Demografischer Wandel: 500 Gäste bei Info-Veranstaltung der Frankenberger Bank

Jüngere stark betroffen

Nach der Infoveranstaltung: (von links) Dieter Ohlsen (Vorstand Frankenberger Bank), Landrat Dr. Reinhard Kubat, Gastreferent Professor Dr. Bernd Raffelhüschen, Ralf Schmitt (Vorstand Frankenberger Bank), Pfarrer Claus Becker (Battenfeld) und Klaus Gantner (Vorsitzender Arbeitskreis der Wirtschaft für Kommunalfragen Frankenberg). Foto: Battefeld

Frankenberg. Seine Botschaft an die Generation „50 und jünger“ ist eindeutig: „Sie haben kein Problem mit ihrer Rente. Sie sind das Problem“, so formulierte Professor Dr. Bernd Raffelhüschen vor 500 Gästen. In der Ederberglandhalle referierte der Freiburger Wissenschaftler auf Einladung der Frankenberger Bank zum Thema „Nachhaltigkeit der sozialen Sicherung“ und nahm an einer Podiumsdiskussion teil, moderiert von Bankvorstand Dieter Ohlsen.

In dieser gingen die Redner auf regionale Probleme im Hinblick auf den demographischen Wandel ein. Landrat Dr. Reinhard Kubat verwies auf einen „erheblichen Bevölkerungsschwund“ im Landkreis, hervorgerufen durch weniger Geburten und die Abwanderung junger Menschen. Trotz dieser „betrüblichen Situation“ zeigte sich Kubat optimistisch: „In wenigen Jahren wird nach der Landflucht wieder eine Umkehr eintreten. Die Leute werden zurückkommen“, sagte er. Der größte Fehler sei es, den Kopf in den Sand zu stecken. „Die Region muss sich selbst etwas zutrauen und eine Perspektive bieten“, forderte der Landrat.

Klaus Gantner, Vorsitzenden des Arbeitskreises der Wirtschaft für Personalfragen, berichtete, man habe schon die ersten Probleme bei der Beschaffung von Arbeitnehmern. „Die Studenten gehen gerne in die Metropolen“, bedauerte er und forderte eine bessere Infrastruktur in der Region.

Auch der Vertreter der Kirche, Claus Becker (Battenfeld), beklagte, dass es zunehmend schwierig sei, Pfarrstellen in ländlichen Regionen zu besetzen: „Die Ehepartner finden oft keinen Arbeitsplatz“, erklärte er dazu.

„Sie haben kein Problem mit ihrer Rente. Sie sind das Problem.“

Prof.Raffelhüschen zur Generation „50 minus“

Wohin der demographische Wandel die Sozialversichergungssyssteme noch bringen könnte, hatte zuvor Professor Raffelhüschen mit klaren Worten und einer gehörigen Portion schwarzen Humor beschrieben. Als „Baustellen“ nannte er die Stichworte Rente, Beamtenversorgung, Gesundheit, Pflegeversicherung und den Arbeitsmarkt. Auch die Staatsschulden seien ein gewichtiges Problem, zumal der Staat nicht wie ein ehrbarer Kaufmann bilanziere.

Die Graumelierten unter den Zuhörern könnten sich relativ entspannt zurücklehnen, so Raffelhüschen. Für die Unter-50-Jährigen gelte das nicht. Die Zahl der Kinder, die man in den letzten 40 Jahren nicht geboren habe, könne die Gesellschaft einfach nicht mehr wettmachen, sagte der Professor mit Blick auf den demographischen Wandel.

Von Susanna Battefeld

Quelle: HNA

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