Michael Marx und Sharon Friedmann

Jüdische Nachfahren zu Besuch in Gemünden und Grüsen

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Empfang am Gemündener Rathaus: Sharon Friedmann und Michael Marx (Mitte) präsentieren ihren Familienstammbaum. Sie trafen sich zum Stadtrundgang mit (von links) Luise Baumann, Christa Erle, Uta Opper-Fiedler, Liane Theiß, Werner Baumann und Bürgermeister Frank Gleim.

Gemünden/Grüsen. Eine Woche lang gingen die Geschwister Michael Marx und Sharon Friedmann geb. Marx aus Israel in Nordhessen der Geschichte ihrer jüdischen Familie nach.

Sie legten auf dem jüdischen Friedhof von Grüsen Steinchen auf die Grabmale ihrer Urgroßmütter Betty Marx (verstorben 1924) und Karolina Marx (verstorben 1938), entzifferten Hausinschriften und standen im Gemündener Steinweg vor dem Stammhaus ihrer Andorn-Vorfahren.

Zwei Tage davon waren sie in Grüsen und Gemünden zu Besuch, wo sie von Bürgermeister Frank Gleim mit geschichtsbewussten Bürgern im Rathaus herzlich empfangen wurden.

Vorbereitet hatten dieses Wiedersehen mit der Heimat ihrer Vorfahren, die bis zum Einbruch der Nazi-Diktatur in christlich-jüdischer Tradition ein integrierter Teil der Bevölkerung des Wohratals waren, Hans-Peter Klein (Melsungen) und Uta Opper-Fiedler (Gemünden), die viele Daten und Bilder zusammen trugen.

Aber auch Michael Marx (geb. 1973), der als Rechtsanwalt in Tel Aviv arbeitet, kam mit einer komplett digitalisierten Ahnentafel und verglich beim Friedhofsbesuch in Grüsen bei allen Inschriften die Lebensdaten auf dem Bildschirm. Vor zwei Jahren begann er, die Grüsener Marx-Familie zu erforschen. „Von meiner Großmutter Else, 1911 in Grüsen geboren und 1934 nach Palästina emigriert, habe ich noch viel erfahren“, erzählte Sharon Friedmann. „Sie schilderte mir, wie dort am Sabbatabend der Tisch festlich gedeckt wurde und die Familie zum Kaffeetrinken zusammenkam. Sogar ein paar Rezepte hat Großmutter mir noch aufgeschrieben - ‚Kartoffelsalat’ zum Beispiel“, sagt Sharon auf Deutsch.

Von Karl-Hermann Völker

Wie die beiden Gäste aus Israel das engagierte Interesse an der Aufarbeitung jüdischer Familiengeschichte empfanden, lesen Sie in der gedruckten Dienstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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