Wettbewerb "Meine Zukunft"

Junge Menschen lösen alte Probleme

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Jan Rechenbach, Jana Engelmohr, Selina Stumpe und Thorben Heß (von links) haben die „Viessmann Lernfabrik“ entwickelt. Damit wollen sie den Ablauf der betrieblichen Ausbildung verbessern und verzahnen. Fotos: Patricia Kutsch

Frankenberg - Eine Fabrik, in der Auszubildende das Sagen haben und eine Idee, die Arbeit erspart - mit diesen Ideen haben sich Auszubildende von Hettich und Viessmann bei einem Nachwuchswettbewerb beworben. Beide Projekte werden schon von den Firmen umgesetzt.

„Wir wollen die Ausbildungsstruktur verbessern“, sagt Jana Engelmohr. Sie ist Auszubildende bei Viessmann, lernt Industriekauffrau. Zusammen mit drei weiteren Azubis - der Außenhandelskauffrau Selina Stumpe, Werkzeugmechaniker Thorben Heß und Produktdesigner Jan Rechenbach - hat sie getüftelt.

Die vier planen nun eine kleine Fabrik innerhalb der Fabrik. In dieser Lernfabrik sollen Azubis im zweiten Lehrjahr den kompletten Produktionsablauf von einer Kundenbestellung bis hin zur Auslieferung nicht nur hautnah miterleben, sondern selbstverantwortlich organisieren. So wollen die Azubis die technische und die kaufmännische Ausbildung enger miteinander verzahnen. „Wir lernen die Prozesse im Unternehmen ganzheitlich kennen“, erklärt Rechenbach. Etwa drei Monate solle jeder Azubi und Student in dieser Lernfabrik arbeiten - dabei haben die jungen Menschen die Planung, die Beschaffung der Materialien und die Produktion in eigener Hand. Die Arbeit in der Fabrik gleicht dem Ablauf im Unternehmen - im kleineren Rahmen.

Die Idee des Nachwuchses ist bei der Firmenleitung bereits gut angekommen und soll laut Ausbildungsleiter Georg Glade im ersten Quartal 2013 starten. Die Vorbereitungen laufen: Ein eigener Bereich für die Azubi-Fabrik wurde bereitgestellt. „Die Auszubildenden bekommen die Gesamtverantwortung. Auch für die Verwaltung“, kündigt Glade an. Sie sollen ein Bauteil für ein Wandgerät produzieren, dürfen testen, Produktionsabläufe umstellen, optimieren. „Das ist keine Spielerei, sondern wir übertragen den Azubis die komplette Verantwortung für eines unserer Teilprodukte.“

Von dem Projekt ihrer Auszubildenden sind auch die Betreuer des Hettich-Teams überzeugt. Die Umsetzung der Idee läuft - denn damit kann das Unternehmen laut Personalmanagerin Britta Trompeter nicht nur Zeit einsparen, sondern tut etwas für die Arbeitssicherheit. Das Team Dennis Maier, Nils Reiser, Nico Backhaus und André Blättler hat sich überlegt, wie die Lieferung von Zink nicht nur schneller, sondern auch sicherer ablaufen kann. „Den Prozess haben wir direkt vor der Nase. Wir sehen ihn durch die Fenster der Lehrwerkstatt und das Abladen dauert bis zu zwei Stunden“, sagt Reiser. 15 LKW liefern jeden Monat jeweils 25 Tonnen Zink. Ein Problem sei laut Zink, dass die LKW zu weit vom Anlieferungstor entfernt parken. „Die Straße ist zugeparkt und die Fahrer wissen nicht, wie weit sie zurück können.“ Zudem stehe das Tor bis zu zwei Stunden offen, kalte Luft ziehe herein und gefährde die Gesundheit. Den kalten Luftstrom wollen die Azubis mit einem Heißluftgebläse, wie es in Kaufhäusern üblich ist, eindämmen. Für das Park-Problem gibt es auch eine Lösung: Parkmarkierungen, Parkverbote und eine Lichtschranke, die dem Lieferanten anzeigt, wie weit er zurück fahren darf. Geringere Parkentfernung bedeutet dann kürzere Fahrten für den Staplerfahrer und ein schnelleres Abladen.

Ein Problem betreffe die Sicherheit: Denn wenn das Tor geöffnet ist, dann geht der Mitarbeitereingang eigentlich nicht auf. Die Kollegen manipulieren laut Maier die Tür jedoch oft - weil sie sonst Umwege laufen müssten. Und der Staplerfahrer muss langsamer fahren, weil er auf Fußgänger aufpassen muss. Ein Parabolspiegel soll dem Fahrer bessere Einsicht verschaffen und Verbotsschilder und Strafen sollen Mitarbeiter daran erinnern, dass sie die Tür bei Anlieferungen nicht benutzen dürfen.

„Ich war positiv überrascht von den Ideen“, sagt Betreuer Volker Bornscheuer. Junge Mitarbeiter hätten viele Ideen, seien nicht betriebsblind. Das fördere er gerne. „Und Kollegen haben gleich gesagt, dass es ja mal Zeit wurde, dass bei der Zink-Anlieferung jemand etwas ändert.“ Ampeln und Spiegel sind nach Auskunft von Trompeter bereits bestellt. Die Azubis dürfen dann überlegen, wie sie installiert werden sollen.

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