Chor zählt insgesamt 93 Sänger zwischen 14 und 86 Jahren. Sie sind mehrfacher internationaler Preisträger, zuletzt Sieger bei einem Chorfestival in Cornwall in England im Mai 2013. In dem 3000 Einwohner zählenden Stadtteil von Limburg bestehen sieben Chöre mit insgesamt 500 Sängern.

„Harmonie“-Dirigent Winkler studierte Musikwissenschaften, Gesangspädagogik und Chor-
 dirigieren in Frankfurt, wo er heute auch eine Musikschule betreibt. „Der Chor ist ein Faszinosum, die Leitung eine unheimlich herausfordernde Arbeit“, betonte Winkler im Gespräch mit der FZ. Der ganztägige Aufenthalt in Frankenau war Teil eines Probenwochenendes, das regelmäßig neben den wöchentlichen Proben im Frühjahr und Herbst stattfindet. Derzeit üben die Sänger für ein eigenes Konzert mit geistlichen Werken im Oktober in der Frankfurter Katharinenkirche. Häufig arbeitet der Chor auch mit Komponisten zusammen und gibt eigene Stücke in Auftrag. „Bei uns kann jeder mitsingen, der regelmäßig mit probt“, sagte Winkler und hob auch den sozialen Aspekt des Chores mit mehreren Generationen hervor.

Siebenstimmiges Ave Maria

Am Samstag boten die Sänger zuerst einen „Blumenstrauß“ klassischer Melodien wie „Wo die roten Rosen blühen“, im zweiten Teil sakrale Musik mit sechs Titeln. Höhepunkt war das „Ave Maria“, siebenstimmig vorgetragen mit einem Doppelchor. Es folgten zwei Zugaben, darunter der heitere Titel „Dry Bones“, untermalt mit kleinen Rasseln, Glöckchen, Trillerpfeifen und Klingeln. Gemeinsam mit den Sängern aus Goddelsheim und Ellershausen erklang der „Abendfrieden“ von Franz Schubert. Marion und Holger Born dirigierten die 140 Sänger zum Abschluss bei „Das Morgenrot“ von Robert Pracht.

Der Vorsitzende der Ellershäuser Gastgeber, Dieter Trollhagen, überreichte Präsente an die Chorleiter. Er hatte die mitwirkenden Chöre vorgestellt. Der Vizepräsident des Mitteldeutschen Sängerbundes. Klaus Trollhagen. sprach von einem „unvergesslichen Abend“. Durch das Programm führte Karl-Heinz Wenzel.

Von Frank Seumer

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